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Südkorea: Wachstum um jeden Preis

Die Republik Korea (Südkorea) ist etwas kleiner als Bayern und Baden-Württemberg zusammen, hat aber doppelt so viele Einwohner. In diesem relativ kleinen Land gibt es allein neun Millionenstädte, die größte von ihnen ist die Hauptstadt Seoul mit zehn Millionen Einwohnern.

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Korea wurde in seiner Geschichte über weite Strecken von seinen mächtigen Nachbarn Japan und China beherrscht. Ende des 19. Jahrhunderts zwang Japan Korea Handelsverträge auf und machte es ab 1907 zu einem Protektorat, um es 1910 formal zu annektieren.

Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg hofften die Koreaner auf einen eigenen unabhängigen Staat. Doch Sowjetunion und USA hatten längst die Teilung des Landes beschlossen. Im Süden rief der eigens aus den USA eingeflogene Syngman Rhee im August 1948 die Republik Korea aus, einen Monat später der von der Sowjetunion gestützte Kim Il-Sung im Norden die Volksrepublik Korea. Der Koreakrieg von 1950 bis 1953, dem über eine Million Zivilisten zum Opfer fielen, legte - als Teil des Kalten Krieges - die Teilung des Landes endgültig fest.

Geografie, Politik, Fußball

  • Fläche: 99 538 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 47,8 Millionen
  • Hauptstadt: Seoul
  • Amtssprache: Koreanisch
  • Staatsform: Präsidialrepublik (wie die USA)
  • Unabhängigkeit: 15.8.1948
  • Südkorea hat bereits sechsmal an Fußball-Weltmeisterschaften teilgenommen. Den größten Erfolg seiner (Fußball-) Geschichte feierte das Land bei der WM 2002 im eigenen Land, als es ins Halbfinale einzog.

Wirtschaft

Im Korea-Krieg (1950 bis 1953) wurden große Teile der landwirtschaftlichen Anbauflächen und industriellen Anlagen zerstört. Die beiden Staaten waren auf die Hilfe ihrer 'Verbündeten' angewiesen. Der Norden erlebte einen schnellen Wiederaufbau. Dagegen galt der Süden bis Anfang der 60er Jahre als eines der ärmsten Länder der Erde. Syngman Rhee zementierte vor allem seine Machtposition und mehrte seinen eigenen Reichtum. 1961 putschte das Militär und errichtete unter General Park Chung-hee eine Entwicklungsdiktatur, die das Land bis auf Platz 13 in der Rangliste der wirtschaftsstärksten Länder brachte.

Das Rezept dafür könnten die Militärs aus dem Fußball-Handbuch abgeschrieben haben: Aus einer massiven Deckung (niedrige Löhne, reglementierte Preise, Importkontrolle) folgte ein Sturmlauf auf die fremden Märkte. Zunächst enteignete man die alten Großgrundbesitzer. Diese mussten dann ihre Entschädigungszahlungen in industrielle Unternehmungen investieren.

Dabei entstanden als Besonderheit der koreanischen Wirtschaft Mischkonzerne, die aus einem System verschachtelter Tochter- und Schwester-Firmen bestehen. Firmen wie Samsung (ehemals eine kleine Zuckerfabrik) oder Hyundai (ursprünglich ein Bauunternehmen) sind patriarchalisch durchstrukturiert und haben sich durch eine aggressive Preispolitik in die erste Liga der Weltkonzerne gekämpft.

Mit der Demokratisierung und der schrittweisen Rückkehr zu einer zivilen Präsidialdemokratie erreichten die Gewerkschaften höhere Lohnabschlüsse. Trotzdem machen die Arbeitskosten pro Stunde gerade mal die Hälfte des US-amerikanischen Wertes aus. Während der Wirtschaftskrise wurden große Teile der fest angestellten Arbeitskräfte entlassen: Die Jungen und Leistungsfähigen aber wurden kurze Zeit später mit Zeit- und Teilzeitverträgen wieder eingestellt - zum halben Lohn. Inzwischen verlagern koreanische Konzerne lohnintensive Produktionszweige in Länder wie China und Vietnam - da sind die Löhne noch niedriger.

Natur und Umwelt

Korea liegt in einer gemäßigten Klimazone, kennt also voneinander abgegrenzte Jahreszeiten. Der größte Teil der Landesflächen ist mit Bergwäldern bedeckt, die allerdings nur durchschnittlich 30 Jahre alt sind, weil die ursprünglichen Wälder rücksichtslos abgeholzt wurden. Erst seit den 60er Jahren richteten die koreanischen Regierungen Landschaftsschutzgebiete ein. Heute gibt es 71 Naturparks, die 7,5 Prozent der Fläche Koreas unter Schutz stellen.

Starke Luftverschmutzung und saurer Regen, molochartige Städte, Müllberge und zubetonierte Landschaften sind Folgen eines entfesselten Kapitalismus, der auf wirtschaftliches Wachstum um jeden Preis setzt: Jahrzehntelange Eintragungen von Industrieabwässern sowie Abwässer aus den wachsenden Städten belasten Koreas Flüsse extrem. Und auch heute noch ist Südkorea weltweit der zweitgrößte Verbraucher des Ozongiftes FCKW.

Südkorea hat das Kyoto-Protokoll unterschrieben und ratifiziert, spielt aber bei der Umsetzung eine Bremser-Rolle. Im internationalen Vergleich beim CO2-Ausstoß der Industrie- und Schwellenländer landet Korea hinter Indien und China auf Platz 49 von 53 Staaten. 2005 gründete Korea gemeinsam mit Indien, China und den Kyoto-Verweigerern USA und Australien ein 'Klimabündnis', mit dem sie die Kyoto-Vereinbarungen kritisieren. Sie wollen staatliche Reglementierungen vermeiden und sich stattdessen an Marktgesetzen orientieren.

Menschenrechte und Korruption

Korruptionsskandale sind in Südkorea nahezu an der Tagesordnung. Sie werden im Sinne höherer staatlicher Interessen bearbeitet: Polizei und Justiz gehen mit aller Härte gegen korrupte Politiker und Unternehmer vor - die Politik sorgt dafür, dass die Folgen in einem überschaubaren Rahmen bleiben.

Angestellte des öffentlichen Dienstes dürfen auch heute noch keine Gewerkschaftsmitglieder sein. Das südkoreanische Strafgesetz enthält immer noch einen Paragrafen, mit dem Streiks zu geschäftsschädigendem Verhalten erklärt werden können. Mit Hilfe dieser Rechtskonstruktion werden immer wieder Gewerkschaftsführer inhaftiert. Dann braucht es massive nationale und internationale Proteste, um diese wieder freizubekommen.

Das nationale Sicherheitsgesetz verbietet die Verherrlichung und Unterstützung Nordkoreas. 1998 wurden 650 Menschen aufgrund dieses Gesetzes verhaftet und verurteilt, weil sie über inoffizielle Kanäle Hilfsgelder zur Bekämpfung der Hungersnot in Nordkorea geschickt hatten.

Besonderheiten

Koreaner lieben Wettbewerb und Superlative. Sie verweisen gerne darauf, den größten Buchladen und das größte Starbucks-Café zu haben. Inzwischen haben sie auch den größten Spammer der Welt: In Südkorea wurde im Mai dieses Jahres ein junger Mann verhaftet, der über ein Netzwerk von 16.000 Computern täglich mehr als 18 Millionen Spam-Mails verschickt haben soll.

(Autor: Harald Mörking)

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