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Uruguay: die Musterdemokratie

Die República Oriental del Uruguay verdankt ihren Namen nicht etwa besonders vielen arabischen Einwanderern. Der Name bedeutet schlicht, dass sie östlich des Flusses Uruguay liegt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Uruguay ein reiches Land. Auch der Fußball konnte sich damals sehen lassen: Zweimal gewann die Celeste, wie die Auswahl genannt wird, das WM-Turnier. 1970 kamen sie immerhin noch bis ins Halbfinale und verloren dann das Spiel um Platz drei gegen Deutschland.

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Land und Leute

Knapp die Hälfte der 3,2 Millionen Einwohner lebt in der einzigen Metropole des Landes, Montevideo, was dem Land den Ruf eingetragen hat, eine Stadt mit ein paar Bauernhöfen im Hinterland zu sein. Die restliche Bevölkerung verteilt sich immerhin auf eine Fläche, die halb so groß ist wie Deutschland. Die Großstadt ist im übrigen eine der sichersten der Welt - und ganz bestimmt die sicherste in Südamerika.

Überhaupt ist das Land seit der Rückkehr zur Demokratie 1985 ein Hort der Stabilität in Südamerika. Der Bertelsmann Transformation Index, der weltweit Entwicklungs- und Schwellenländer miteinander vergleicht, wertet es als demokratischstes aller 128 untersuchten Länder. Damit liegt Uruguay auch vor einigen osteuropäischen Demokratien.

Uruguay hat sogar einen Sozialstaat nach europäischem Vorbild. Der allerdings kann die Ansprüche an ihn schon seit Jahrzehnten nicht mehr befriedigen. Schuld ist nicht zuletzt eine überbordende Bürokratie - jeder vierte Beschäftigte ist ein Angestellter des Staates.

Zum Problem könnte für das Land auch die Bevölkerungsentwicklung werden. Während in den meisten anderen südamerikanischen Ländern kein Mangel an Nachwuchs herrscht, ist die Geburtenrate Uruguays die zweitniedrigste auf dem Kontinent, lediglich in Guyana gibt es noch weniger Zuwachs. Verbunden mit einer relativ hohen Emigrationsrate gerade junger, gut ausgebildeter Uruguayos verheißt das für das Rentensystem des Landes nichts Gutes.

Geografie, Politik und Fußball

  • Fläche: 176.215 km2
  • Einwohnerzahl: 3,4 Millionen
  • Hauptstadt: Montevideo
  • Amtssprachen: Spanisch
  • Staatsform: Präsidialrepublik
  • Uruguay hat sich zum 11. Mal für eine Fußball-WM qualifiziert. Den zweimaligen Weltmeistern (1930 und 1950) werden für Südafrika jedoch keine besonders großen Chancen eingeräumt.

Wirtschaft

Wegen des sehr diskreten Angebots an Bankgeschäften galt Uruguay lange als die Schweiz Südamerikas. In den vergangenen Jahren haben die Behörden des Landes jedoch etliche Schritte unternommen, um vor allem den OECD-Ländern Kooperation in Sachen Steuerflüchtlinge zu signalisieren. Reiche Einwohner aus Argentinien und Brasilien verstecken jedoch immer noch gerne ihr Geld im Land nördlich des Río de la Plata.

Die Landwirtschaft ist ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor. Noch wichtiger ist aber inzwischen der Tourismus, hauptsächlich aus den Nachbarstaaten. An den exklusiven Stränden des Badeortes Punta del Este versammelt sich alljährlich vor allem der argentinische Jet Set, um mit Luxusvillen, -autos und -yachten zu protzen.

Im ländlichen Sektor gibt es hingegen auch ausgeprägte Armut. Fast die Hälfte aller Kinder Uruguays lebte nach Untersuchungen im Jahr 2006 in Armut und 40 Prozent der Jugendlichen. Hoch ist auch die Jugendarbeitslosigkeit mit über 20 Prozent gegenüber 7,3 Prozent im Landesdurchschnitt.

Natur und Umwelt

Von den einst vorhandenen Buschwäldern sind nur noch kümmerliche Reste erhalten. Fast 90 Prozent des Landes sind agrartauglich und werden entsprechend genutzt. Neben traditioneller Weidewirtschaft und Sojaanbau werden zunehmend auch Eukalyptus- und Kiefernmonokulturen betrieben, die als Rohstoffe für die Papierproduktion dienen. In der Umgebung dieser Plantagen ist der Grundwasserspiegel bereits deutlich gesunken, vielfach sind kleine Bäche einfach ausgetrocknet.

2007 wurde am Grenzfluss Río Uruguay mit einem Investment von 1,2 Milliarden Dollar ein riesiges Zellulosewerk des finnischen Konzerns Botnia in Betrieb genommen. Jahreskapazität: 1 Million Tonnen. Sowohl Umweltschützer aus Uruguay, vor allem aber die Anwohner auf argentinischer Seite protestieren seit Jahren gegen die drohende Verseuchung des Flusses durch die Abwässer. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied kürzlich, Uruguay habe zwar bei der Genehmigung ein Abkommen mit Argentinien über die Nutzung des Flusses verletzt, das Zellstoffwerk jedoch dürfe trotzdem stehen bleiben, da es für eine Verschmutzung keine Beweise gebe. Geplant war an gleicher Stelle noch eine zweite ähnlich große Fabrik. Der spanische Konzern ENCE erschrak jedoch angesichts der Proteste und verlegte sein Werk einige hundert Kilometer weiter südöstlich nach Colonia.

In Anbetracht der großflächigen landwirtschaftlichen Nutzung hat Uruguay einen Großteil seiner Fauna bereits ins Abseits gedrängt. Bis 2004 besaß das Land nicht einmal wirkliche Schutzgebiete. Obwohl 26 teils winzige Flächen als solche ausgewiesen waren, bestand der Schutz überwiegend nur auf dem Papier, wie selbst die Behörden des Landes bekannten. Seitdem wurden neun Schutzgebiete eingerichtet und einer übergeordneten Behörde unterstellt. Auch diese sind bislang nicht sonderlich groß; Ziel ist aber, bis zu zehn Prozent der Landesfläche unter Schutz zu stellen. Dafür wurden eigens Untersuchungen durchgeführt und Karten angefertigt, die die Zonen höchster Biodiversität aufzeigen. So will man mit einem Minimum an Fläche ein Maximum an Artenvielfalt bewahren.

Menschenrechte und Korruption

Wie schon erwähnt, ist Uruguay eine Musterdemokratie. Die Presse ist so frei und unabhängig wie in keinem anderen lateinamerikanischen Land. Im Korruptionsindex von Transparency International liegt das Land auf Platz 25, gleich hinter Frankreich und etliche Plätze vor Spanien und Portugal.

Aktuell gibt es auch keine Übergriffe von Seiten der Sicherheitskräfte. Lediglich die Aufarbeitung von Verbrechen während der Militärdiktatur gestaltet sich schleppend. In dieser Zeit, von 1973 bis 1985, wurden auch in Uruguay Menschen gefoltert und verschwanden. Ein Amnestiegesetz aus den 1980er Jahren, das sowohl den Angehörigen der Militärjunta wie den Tupamaro-Guerilleros Straffreiheit zusicherte, verhindert die Aufarbeitung bislang.

(Autor: Helge Holler)

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