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Zwölf-Meter-Stamm wird vor der brasilianischen Botschaft präsentiert

Amazonas-Riese warnt vor Urwaldvernichtung

Einen zwölf Meter langen und durch illegale Brandrodung rußgeschwärzten Stamm eines Tauari präsentiert Greenpeace am Montag vor der brasilianischen Botschaft. Damit machen die Aktivisten ihren Protest gegen die Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes deutlich. In den Stamm sind neun Videobildschirme eingebaut, die verschiedene Filme über das Amazonasgebiet zeigen.

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Der auf einem Tieflader befestigte Baum startet zu einer Informationstour, die im Mai beim UN-Urwaldgipfel (Convention on Biological Diversity, CBD) in Bonn enden wird. Auf der wichtigsten Arten- und Naturschutzkonferenz der Welt werden 189 Staaten über den Urwald- und Meeresschutz sowie dessen Finanzierung verhandeln.

Dieser Baum steht für unzählige andere, die täglich in Amazonien gefällt und abgebrannt werden, sagt Andre Muggiati, Urwaldexperte von Greenpeace Brasilien. Die brasilianische Regierung muss gegen das Verschwinden weiterer Tier- und Pflanzenarten vorgehen und eine Beschleunigung des Klimawandels durch die Urwaldzerstörung verhindern. Urwaldschutz ist auch Klimaschutz.

Amazonien ist mit sieben Millionen Quadratkilometern Fläche das größte Urwaldgebiet der Erde. Jede Minute fallen dort zurzeit rund fünf Hektar Urwald - das ist die Größe von sechs Fußballfeldern - den Kettensägen und dem Feuer zum Opfer. Jeder Hektar verbrannter Wald setzt zwischen 500 und 1100 Tonnen des klimaschädlichen CO2 in die Atmosphäre frei. Weltweit verursacht die Zerstörung von Wäldern bereits 20 Prozent aller Treibhausgase.

Einem Vertreter der Botschaft soll ein aktueller Greenpeace-Report The Lion wakes up über die Situation des brasilianischen Urwalds übergeben werden. Denn schafft es die Regierung nicht, bis spätestens 2015 die Entwaldung zu stoppen, drohen weite Teile Amazoniens zu versteppen.

Der Tauari-Baum, dessen Stamm in Berlin präsentiert wird, war ursprünglich rund 30 Meter hoch. Es handelt sich um eine Art, die nur in Amazonien vorkommt. Im Oktober 2007 bargen brasilianische Greenpeace-Aktivisten die Reste des illegal gefällten Baumes in der Region Labrea im Bundesstaat Amazonas. Heute wird dort, wo der Baum einst stand, Landwirtschaft betrieben.

Über mehrere Monate tourte der zehn Tonnen schwere Stamm als Mahnmal gegen die Urwaldzerstörung durch Brasilien. Der Urwaldriese wurde auf seiner 6000 Kilometer langen Reise unter anderem in Rio, Sao Paulo und vor dem Sitz des Präsidenten Lula in Brasilia präsentiert.

Die brasilianische Botschaft in Berlin ist erstes Ziel der Urwald-Informationstour von Greenpeace in Deutschland. Das südamerikanische Land wird im Mai den Vorsitz der wichtigsten Arten- und Naturschutzkonferenz Convention on Biological Diversity (CBD) an Deutschland übergeben. Beide Länder sind daher Schlüsselländer für die Konferenz in Bonn.

Brasilien muss Maßnahmen für den Schutz des Amazonasgebiets ergreifen. Zugleich muss sich Angela Merkel für eine internationale Finanzierung von Urwaldschutz einsetzen und jährlich zwei Milliarden Euro zur Verfügung stellen, sagt Corinna Hölzel, Urwaldexpertin von Greenpeace Deutschland. Zusätzlich fordert Hölzel die deutsche Regierung auf, sich für ein europäisches Urwaldschutzgesetz einzusetzen, das den Handel mit illegal geschlagenem Holz verbietet.

Lesen Sie auch unsere Interviews mit Andre Muggiati und Paulo Adario von Greenpeace Brasilien zur Situation in Amazonien.

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