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Trinidad und Tobago: Der Überraschungsgast bei der WM

Ein Hauch von Karibik wird am nächsten Samstag (10. Juni) durchs Dortmunder WM-Stadion wehen, wenn die Elf aus Trinidad und Tobago ihren Einstand bei der Fußballweltmeisterschaft gibt. Für 90 Minuten werden die Soca Warriors die mehr als eine Million Bewohner des Doppelinselstaates hinter sich wissen.

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Die Bevölkerung besteht aus den beiden großen afrikanisch- und indischstämmigen Bevölkerungsgruppen (je rund 46 Prozent). Daneben gibt es Minderheiten europäischer, chinesischer, levantinischer, indianischer und venezolanischer Herkunft sowie vielfältige Mischungen. Der ethnischen entspricht die kulturelle und religiöse Vielfalt (Christen, Hindus, Muslims).

Der deutschen Bundesregierung (Außenministerium) fällt zu dem Inselstaat vor der Küste von Venezuela lediglich die Bezeichnung stabile Demokratie ein. Bei anderen ruft der Gedanke an den Karibikstaat eher Bauchgrimmen hervor: So beklagt Amnesty International Fälle von Folter und Tod in Polizeigewahrsam. Außerdem wird in dem Land immer wieder die Todesstrafe vollstreckt - dennoch steigt die Zahl der Gewaltverbrechen gegenwärtig stetig an.

1:0 für Trindidad und Tobago heißt es hingegen in einer anderen Liga: Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen stuft das südlichste Land der Karibik aufgrund der herrschenden Pressefreiheit auf Rang 12 (von 167) ein. Damit ist Trindad und Tobago der Top-Player in der Region. Und hat sogar Deutschland (Rang 18) überflügelt. So verwundert es auch nicht, dass das kleine Land allein 18 Radiosender und sechs Fernsehstationen aufweisen kann.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 5.128 Quadratkilometer (Weltrang: 163)
  • Einwohnerzahl: 1,3 Millionen
  • Hauptstadt: Port of Spain
  • Amtssprache: Englisch
  • Staatsform: Parlamentarische Demokratie (im Commonwealth)
  • Unabhängigkeit: 31.08.1962 von Großbritannien
  • Trinidad und Tobago hat es allen Prognosen zum Trotz geschafft, zum ersten Mal an einer WM teilzunehmen.

Wirtschaft

Ausländische Spielmacher tragen entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg des Karibikstaates bei: So ist das Land ein gefragter internationaler Handelsplatz, weil sich viele ausländische Investmentfirmen von den lukrativen Bodenschätzen angezogen fühlen. Das Land verfügt über große Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie Asphalt. Sie machen Trinidad und Tobago zur Nummer eins unter den Ölproduzenten in der Karibik.

So wie einseitige Ernährung einem Spitzensportler eher schadet, muss auch das Land aufpassen: Im Jahre 2005 waren es geschätzte 150.000 Barrel des Schwarzen Goldes, die jeden Tag gefördert wurden. Das Land selbst verbraucht pro Tag rund 29.000 Barrel Erdöl (2003). Das schlägt sich dann in fast 17 Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner nieder. Im weltweiten Vergleich (176 Länder) erreicht das kleine Land damit einen negativ-rekordverdächtigen 7. Platz.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Wenn er auch bei weitem nicht die Rolle wie in anderen Karibik-Traumurlaubsländern spielt.

Natur und Umwelt

Auf den Inseln finden Fußballspieler beste Trainingsbedingungen - überwiegend prägen Ebenen die Landschaft, die nur von wenigen Hügeln und niedrigen Bergen unterbrochen werden. So reichen schon 940 Meter aus, um El Cerro del Aripo im Norden Trinidads zum höchsten Berg des Landes zu machen.

Die Erdölindustrie bringt auch Probleme: Der Karibikstaat hat mit ölverschmutzten Stränden zu kämpfen. Aber auch die Wasserverschmutzung durch Chemikalien aus der Landwirtschaft (Pestizide, Dünger) stellt ein Problem dar. Zusätzlich gefährden Industrie- und landwirtschaftliche Abwasser die Umwelt.

Doch die Umwelt ist Trinidad und Tabago keineswegs egal. Das Land hat eine Reihe von Meeres- und Artenschutzabkommen unterzeichnet. Und das Kyoto-Klimaschutzprotokoll wurde bereits Anfang 1999 ratifiziert.

Besonderheiten

Trinidad und Tobago zählt zu dem kleinen Club von Ländern, in denen man links fährt - ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit.

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