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Schutzgebiete für Buchenwälder

Sie waren der Lebensraum von Wildkatze, Luchs und Wolf. Und bildeten einst das Rückgrat für die Regulierung des Klimas in Europa. Einst! Denn heute ist von den ehemals üppigen Rotbuchenwäldern kaum noch was übrig - auch in Deutschland. Dass es so nicht weitergeht, hat sogar die Bundesregierung erkannt - getan hat sie nahezu nichts. Die neue Greenpeace-Studie zeigt, wie Buchenwälder in Deutschland bis 2020 geschützt werden sollten.

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Weniger als ein Prozent der Wälder sind hierzulande geschützt. Die Gier der Holz- und Papierindustrie und die zunehmende Nachfrage nach Holz als Brennstoff haben den Druck auf die letzten Rotbuchenwälder in den vergangenen zehn Jahren zusätzlich erhöht.

Die Bundesregierung hat 2007 mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie fraktionsübergreifend auf Anforderungen der UN reagiert und Maßnahmen gegen den Artenschwund beschlossen. Die Strategie sieht vor, fünf Prozent der Waldfläche Deutschlands unter Schutz zu stellen und wieder ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Bis heute gibt es jedoch noch kein Gesamtkonzept für den Buchenwaldschutz.

Ungenutzte Buchenwälder sind enorm wichtig für viele Tier- und Pflanzenarten, die entweder große ungestörte Gebiete benötigen oder - wie unzählige Insekten, Pilze oder Moose auf abgestorbenen Bäumen - auf die Zerfallprozesse von natürlichen Wäldern angewiesen sind. Wir Menschen brauchen diese Wälder zum Erhalt der Artenvielfalt, zum Beobachten und Lernen, wie Wälder zum Beispiel auf den Klimawandel reagieren. Und wir brauchen sie, um einfach nur mal da zu sein: im Wald! Nichts tun außer lauschen und schauen.

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Schritte zum Schutz

Deutschland trägt als eines der buchenwaldreichsten Länder Europas eine besondere, internationale Verantwortung für den Schutz dieser einzigartigen Wälder, sagt Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace. Er fordert deshalb bis 2020 zehn neue Nationalparks und den sofortigen Schutz der alten Buchenbestände. Die Nationalparks sollen in folgenden Waldgebieten eingerichtet werden: Nordschwarzwald, Pfälzer Wald, Spessart, Steigerwald, Ammergebirge, Stechlinsee, Taunus, Solling, Teutoburger Wald und Thüringer Wald.

Korridore sollen für zurückkehrende Tierarten wie zum Beispiel Wildkatze oder Luchs Verbindungen zwischen den Schutzgebieten schaffen - auch über die deutsche Staatsgrenze hinaus. Auch die Umwandlung von Nadel- in Laubwälder ist notwendig, um die Sünden der letzten beiden Jahrhunderte rückgängig zu machen: So wurden abgeholzte Buchenwälder mit schneller wachsenden Nadelbäumen aufgeforstet, um die Bäume eher nutzen zu können.

Durch den Schutz der Buchenwälder auf fünf Prozent der Waldfläche bis 2020 werden künftig nicht nur Arten wie Luchs, Wolf und Wildkatze geschützt, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet, sagt Kaiser. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen haben eine besondere Verantwortung für den Schutz der natürlichen Buchenwälder in Deutschland.

Publikationen

Rotbuchenwälder im Verbund schützen

Schutz der Buchenwälder: Greenpeace und andere Umwelt- und Naturschutzverbände fordern mindestens zehn Prozent der Waldfläche Deutschlands dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Stellungnahme zum Hessischen Waldgesetz

Greenpeace ist vor dem hessischen Landtag zur Novellierung des hessischen Landeswaldgesetzes gehört worden. Greenpeace kritisiert, dass die Landesregierung in Hessen ihrer besonderen Verantwortung für Umwelt und Erholung im Staatswald nicht gerecht wird.

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Urtümliche Buchenwälder sind in Deutschland rar geworden. Umso wichtiger ist es, diese Naturparadiese zu bewahren.

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