Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Amazonien: Gewalt, Mord und Sklaverei

Schwere Verbrechen, die häufig ungesühnt bleiben, gehen einher mit der Erschließung von bislang unberührten Urwaldregionen in Amazonien. Greenpeace veröffentlichte am Montag einen Report, der erstmals diese hässliche Fratze der Entwicklung Amazoniens zeigt und die Namen der Hintermänner nennt.

Die Veröffentlichung ist Auftakt zu einer Tour durch den brasilianischen Bundesstaat Pará, bei der Greenpeace auch vor Ort die katastrophalen Zustände aufzeigen und sich für den Schutz des Waldes und der betroffenen Bevölkerung einsetzen wird.

Im Wald herrscht Krieg um Land, Waldausbeutung und Profit um jeden Preis, sagt die Greenpeace-Waldexpertin Sandra Pfotenhauer an Bord des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise in Belem/Brasilien. Einer der wichtigsten Faktoren in diesem Kampf ist die Holzindustrie. Wenn der Holz-Mafia nicht endlich Einhalt geboten wird, verlieren wir die letzten tropischen Naturparadiese, den Lebensraum für unzählige Menschen, Tiere und Pflanzen.

Der Report State of Conflict konzentriert sich auf die zwei am aggressivsten vorangetriebenen Industrieregionen in Pará. Der Bundesstaat ist die größte Holz exportierende Region Amazoniens. Das dort zumeist unter Missachtung der brasilianischen Gesetze geschlagene Holz gelangt auch nach Deutschland. Auf der Suche nach dem grünen Gold Mahagoni, schlagen die Holzfäller illegal Schneisen in die Wälder. Später werden in industriellem Maßstab Viehweiden oder Soja-Plantagen angelegt.

Die Umweltprobleme in Pará sind eng verbunden mit sozialer Ungerechtigkeit und weit verbreiteter Gesetzlosigkeit. In den entlegenen und daher schwer zu kontrollierenden Gebieten des Waldes wird die Zerstörung oftmals mittels Sklaverei betrieben. Mit falschen Verheißungen gut bezahlter Arbeit werden Menschen in die Waldregionen gelockt und geraten in eine Falle aus Schuldverpflichtungen und Arbeit. Aus dieser zu entkommen gelingt nur wenigen, andere bezahlen bereits den Versuch mit ihrem Leben.

Auch wegen Landkonflikten werden in Pará häufig Menschen ermordet. In ganz Brasilien gibt es keinen Bundesstaat, der eine höhere Todesrate aus diesem Grund aufweist. Untersucht oder gar aufgeklärt werden die Verbrechen jedoch so gut wie nie. Auf diese Weise werden ausgerechnet die Menschen vertrieben, die sich an ein Leben im Wald angepasst haben und ihn nicht schädigen.

Zur Vorbereitung auf die UN-Konferenz zum Schutz von Urwäldern und Meeren im Februar 2004 in Malaysia treffen sich in einer Woche in Montreal die Mitgliedstaaten der Konvention für die biologische Vielfalt (CBD), um auch über den Schutz der letzten Urwälder zu beraten. Greenpeace fordert sie auf, Schutzgebiete einzurichten, um den dramatischen Verlust der Artenvielfalt und die unkontrollierte Zerstörung von Urwäldern zu stoppen. Die langfristige Zukunft von Pará und anderen Urwaldregionen sieht Greenpeace in der Kombination aus nachhaltiger Nutzung und der Einrichtung von Schutzgebieten.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.

Der Wald bleibt – vorerst

RWE darf im Hambacher Wald nicht roden, entschied das Oberverwaltungsgericht Münster in einem Eilbeschluss. Bis zur endgültigen Entscheidung könnte es Jahre dauern.

Gradwanderungen

Die Erderhitzung lässt sich bei 1,5 Grad stoppen, doch auch das wird die Welt verändern, so der Weltklimarat. Über dessen neuen Bericht spricht Greenpeace-Experte Christoph Thies.