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Chile schließt Papierfabrik nach Protesten

Nach nur einem Jahr Betrieb ist am Dienstag eine Papierfabrik im zentralchilenischen Valdivia wieder geschlossen worden. Greenpeace und andere Umweltorganisationen hatten den Behörden bereits im Oktober Beweise über die enorme Verschmutzung durch das Werk vorgelegt. Es liegt direkt neben dem Naturschutzgebiet Carlos Anwandter, dass nach der internationalen UN-Konvention zum Schutz von Feuchtbiotopen (Ramsar-Konvention) geschützt ist.

In dem einem Jahr Betrieb hat die Zellulosefabrik 50 Prozent mehr Zellulose produziert als genehmigt, 19 Umweltauflagen verletzt und das Wasserschutzgebiet zum Beispiel für die seltenen Schwarzhalsschwäne nahezu unbewohnbar gemacht. Nur 2.000 der ursprünglich 6.000 Tiere sind noch dort. Rund siebzig sind gestorben, der Großteil ist in weniger vergiftete Gebiete ausgewichen. Auch rund 100 Einwohner von Valdivia mussten wegen Vergiftungserscheinungen ärztlich behandelt werden.

Bereits bei der Konstruktion der 900 Millionen Euro teuren Fabrik hatte die Firmenleitung einen geheimen Abwasserkanal installieren lassen, der in den Plänen für die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht verzeichnet war. Für die mangelnde Einhaltung von Auflagen hat das Unternehmen Arauco jedoch umgerechnet nur rund 28.000 Euro an Strafen zahlen müssen - lächerlich im Vergleich mit den Gewinnen der Muttergesellschaft Celco: 875 Millionen Euro im Jahr 2004.

Das Werk hätte niemals in Betrieb gehen dürfen, sagt Greenpeace-Geschäftsführer Gonzalo Villarino Herrería. Die Schließung ist eine gute Nachricht, aber sie kommt zu spät. Wir setzen uns für eine andere, nachhaltigere Form von Entwicklung in Chile ein. Ein solches Werk hat in einem Naturschutzgebiet einfach nichts zu suchen.

Noch ist unklar, ob das Werk nach Erfüllung der Auflagen den Betrieb wieder aufnehmen darf.

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