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Beschaffungsrichtlinie: Urwaldschaden statt Urwaldschutz

Die Bundesverwaltung wird in Zukunft eine neue Beschaffungsrichtlinie beim Erwerb von Holz und Holzprodukten befolgen. Das gab am Sonntag der Pressedienst des Bundesumweltministeriums bekannt. Dafür soll neben dem weltweit anerkanntem FSC-Siegel (Forest Stewartship Council) auch das umstrittene PEFC-Siegel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) akzeptiert werden. Damit ist für Greenpeace die neue Beschaffungsrichtlinie des Bundes nicht das Papier wert, auf dem sie steht.

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Das PEFC-Siegel ist eine Mogelpackung. Damit zertifiziertes Holz kann aus Urwaldgebieten stammen. Und das Siegel bietet keine Gewähr, dass soziale Rechte etwa von indigenen Völkern eingehalten wurden. Mit der Akzeptanz von PEFC-zertifizierten Holzlieferungen entstünde auch der deutschen Forstwirtschaft durch billige Raubbau-Importe Schaden.

Jüngstes Beispiel: Finnland. Das finnische PEFC-System erkennt die besondere Schutzwürdigkeit der letzten finnischen Urwaldgebiete nicht an. Gegenwärtig wird in einigen Urwäldern Kahlschlag betrieben. (Greenpeace Online berichtete.) Zudem werden die traditionellen Nutzungsrechte der Rentierzüchter missachtet. Sie sind auf die Flechten der Urwälder als Winterfutter angewiesen.

Was lange braucht, wird endlich schlecht!, kommentiert der Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser den Beschluss. Der ist auf Druck von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos zustande gekommen. Bisher gibt es von Seiten des Bundes nur diese einzige Maßnahme zum Urwaldschutz. Und die Bundesregierung schafft es, die öffentliche Beschaffung zur staatlich finanzierten Lizenz für Urwaldzerstörung zu machen. Die Urwaldzerstörer in Finnland werden geadelt, aber auch die in Kanada, den USA und Malaysia. Das Ganze geht zu Lasten der Glaubwürdigkeit für Holz aus guter Waldbewirtschaftung in Deutschland sowie weltweit mit FSC-Siegel.

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