Der Amazonas-Regenwald

Als grüne Lunge werden die tropischen Regenwälder unseres Planeten bezeichnet. Der größte ist der Amazonas-Regenwald.
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Um einen Großteil dieser grünen Lunge steht es schlecht. Theoretisch gehört sie sofort auf die Intensivstation. Wohlbehütet, umgeben von Ärzten und Pflegern, die sich Tag und Nacht um ihr Befinden kümmern. Denn dieser Patient ist enorm wichtig für das Funktionieren unseres globalen Systems. Die Fläche des Amazonas-Urwald ist etwa anderthalb mal so groß wie die Europäische Union. Den Namen grüne Lunge verdanken die tropischen Regenwälder ihrer Eigenschaft, CO2 aus der Luft aufzunehmen und Sauerstoff abzugeben. Sie sind damit wichtige Filter für das globale Klimasystem.

Allein der Amazonas-Regenwald speichert geschätzte 80 bis 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Würde nichts zu seiner Rettung unternommen und der Patient Amazonas stürbe weg, hätte das für unser Klima verheerende Folgen: Die Zerstörung des Waldes hätte einen CO2-Ausstoß zur Folge, der etwa dem 400-Fachen der jährlichen CO2 Emissionen Deutschlands entspräche. Ein Absterben des Amazonas wäre in vielerlei Hinsicht fatal.

Austrocknen des Regenwaldes

Der Amazonas-Regenwald reguliert seinen Wasserhaushalt eigenständig. So wie wir durch Signale wie Hunger und Durst unsere menschlichen Körperfunktionen selbst einschätzen und entsprechend handeln können, organisieren die Pflanzen den lebenswichtigen Niederschlag weitgehend selbst. Ein Großteil des Wassers wird entweder von den Pflanzen zwischengespeichert oder von ihren vielfältigen Oberflächen aufgefangen und verdunstet. Beides hat zur Folge, dass das Wasser wieder abgegeben wird und für neuen Niederschlag sorgt. Ist der Wald weg, versickert der Regen entweder sofort oder fließt in einem der unzähligen Flüsse direkt zurück ins Meer.

Eine Klimaerwärmung von zwei bis drei Grad, kombiniert mit der Entwaldung weiter Teile des Regenwaldes, könnte dafür sorgen, dass die Niederschläge voraussichtlich um bis zu dreißig Prozent abnehmen. Dann wäre das Immunsystem des Waldes gestört, er könnte sich nicht mehr selbst regulieren, ein tödlicher Kreislauf würde in Gang gesetzt.

Folgen für Mensch und Tier

Neben der Klimaerwärmung selbst setzt die Rodung dem Amazonas extrem zu. Bis Juli 2008 wurden mit 74 Millionen Hektar bereits knapp 20 Prozent des Regenwaldes komplett vernichtet - größtenteils illegal. Dies entspricht einer Fläche, die doppelt so groß ist wie Deutschland. Der Amazonas-Regenwald, beherbergt das wohl artenreichste Ökosystem der Erde. Studien zufolge gibt es dort mehr als 5.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten. Doch mit dem Regenwald ist diese Vielfalt in Gefahr.

Überdies leben im Amazonasgebiet über 20 Millionen Menschen. 200.000 davon sind Indigene, die 180 verschiedenen ethnischen Gruppen angehören. Für sie ist der Regenwald Zuhause, Supermarkt und Apotheke in einem. Er versorgt sie mit Nahrung, Werkzeug, Medizin und allem, was sie zum Leben benötigen. Mit dem Regenwald schwinden auch ihre Überlebenschancen.

Wie Rinder den Regenwald fressen

Rinderzucht ist die Hauptursache für die Zerstörung des Regenwaldes. Für diese Entwicklung ist nicht zuletzt die Politik verantwortlich. Sie hat den Ausbau der Infrastruktur massiv vorangetrieben. Auf diesen Wegen war es vielen Menschen erst möglich in den Regenwald vorzudringen.
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