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Windows Vista - Müll für die (dritte) Welt

Das neue Betriebssystem von Microsoft, Windows Vista, könnte zu erheblichen Mengen an Elektronikschrott führen. PC-Hersteller erwarten aufgrund der gestiegenen Anforderungen an die Hardware der Computer einen Nachfrage-Boom und eine Steigerung der Verkäufe um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Altgeräte landen dabei häufig als Elektronik-Abfall in Entwicklungsländern.

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Mit Vista könnte es Microsoft gelingen, die Hälfte der PCs weltweit auf einen Schlag veralten zu lassen, sagt Chemieexperte Beau Baconguis aus unserem Südostasien-Büro. Vor allem Unternehmen werden den Druck spüren, ihre Hardware zu erneuern. Leider ist die Welt nicht auf die Schrottmenge vorbereitet, die entsteht, wenn sie das tun.

In Ländern wie China, Indien, Thailand oder den Philippinen stapeln sich schon jetzt die Berge an Elektronikschrott in den Himmel. Dort werden die gifthaltigen und mit Schwermetallen durchsetzten Bauteile von Tagelöhnern über offenen Feuern auseinander genommen. Die ungeschützten Arbeiter vergiften sich dabei. Greenpeace versucht seit Jahren, die Hersteller zu Rücknahmegarantien und der Verwendung von weniger Giftstoffen zu bewegen.

Die bisherigen Umweltstandards der Computerhersteller sind keine ausreichende Lösung für die wachsenden Berge von Elektronik-Schrott. Wir fordern, dass die Lebensdauer von elektronischen Geräten so weit wie möglich ausgedehnt wird. Es geht hier um soziale Verantwortung auch der Software-Hersteller, betont Baconguis. Die Vorstellung, dass Neuerungen im Software-Bereich dazu führen, dass die Berge von Computer-Müll auf den Halden in Asien und Afrika ins Unermessliche wachsen und dort Umwelt und Gesundheit vergiften, ist nicht akzeptabel.

Aufrüsten statt Neukaufen

Eine mögliche Lösung ist schon im modularen Aufbau der meisten PCs angelegt: Einzelteile können gegen neue Bauteile ausgetauscht werden, ohne gleich den ganzen Rechner zu entsorgen. Auf diese Weise kann auch ein schon etwas älteres Gerät Vista-fähig gemacht werden. Eine andere Möglichkeit bietet Vista noch von sich aus: Statt des halbdurchsichtigen Aero-Grafikmodus kann man das Betriebssystem auch im bisher gewohnten Standardmodus betreiben. Resultat: Der Speicherhunger sinkt dramatisch.

Letztendlich entscheidet aber die Frage, ob man wirklich ein neues Betriebssystem benötigt. Wer bisher gut mit seinem Windows XP oder NT oder 2000 oder - ja, auch die gibt es noch - '98 ausgekommen ist, hat vielleicht gar keinen Bedarf nach einem neuen Windows-Betriebssystem. Und für diejenigen, die lieber gar kein System des Quasimonopolisten nutzen wollen gibt es ja eine große Zahl an Alternativen auf Linux-Basis. Und das auch noch völlig kostenlos.

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