Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Faktencheck zur Presseinformation der Bayerischen Staatsforsten

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) reagierten am 14. Dezember in einer Presseinformation auf die Greenpeace-Aktion zum Schutz der alten Buchenwälder in Bayern. Die Aktivisten hatten sich an diesem Tag in einem Waldgebiet bei Rothenbuch im Spessart zwischen Waldarbeiter und Bäume gestellt, um alte Buchen zu schützen. Die BaySF hatten bereits im Juni einen Einschlagstopp für alte Wälder über 180 Jahre verhängt (Link zur BaySF-Richtlinie.)

Die BaySF stellt folgende Punkte falsch dar, die wir im Folgenden richtig stellen:

1. Zum Alter des Waldes:

Zitat aus der Presseinformation der BaySF: Der betreffende Bestand ist nicht – wie Greenpeace behauptet – ein Klasse-1-Wald (nach der unternehmensinternen naturschutzfachlichen Einteilung), sondern gehört der Klasse 2 an. Deshalb findet dort eine reguläre Forstwirtschaft statt […]

Oliver Salge, Greenpeace: Forstkarten aus dem Jahr 1992 zeigen eindeutig, dass der Bestand heute circa 183 Jahre alt sein muss (Karte) . Zudem enthält das Waldstück mehr als 80 Prozent Buchen. Daher muss der Wald in der Abteilung Röhrweg als ein sogenannter Klasse-1-Wald eingeordnet und von Fällungen ausgenommen werden. Forstminister Helmut Brunner (CSU) hatte im Juni diesen Jahres einen Einschlagstopp für alle 180 Jahre alte Wälder Bayerns verkündet.

2. Zum Vorwurf der akuten Lebensgefahr:

Zitat aus der Presseinformation der BaySF: Die Verantwortlichen der Hamburger Umweltgruppe Greenpeace haben am heutigen Freitag Aktivisten in eine abgesperrte laufende Holzerntemaßnahme geschickt – und damit in akute Lebensgefahr gebracht.

Oliver Salge, Greenpeace: Akute Lebensgefahr besteht durch die vom Vorstandsvorsitzenden der BaySF, Dr. Rudolf Freidhager, angeordnete Vernichtung der letzten alten Buchenlaubmischwälder in der Tat: Für die zahlreichen Arten, die auf die alten Bäume als Lebensraum angewiesen sind.

Das Waldgebiet war entgegen den Angaben der BaySF weder abgesperrt, noch war irgendein Anwesender in akuter Lebensgefahr. Die Waldarbeiter stellten ihre Arbeit nach dem Sichten der Umweltschützer ein und zogen sich zurück. Die Umweltschützer waren zudem mit Warnwesten und Helmen bekleidet.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) muss sich nun der Sache annehmen und die alten Wälder Bayerns vor den Bayerischen Staatsforsten schützen.“

Weiterführende Publikationen zum Thema

Stellungnahme zum Hessischen Waldgesetz

Greenpeace ist vor dem hessischen Landtag zur Novellierung des hessischen Landeswaldgesetzes gehört worden. Greenpeace kritisiert, dass die Landesregierung in Hessen ihrer besonderen Verantwortung für Umwelt und Erholung im Staatswald nicht gerecht wird.

Zur Kampagne

Stoppt die Säge!

Urtümliche Buchenwälder sind in Deutschland rar geworden. Umso wichtiger ist es, diese Naturparadiese zu bewahren.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Defizit im deutschen Wald

Inventur für Deutschlands Wälder: Zum dritten Mal nahm sich die Bundesregierung die Forstflächen vor. Das Ergebnis: mehr Bäume – aber weiterhin große Defizite

Naturschatz Spessart weiter in Gefahr

Drei Monate lang beobachteten insgesamt 49 ehrenamtliche Aktivisten täglich die Vorgänge in den Wäldern der BaySF-Forstbetriebe. Das Ergebnis: Die Holzeinschläge in alten Buchenwäldern...