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Greenpeace-Aktivisten fordern rechtlich geschützte Waldflächen

Im bayerischen Spessart setzen Greenpeace-Aktivisten die Kartierung der Bäume fort, die sie Anfang des Jahres begonnen haben. Mit Maßband und GPS-Geräten nehmen sie Bäume mit über 50 Zentimeter Durchmesser in digitale GIS-Karten auf. Sie dokumentieren die zunehmende Industrialisierung der öffentlichen Wälder und zeigen den Bürgerinnen und Bürgern, wo die Naturschätze ihrer Region liegen.

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Wir werden mit unserer Kartierung weitere Transparenz in Bayerns öffentlichen Wäldern schaffen, die der Forstminister noch immer verweigert, sagt Martin Kaiser, Klima- und Waldexperte von Greenpeace.

Bereits Anfang dieses Jahres erfassten Greenpeace-Aktivisten 23.844 alte Buchen und Eichen und erstellten aus den Daten 17 Karten und Grafiken. Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) bewirtschaftet seit dem Jahr 2005 große Teile des Spessarts. Forstminister Helmut Brunner (CSU) verweigert weiterhin den Schutz von zehn Prozent der öffentlichen Wälder und hält die zugehörigen Daten zurück.

Als die Umweltschützer im vergangenen Winter mit einem sechswöchigen Camp im Spessart aktiv waren, konnten sie erste Reaktionen von Brunner und Rudolf Freidhager, dem Vorstandsvorsitzenden der BaySF, erzielen. Während zuvor dementiert wurde, dass es etwas zu kritisieren gibt, kündigten sie dieses Jahr im Juni an, vorübergehend die Pflanzung der nordamerikanischen Nadelbaumart Douglasie in einem Schutzgebiet zu stoppen. Außerdem sprachen sie sich gegen die Holznutzung von über 180 Jahre alten Buchenbeständen 'in den nächsten Jahren' aus. Zudem wurden Karten dieser Wälder aus 13 der 41 BaySF-Betriebe veröffentlicht.

Bayerns Forstminister Brunner stoppt die Säge nicht

Mit den wachsweichen Ankündigungen möchte sich der bayerische Forstminister nur Luft verschaffen. Eine Kehrtwendung im öffentlichen Wald sieht anders aus, sagt Kaiser. Brunner kommt seiner Aufsichtspflicht nicht nach und stoppt die Säge nicht.

Der Vorstandsvorsitzende verheimlicht weiterhin die Pläne über die Waldnutzung der nächsten zehn Jahre sowie die Naturschutzkonzepte im überwiegenden Teil der BaySF-Betriebe. So haben die Bürgerinnen und Bürger keine Möglichkeit sich zu beteiligen. Der Vorstand verfolgt bis heute die Waldbau-Richtlinien, die die Abholzung alter Buchenwälder vorsieht.

Der Lebensraum seltener Urwaldarten geht für immer verloren, wenn die Holznutzung der 140 Jahre alten Buchen nicht sofort gestoppt wird. Deshalb fordert Greenpeace den rechtlich verbindlichen Schutz von zehn Prozent der Staatswaldfläche.

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