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Greenpeace startet Kartierung hessischer Buchenwälder

Nach Bayern und Niedersachsen ist nun auch Hessen an der Reihe: Greenpeace startet die Kartierung des Hessischen Staatswaldes, um das Potenzial für den Klimaschutz zu ermitteln. Der Landesbetrieb Hessenforst, der den Wald bewirtschaftet, zeigt sich nicht kooperativ. Er hält wichtige Daten über den Bestand der Buchenwälder zurück.

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Greenpeace-Aktivisten untersuchen alte Buchenwälder in Hessen. Diese Woche starteten sie, den Reinhardswald bei Kassel zu vermessen. Über den Holzvorrat wollen sie die Kohlenstoffspeicherung ermitteln. Und die ist bedeutsam, wenn es um den Beitrag zum Klimaschutz geht.

"Durch die Industrialisierung der Forstwirtschaft in Hessen werden die Wälder dort immer lichter und dünner. Das ist erschreckend, zumal die Forstwirtschaft in diesem Jahr 300 Jahre nachhaltige Bewirtschaftung im Wald feiert", sagt Martin Kaiser, Klima- und Waldexperte bei Greenpeace.

Der Hessische Staatswald wird seit 2011 vom Landesbetrieb Hessenforst bewirtschaftet. Ihm sind wirtschaftliche Interessen wichtiger als die ökologischen Funktionen des Waldes. Vermutlich deshalb hält die Landesregierung wichtige Daten über die alten Buchen in öffentlichen Wäldern unter Verschluss. Bereits im März reichte Greenpeace Klage gegen den Landesbetrieb Hessenforst ein. Greenpeace fordert eine unverzügliche Freigabe der Daten.

Hessen ist Schlusslicht beim Schutz alter Wälder

Nach den Vorgaben der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) sollen zehn Prozent der öffentlichen Wälder auch in Hessen bis zum Jahr 2020 aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Diese Schutzgebiete tragen zum Klimaschutz bei und bieten Erholungsräume für die Menschen. Die Landesregierung unter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) weigert sich aber, diese von der Bundesregierung beschlossenen Ziele zum Waldschutz umzusetzen. Das geht aus der Kleinen Anfrage der Grünen aus dem Jahr 2012 hervor.

Stattdessen nimmt Hessenforst rechtlich nicht abgesicherte Kleinstflächen vorübergehend aus der Nutzung. So kann er der Verpflichtung entgehen, große Buchenwälder ohne forstliche Nutzung rechtsverbindlich auszuweisen. Bis auf den Nationalpark Kellerwald und zwei weitere Naturwaldreservate sind alle Naturwälder kleiner als ein Quadratkilometer.

Von insgesamt 3.430 Quadratkilometern Staatswald überlässt Hessen nicht einmal zwei Prozent der Natur und der Erholung der Menschen. "Hessen ist Schlusslicht beim Schutz alter Buchenwälder in Deutschland", so Kaiser. "Den hessischen Bürgerinnen und Bürgern und der Natur fehlen große, forstlich ungenutzte Wälder für die Erholung und um wieder echte Urwälder entstehen zu lassen."

Für einen sofortigen Einschlagstopp

Greenpeace fordert einen sofortigen Einschlagstopp für alle öffentlichen Buchenwälder in Hessen, die über 140 Jahre alt sind. Dieser soll so lange gelten, bis die Daten den Bürgern und Bürgerinnen öffentlich gemacht und die Ziele der NBS umgesetzt sind.

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