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Der Fall Greveno - Verbrechen am Urwald

Mit einem dringenden Fax hat Greenpeace am frühen Donnerstagmorgen den britischen Umweltminister zum Handeln aufgefordert: Er soll die Ladung des Frachters Greveno im Londoner Hafen beschlagnahmt wird. Das Schiff hat Holz aus illegalem Einschlag in Indonesien geladen.

Greenpeace-Aktivisten hatten das Schiff bereits erwartet und sich an den Schleusentoren der Londoner Tilbury-Docks postiert. Ein riesiges Polizeiaufgebot sorgte dafür, dass die Greveno schließlich doch an den Docks anlegen konnte.

Der Frachter ist ein alter Bekannter. Die Crew des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior beobachtet ihn seit Anfang Februar, als er in Indonesien illegal geschlagenes Holz lud. Lieferant war die Ariabima Sari-Sägemühle der Firma Korindo. Das Unternehmen ist bekannt für seine Geschäftsbeziehungen zu den berüchtigten indonesischen Holzbaronen.

Das Ariabima Sari-Sägewerk liegt in unmittelbarer Nähe des Tanjung Puting-Nationalparks. In dem streng geschützten Naturschutzgebiet dürfte eigentlich kein einziger Baum gefällt werden. Doch als Greenpeace-Aktivisten den Park überflogen, stellten sie große neue Kahlschlagflächen fest. Auch die Ladung der Greveno stammt aus dem Nationalpark.

Fotografien zeigen, dass mittlerweile fast die Hälfte des 300 Hektar großen Parks zerstört ist. Damit ist auch eine der letzten Populationen von Orang-Utans akut gefährdet. Mit ihrem Lebensraum schwindet ihre Überlebenschance.

Der Fall steht exemplarisch für den Umgang mit den letzten Urwäldern der Erde, besonders in Indonesien. Die Weltbank schätzt, dass der Großteil der indonesischen Urwälder bis 2010 abgeholzt sein wird, wenn der zu 90 Prozent illegale Einschlag nicht endlich gebremst wird.

Gesetze allein reichen dafür nicht aus. Die beste Bremse wäre, wenn das geraubte Holz auf dem Weltmarkt unverkäuflich wäre. Doch mit ihrem unersättlichen Hunger nach billigem Holz und Papier heizen die Industrieländer Profitgier und Korruption immer weiter an.

Hinter jedem Stück Holz aus indonesischen Urwäldern steht ein Netz aus kriminellen Machenschaften, Korruption und Blutvergießen, mahnt Greenpeace-Waldexperte John Sauven. Die Regierungen der ganzen Welt müssen das verbrecherisch gewonnene Holz zurückweisen und den Markt schließen, bevor der indonesische Urwald verschwunden ist und Orang-Utans nur noch im Zoo zu finden sind.

Über die kriminellen Machenschaften der indonesischen Holzbarone:

Faith - Umweltaktivistin und Mafiaopfer

Interview mit dem indonesischen Umweltschützer Abi Kusno Nachran, Teil 1

Interview mit Abi Kusno Nachran, Teil 2

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