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Südafrika: Cup der guten Hoffnung

Fußball war und ist die Sportart vor allem der Schwarzen in Südafrika. Überall wird gekickt - auf Schulhöfen, in Parks, auf der Straße. Viele Jugend-Sozialprojekte widmen sich dem Fußball. Er holt die Kids zwar nicht direkt aus dem Elend, gibt ihnen aber Selbstbewusstsein. Viele möchten später Fußball-Profi werden. Die Stimmung in Südafrika ist derzeit fast so euphorisch wie zur Freilassung Mandelas.

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Seit Monaten ist die WM Thema Nr. 1, überall werden Fahnen und Vuvuzela-Tröten verkauft, und die Fans tragen Trikots der Bafana Bafana (afrikaans = die Jungs): Zu den Stars zählen der Mittelfeldspieler Steven Pienaar und die Außenverteidiger Siboniso Gaxa und Tsepho Masilela. Auf der Trainerbank sitzt der Brasilianer Carlos Alberto Parreira. 1994 holte er mit Brasilien den Titel. Die Spiele werden in zehn Stadien ausgetragen, darunter das Green Point, Kapstadt, das Nelson Mandela Bay in Port Elizabeth, die Stadien Ellis Park und Soccer City in Johannesburg sowie Loftus Versfeld in Pretoria.

Geografie, Staat, Fußball

  • Landesfläche: 1.219.912 Quadratkilometer
  • Einwohner: 49,3 Millionen
  • Hauptstadt: Pretoria (ca. 1 Mio Einwohner)
  • Landessprachen: isi Zulu (23,8%), isi Xhosa (17,6%), Afrikaans (13,3%), ePedi (9,4%), English (8,2%), seTswana (8,2%), seSotho (7,9%), xiTsonga (4,4%), siSwati (2,7%), tshiVenda (2,3%), isiNdebele (1,6%), 14 andere (0,6%), darunter Deutsch
  • Regierungsform: Parlamentarische Demokratie mit starkem Exekutivpräsidenten und föderativen Elementen
  • Nationalfeiertag: 27. April (Freedom Day: Tag der ersten freien Wahlen 1994)
  • Fußball: 1998 und 2002 schaffte es Südafrika in eine Fifa-WM-Endrunde, überstand aber die Gruppenphase nicht. Zuhause wollen die Afrikaner natürlich besser abschneiden.

Land und Leute

Wegen seiner Multikulti-Bevölkerung nennt sich Südafrika Regenbogen-Nation: 80 Prozent gehören verschiedenen afrikanischen Volksgruppen an wie den Zulu, Xhosa, Basotho und Tswana. Zehn Prozent sind Weiße, größtenteils die Nachkommen von Niederländern, Deutschen, Franzosen und Briten, die im 17. und 18. Jahrhundert von der Kolonialmacht Holland dort angesiedelt wurden. Außerdem leben viele Inder in Südafrika.

Leider erachtete man diese Vielfalt früher nicht als wertvoll. Mehr als vier Jahrzehnte wurden die Menschen Südafrikas durch ein brutales, rassistisches Regime unterdrückt - die Apartheid. Die weiße Minderheit war allein an der Macht. Alle anderen hatten kein Wahlrecht, wurden in eigene Wohnviertel verbannt, mussten eigene Schulen besuchen. Die Trennung galt sogar für das Betreten öffentlicher Plätze, Einrichtungen sowie für die Nutzung von Verkehrsmitteln und Toiletten. Als Protest gegen die Apartheid boykottierten viele Länder Südafrika in wirtschaftlicher, kultureller - und sportlicher Hinsicht: Das Land wurde von Wettkämpfen und Verbänden ausgeschlossen, zwischen 1963 und 1992 auch von der Fifa. Nach dem Ende der Apartheid, Anfang der 1990er, kehrte Südafrika zum internationalen Sport zurück, mit Erfolg: 1995 etwa richtete es den Rugby World Cup aus - und siegte, 1996 den Afrikanischen Nationen-Fußballpokal - und siegte ebenfalls.

