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Abi Kusno Nachran bei Greenpeace

Nach der Preisvergabe des Dr.-Götze-Geo-Preises hat der indonesische Umweltjournalist Abi Kusno Nachran Greenpeace besucht. Nachran verbindet eine besondere Beziehung mit Hamburg: Im Unfallkrankenhaus Boberg sind seine schweren Verletzungen versorgt worden, die ihm im November 2001 bei einem Macheten-Überfall von Holzfällern zugefügt wurden. Grausame Verstümmelungen der linken Hand und des rechten Armes waren die Folge. Lesen Sie Teil zwei des Interviews.

Wer steckt hinter den Holzfällerfirmen? Wohin wird das Holz geliefert?

Die Inhaber der Holz-Unternehmens sind oft Indonesier. Viele Aufträge und Gelder bekommen sie aber aus dem Ausland. Die Ladungen an Holz werden jedoch nicht direkt an die Zielländer geschickt, sondern werden erst in Transitländer, wie Malaysien, Singapur, Vietnam oder oft auch China verschoben. Dort wird das Holz entweder verarbeitet oder es erhält neue, gefälschte Frachtpapiere. So sieht das illegal geschlagene Holz dann nach legaler Ware aus. Erst danach geht es in die richtigen Zielländer, auch nach Europa. Ich kann nicht ausschließen, dass auch Deutschland darunter ist.

Ich bin ziemlich traurig über den Bericht, dass Deutschland sich für die Bürgschaft zum Bau von Papierfabriken in China entschieden hat. Dabei weiß man ganz genau, dass die Rohstoffe aus Indonesien stammen. In Indonesien gibt es Gesetze, die verbieten, unverarbeitetes Holz ins Ausland zu verschiffen. Und dennoch hat Deutschland diese Kredite gewährt. Das verstehen wir nicht.

Die geschlagenen Hölzer können nur von Borneo stammen, denn auf Sumatra gibt es mittlerweile keinen nennenswerten Baumbestand mehr.

Es gibt also ein indonesisches Gesetz, das die Ausfuhr verbietet?

Ja, schon viele Jahre. Es ist schon vor über zehn Jahren erlassen worden.

Es gibt eine bestimmte Baumart, für die ein vollkommenes Einschlag- und Verarbeitungsverbot gilt. Im Grunde muss man die Finger davon lassen. Aber als ich im letzten Jahr Hamburg besuchte, fand ich genau dieses Holz in einem Baumarkt. Irgendetwas muss da nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Dieses Baumart kommt allein auf Borneo vor.

Im letzten Jahr besuchte ich auch das Hamburger Rathaus und habe einen Brief übergeben. Dabei sprach ich mit verschiedenen Politikern und Beamten. Diese bedauerten die mangelnde Zusammenarbeit und den fehlenden Datenaustausch. Schön wäre es aber, wenn man sich in dieser Angelegenheit verstärkt einsetzen könnte.

Hat es Zusagen gegeben?

Es war vor allem Politikergerede. Etwas Konkretes wurde dabei nicht versprochen.

Wie können die Menschen in Deutschland Ihre Arbeit unterstützen?

Es gibt eine ganze Menge, wie die Menschen in Deutschland helfen können. Zum Beispiel können die Menschen die Regierung mehr unter Druck setzen, damit sich die Politik ändert. Es darf nicht mehr nur an die Wirtschaft und das Geschäft gedacht werden. Deutschland liefert die LKW und Maschinen, die weltweit und auch in Indonesien eingesetzt werden, um den Kahlschlag und Raubbau an den Urwäldern zu vereinfachen und zu steigern.

Bei den Geschäften die gemacht werden muss genauer hingeschaut werden. Es kann beispielsweise gar nicht sein, dass Holz aus Singapur stammt. Dort gibt es gar keine Bäume mehr. Oder aus China, wo es fast unmöglich ist, noch einen Baum zu fällen.

Wenn man aus Indonesien illegales Holz nach Malaysia schafft, dann kann man dort für wenig Geld neue Papiere dafür einfach kaufen. Diese legal aussehenden Papiere werden einfach verkauft. Das scheint ein Zusatzgeschäft für Malaysia zu sein.

Können Sie mit ihrer Arbeit die Urwaldzerstörung aufhalten?

Den illegalen Holzeinschlag kann man nicht aufhalten. Man kann ihn nur verlangsamen oder bremsen. Aber ganz stoppen, das kann man nicht hinkriegen. Zu viele Beamte in verschiedenen Behörden verfolgen eigene Interessen - nämlich Geld! Und mit dem Holzgeschäft lässt sich ordentlich verdienen. Deshalb ist die Situation besonders schwierig.

Welche Projekte wollen Sie in Zukunft angehen?

Zurzeit arbeite ich mit meinen Freunden an einem Buch, dass kostenlos an Schulen verteilt werden soll. Möglichst dort, wo es überhaupt noch Wald gibt oder in der Nähe. Damit soll schon den Kindern die Liebe zur Umwelt und zum Wald nahe gebracht werden. Damit kann man ihnen vielleicht zeigen, wie wichtig der Wald auch für sie ist. Das ist eine sehr langfristige Arbeit.

Das Buch ist schon fertig geschrieben und liegt als Manuskript in Indonesisch und Englisch vor. Leider habe ich hier in Hamburg bislang keine finanzielle Unterstützung dafür gefunden.

Wie reagiert die Holzmafia auf so ein Buch?

Die Holzmafia weiß noch nichts von dem Buch...

Ein weiteres Projekt ist die Herausgabe einer Umweltzeitung in Indonesien - der allerersten Umweltzeitung in Indonesien. Sie muss ganz ohne Werbung auskommen. Das ist natürlich schwierig und am liebsten wäre es mir, wenn sie wöchentlich erscheinen könnte. Tatsächlich erscheint sie aber monatlich.

Die meisten Zeitungen leben leider nur von der Werbung. Ich habe auch schon Angebote für eine Beteiligung erhalten. Ausgerechnet von Firmen aus der Holz- und Papierwirtschaft. (Er lacht.)

Wenn ich so ein Angebot der Holzindustrie annehmen würde, wäre ich wie ein zahnloser Löwe. Ich hätte zwar eine Furcht einflößende Stimme, könnte aber nicht mehr zubeißen.

Wie lange gibt es die Zeitung schon?

Schon seit etwa zwei Jahren.

Was wünschen Sie sich von uns?

Leider gibt es in Indonesien keine Vertretung von Greenpeace. Obwohl es dort mehr Waldgebiete gibt, als in anderen Regionen. Wenn die Tropenwälder vollständig verschwinden würden - welche Folgen hätte das. Darüber sollte man sich auch Gedanken machen. In Indonesien sind bereits 40 Prozent der Urwälder verschwunden. Wenn es in der gleichen Geschwindigkeit so weiter geht, gibt es in zehn Jahren keinen Wald mehr in Indonesien.

Ich würde es begrüßen, wenn Greenpeace uns helfen könnte, damit die Urwälder gerettet werden. Wie Greenpeace das macht, überlasse ich dann gern Greenpeace selbst. (Er lacht.)

Abi, vielen Dank für das Gespräch.

Umweltpreis für Abi Kusno Nachran, Interview Teil 1.

Helfen Sie Abi Kusno Nachran! Besuchen Sie auch die Seiten von "Rettet den Regenwald e.V." (http://www.regenwald.org)

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