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Buchautor/innen für den Urwald

Neben dem Greenpeace-Zelt auf der Frankfurter Buchmesse ragt der gewaltige Rest eines gefällten Urwaldriesen aus dem Amazonas-Regenwald auf. Er zeigt symbolhaft, woher das Papier für unsere unzähligen Bücher stammt - aus den letzten Urwäldern der Erde. Gemeinsam mit Schriftsteller/innen und Verlagen will Greenpeace dem sinnlosen Vernichtungswerk ein Ende bereiten.

Autor/innen und Verlage für die Urwälder nennt sich die Länder übergreifende Initiative, die Greenpeace ins Leben gerufen hat. Ihr Ziel ist der verstärkte Einsatz von Recyclingpapier im Buchdruck. Nur 20 Prozent der ehemaligen Urwälder sind heute noch als einzigartige, artenreiche Lebensräume erhalten, sagte Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge am Mittwoch in Frankfurt. Kein Buchverlag kann deren Zerstörung wollen.

International bekannte Autorinnen wie Margaret Atwood und Helen Fielding haben sich dem Aufruf angeschlossen. Ihre nächsten Bücher wollen sie auf urwaldfreundlichem Papier drucken lassen. In Deutschland haben beispielsweise Kirsten Boie, Michael Jürgs und Elke Heidenreich beschlossen, in Zukunft auf Recyclingpapier zu veröffentlichen.

Beispiel Kanada

Die Greenpeace-Initiative für den Urwald hat bereits Erfolge gezeitigt. Kanadische Verleger sind im Jahr 2000 mit gutem Beispiel vorangegangen: 35 Verlage, darunter Random House Canada und McClelland & Stewart, haben sich damals verpflichtet, nur noch urwaldfreundliches Papier zu verwenden. Schon mehr als 350 Titel in ihrem Sortiment sind mittlerweile auf Recycling- oder FSC-zertifiziertem Papier gedruckt worden. Bis 2000 gab es in Kanada nicht einmal einen Hersteller von Recyclingpapier, das für den Buchdruck geeignet gewesen wäre.

Auch die kanadische Ausgabe des fünften Harry Potter-Bandes von J.K. Rowling ist auf Recyclingpapier erschienen. Wäre für das rund 700 Seiten starke Buch Papier aus Urwaldkahlschlag verwendet worden, so hätten 30.000 Bäume dafür gefällt werden müssen. Das entspricht der Fläche von 95 Fußballfeldern. Die Verwendung von Recyclingpapier hat zudem dazu geführt, dass 47 Millionen Liter Wasser eingespart werden konnten.

Die Autor/innen-Initiative in Deutschland

Die großen deutschen Buchverlage verwenden bislang vorwiegend Frischfaser-Papier. Das Holz für dessen Herstellung stammt nach Greenpeace-Recherchen auch aus den letzten finnischen, russischen und kanadischen Urwäldern. Ein Problem stellt auch die Produktion vieler Kinderbücher in Asien dar. Diese Bücher werden auf Papier gedruckt, für das indonesischer Regenwald zerstört wurde.

Die Kinderbuchautorin Kirsten Boie appellierte in Frankfurt an ihre Schriftstellerkollegen und an die Verlage, jetzt zu handeln. Anderenfalls würden "unsere Urenkel Urwälder nur noch aus Büchern kennen". Kein Buch sei so wertvoll, dass dafür die letzten alten Urwälder dieser Welt vernichtet werden dürften.

Greenpeace fordert nicht nur, auf Urwaldholz zu verzichten. Die Umweltschützer bieten den Verlagen auch Unterstützung an. Pünktlich zur Buchmesse ist am Mittwoch ein Greenpeace-Ratgeber speziell für Buchverlage erschienen. Er hilft bei der Umstellung auf druckfähiges Recyclingpapier oder auf Papier aus ökologischer Waldnutzung mit dem Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC).

Der riesige Baumstamm wird die Greenpeace-Kampage für den Urwald noch eine Weile begleiten. Bis Ende November werden die Umweltschützer mit ihm durch Deutschland touren. Der Urwaldriese wird voraussichtlich in Köln, Bremen, Koblenz, Freiburg, Münster und Nürnberg zu besichtigen sein. Über die einzelnen Stationen werden wir auf unserer Website berichten.

Zum Weiterlesen:

Autor/innen und Verlage für die Urwälder (PDF, 820,2 KB).

Ratgeber für Autor/innen und Verlage (PDF, 3,1 MB).

Was Autor/innen tun können (PDF, 17 KB).

Autor/innen-Einverständniserklärung (PDF, 18,9 KB).

Publikationen

Recyclingpapier statt Urwaldzerstörung

Der Papierkonsum hat weltweit zugenommen. Das meiste Papier landet kurz nach dem Gebrauch wieder auf dem Müll. Im gleichen Tempo, wie die Müllberge wachsen, schwinden auch die Urwälder.
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