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Brasilien: Zurück in die 70er

Bundeskanzlerin Merkel besucht auf ihrer Lateinamerikareise ein in Umweltfragen rückwärts gewandtes Brasilien. Marina Silva ist zurückgetreten. Silva war Symbol für den Einzug von Umweltbewusstsein und nachhaltiger Forstwirtschaft in die brasilianische Politik - trotz starker Widerstände aus der eigenen Regierung.

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Vor fünf Jahren trat Silva das Amt der Umweltministerin in Brasilien an. Eine Frau, die selber im Urwald groß geworden ist und ihr Geld auch mal als Kautschukschneiderin verdient hat. Mit ihr kamen Hoffnungen auf, ein bewusster Umgang mit der Natur und eine nachhaltige Forstwirtschaft wären wichtige Ziele der brasilianischen Regierung.

Vor allem in Kreisen von Großgrundbesitzern und unter Landesgouverneuren hat Marina Silva viele Gegner. Aber auch innerhalb der Regierung gab es Konflikte, etwa mit dem Landwirtschaftsminister. Denn Silva widersetzte sich der Legalisierung von gentechnisch manipulierten Sojasaaten. Anfang des Jahres beklagte Silva die immer schneller voranschreitende Zerstörung des Regenwaldes - u. a. für Agrosprit - und handelte sich prompt Kritik von Regierungschef Lula selbst ein.

Heute schmiedet Lula bereits Pläne, Brasilien im weltweiten Ethanolmarkt ganz nach vorne zu bringen. Er sieht Brasilien schon als das neue Saudi Arabien des Ethanols. Aber das Zusammenspiel von Abholzung und die Ausweitung der Argarwirtschaft für Rinderzucht und Ethanol, dem sogenannten Bio-Sprit, bringt das weltweite Klima in große Gefahr.

Konsum zerstört Urwald und Klima

Ein Fünftel aller freigesetzten Treibhausgase stammt aus der Zerstörung der Urwälder. Brasilien zählt zu den vier größten Kohlendioxid-Emittenten der Welt. Rund 70 Prozent der brasilianischen Treibhausgase stammen allein aus der Urwaldzerstörung. Spätestens hier wird klar, dass die Klimaerwärmung unmittelbar mit der Urwaldzerstörung in Amazonien zusammenhängt.

In Indonesien zeigen sich die Auswirkungen solchen Handelns schon länger. Dort werden die Urwälder meist für Palmölplantagen zerstört. Palmöl wird weltweit in Kosmetika, Lebensmitteln und für sogenannten Biotreibstoff eingesetzt. Die einst mächtigen Wälder Kalimantans und Gesamt-Borneos sind der Forst- und Palmöl-Industrie zum Opfer gefallen.

Die Ausweitung der Palmölplantagen hat häufig indigene Völker und örtliche Gemeinden von ihrem Land vertrieben. Die von der Industrie der Bevölkerung gegenüber gemachten Versprechen wurden nicht eingehalten. Nun sind die Urwälder zerstört und die Bevölkerung hat ihre Lebensgrundlage verloren. Gewonnen hat dabei nur die Industrie.

Wir brauchen sofortige Maßnahmen

Europas Nachfrage nach Soja-Futtermitteln und Palmöl steigt, ebenso die weltweite Nachfrage nach Rindfleisch, das für die großflächige Zerstörung der Urwälder für Weideflächen sorgt. Deshalb fordert Greenpeace beispielsweise ein Verbot für den Einsatz von Agrosprit, für dessen Herstellung Urwälder vernichtet wurden. Und ein sofortiges Moratorium (Abholzungsstopp), das den Ausbau von neuen Palmölplantagen in Wäldern und Torfmoorgebieten verhindert.

Aber das reicht nicht aus. Zusätzlich benötigen wir einen internationalen Finanzierungsplan, der Ländern wie Brasilien und Indonesien hilft, die Entwaldung und Degradierung in den letzten intakten Urwäldern zu stoppen. Wir brauchen konkrete internationale Vereinbarungen, die den Menschen vor Ort andere Einkommensmöglichkeiten schaffen, sagt Adario. Die Menschen in den Urwaldgebieten müssen ihren Lebensunterhalt bestreiten können, ohne dass sie den Urwald für Soja, Rinderzucht oder Biosprit zerstören müssen. Wir brauchen ein anderes gerechteres ökonomisches System.

(Autorinnen: Janine Lück und Beate Steffens)

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