Seit 20 Jahren versucht das Land, innerlich zusammenzuwachsen, was aufgrund der ökonomischen Gegensätze vorwiegend zwischen Schwarzen und Weißen nur in kleinen Schritten gelingt. Die WM könnte die Menschen näher zusammenbringen: Sport verbindet. Hier zählen Einsatz und Leistung, nicht Herkunft oder Hautfarbe. Und mit Chance nützt die WM nicht nur großen Firmen, sondern auch den kleinen Leuten. Die Arbeitslosigkeit in Südafrika liegt bei etwa 24 Prozent, die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß, und die meisten Armen leben um die Großstädte herum in Townships (Slums).

Die WM hat schichtenübergreifend viele Arbeitsplätze geschaffen - immerhin für einige Jahre. Zwar herrschte auf den Baustellen das vertraute Ungleichgewicht, die Arbeiter schwarz, die Bauleiter und Architekten weiß, doch das Teamwork klappte. Jeder war hoch motiviert, beim Projekt WM dabei zu sein. Beim Bau des Stadions in Kapstadt trugen alle Mitstreiter Signalwesten mit der Rückennummer 10 und dem Aufdruck Team Green Point.

Natur und Umwelt

Die ganze Welt in einem Land: Der Werbeslogan für Südafrika passt nicht nur zur WM. Auf 1,2 Millionen Quadratkilometern sind neben vielfältigsten Menschen auch facettenreiche Landschaften, Städte und Ortschaften zu erleben, etwa auf der Garden Route zwischen Kapstadt und Port Elizabeth: Wiesen, Wälder und Wüsten, Felsengebirge und sanfte Hügel, Steilküsten und Sandstrände wechseln auf engem Raum.

Für viele Touristen ist Kapstadt die Top-Metropole. Hier, wo sich Atlantik und Indischer Ozean treffen, weht eine frische Brise und herrscht internationales Flair.

In Reservaten wie dem Krüger National Park trifft man unter anderem die Big Five: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Vor der Küste leben Wale, Delfine, Haie, Robben und Pinguine.

Südafrika wird stark unter dem Klimawandel leiden. Zu erwarten sind unberechenbare Wetterlagen mit langen Dürreperioden und sintflutartigen Regenfällen, die Feldfrüchte vernichten und Bodenerosion verursachen. Das Wasserministerium rechnet mit einer gravierenden Wasserknappheit ab 2025 - was die Landwirtschaft, aber auch Menschen bedroht, besonders die Armen. Noch haben nicht alle Südafrikaner Zugang zu Trinkwasser. Das Land trägt im Vergleich zum restlichen Kontinent stark zum Klimawandel bei, da es seine Energie zu 90 Prozent aus Kohle erzeugt. Öko-Energie steht erst am Anfang, sie beträgt nur 2,5 Prozent im Energie-Mix. Bis 2013 sollen es vier Prozent sein, dazu hat sich Südafrika verpflichtet. Das Potential bei Solar- und Windenergie ist enorm. Viele ausländische Öko-Energiefirmen investieren in Südafrika. 2008 eröffnete Greenpeace ein Büro in Johannesburg. Neben Klimaschutz haben die Umweltschützer vorrangig das Thema Überfischung auf der ihrer Liste.

Gesundheitsprobleme

Mit 5,7 Millionen HIV-Infizierten und rund 1.000 Aidstoten pro Tag erleidet Südafrika die weltweit schlimmste Aids-Epidemie. Viele Menschen haben keine Chance auf Medikamente. Außerdem wissen noch die wenigsten, wie sie andere schützen können. So breitet sich das Virus immer schneller aus. Ein neuer Aktionsplan der Regierung zur Aidsbekämpfung wurde gerade verabschiedet.

(Autorin: Nicoline Haas)

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