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Spanien: Wo die Sonne manchmal stört ...

Spanien hat Europa nicht nur seinen ersten Roman geschenkt, den Don Quijote von Miguel de Cervantes, sondern auch den Flamenco, Goya, Picasso und die Fußball-Legenden Ricardo Zamora und Juanito.

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Das historische Spanien entstand durch die Vereinigung verschiedener Königreiche und Herrschaftsgebiete. In großen Teilen der Bevölkerung sind diese Unterschiede heute noch zumindest in den Sprachen lebendig. Neben dem (kastilischen) Spanisch werden vor allem Katalanisch, Galicisch und Baskisch gesprochen und gepflegt.

Die in den Urlaubsgebieten ansässigen Deutschen und Engländer, die sich oft wie selbstverständlich ihrer Muttersprache bedienen, tauchen in den Statistiken der spanischen Bevölkerung aber (noch) nicht auf.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 504.782 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 43,2 Millionen
  • Hauptstadt: Madrid
  • Amtssprache: Spanisch
  • Staatsform: Parlamentarische Erbmonarchie
  • Spanien ist ein Fußball-Land. Seine Vereinsmannschaften gehören seit Jahrzehnten zu den besten der Welt. Die spanische Nationalmannschaft hat bereits zwölfmal an Weltmeisterschaften teilgenommen. Mit einem einzigen vierten Platz ist die Mannschaft aber über den Status des Geheimfavoriten nie hinausgekommen.

Wirtschaft

Spanien hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem agrarisch strukturierten und innerhalb Europas eher armen Land auf Rang 8 unter den Industriestaaten hinaufgearbeitet. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören neben der Bau-, Maschinenbau- und petrochemischen Industrie vor allem der Tourismus und die Landwirtschaft. 2005 haben mehr als 52 Millionen Besucher in Spanien Urlaub gemacht. Das hat neben den positiven Wirkungen auf die Deviseneinnahmen auch negative für Natur und Umwelt. Landwirtschaft wird auf 54 Prozent der spanischen Landfläche betrieben, bei mehr als 20 Prozent der Anbaufläche unter künstlicher Bewässerung.

Spanien besitzt eine der größten Fischereiflotten der Welt. Die früher reichen Fischgründe vor den spanischen Küsten sind inzwischen überfischt, und die Europäische Union hat Spanien zu einer Reduzierung der Flotte aufgefordert. Die spanische Regierung setzt aber noch darauf, durch bilaterale Abkommen Fischereirechte vor fremden Küstengebieten zu erlangen.

Natur und Umwelt

Nur zehn Prozent der spanischen Landfläche gelten als landwirtschaftlich gute Ackerflächen. Aber mit Hilfe künstlicher Düngung und künstlicher Bewässerung werden in Andalusien Zitrusfrüchte, Gemüse und Tomaten unter riesigen Planen für den Export produziert. Einflüsse von Boden, Klima und Sonnenschein sollen zur Gewinnung europäischer Normprodukte möglichst ausgeschaltet werden.

Der Anbau mit künstlicher Bewässerung nahm in den beiden letzten Jahrzehnten um 80 Prozent zu, weil ausgerechnet in den Landesteilen angebaut wird, in denen für solche wasserintensiven Anbaumethoden nicht genügend Regen fällt. Es wurde nicht nur in die Grundwasserreserven dieser Gebiete eingegriffen, vielerorts droht auch das Eindringen von Salzwasser in unterirdische Trinkwasserreserven, weil künstlich bewässerte Böden mit der Zeit versalzen. Anstatt die Anbaumethoden den klimatischen Bedingungen anzupassen, plant die spanische Regierung gigantische Pipelines, die Wasser aus dem regenreicheren Norden in den wasserarmen Süden transportieren sollen.

Der Tourismus schafft zwar Arbeitsplätze, zerstört jedoch gleichzeitig die Natur - vor allem durch den enormen Flächenbedarf (Hotels, Restaurants, Flughäfen, Straßen, Badebuchten, Wanderwege usw.) und die hohen Emissionen, die durch Flugzeuge, Fahrzeuge oder Schiffe entstehen und zur Zerstörung der Ozonschicht und zur Klimaerwärmung beitragen. Hinzu kommen Umweltprobleme wie Erosion, Lärm, Müllberge und Überlastung des gesamten Ökosystems. Spanien beteiligt sich deshalb an einem internationalen Projekt zur Erforschung eines nachhaltigen Tourismus auf der Urlaubsinsel Lanzarote.

Seit Jahrhunderten wird in Spanien Raubbau an den Wäldern betrieben. Trotz staatlicher Aufforstungsprogramme ist ein Fünftel des spanischen Boden bereits schwer von Erosion betroffen.

Menschenrechte und Korruption

Spanien hat mit der Beseitigung der Franco-Diktatur auch Todesstrafe und Folter abgeschafft. Beim Kampf gegen Aktivisten der spanischen Untergrundorganisation ETA werden Polizei und Justiz aber von amnesty international immer wieder willkürliche Verhaftungen und Übergriffe vorgeworfen.

In der andalusischen Landwirtschaft schuften Zehntausende Arbeitsmigranten, meist aus Marokko, zehn, zwölf und mehr Stunden am Tag für geringen Lohn ohne soziale Absicherung. Im Winter 1999/2000 kam es zu rassistischen Ausschreitungen gegen die Menschen aus Marokko. Diese wehrten sich mit einem Generalstreik. Daraufhin kam es sehr schnell zu Verhandlungen und zu Abkommen mit den Unternehmerverbänden und spanischen Behörden. Das elf Punkte umfassende Papier enthielt Übereinkünfte, die die Wohnsituation, die soziale und die rechtliche Absicherung der Migranten verbessern sollten.

Bis zum Jahr 2005 wurde fast nichts davon umgesetzt. Die Agrarunternehmer heuern jedes Jahr mehr Osteuropäer an, um die Arbeiter aus Marokko unter Druck zu setzen. Die Initiative der sozialistischen Regierung, den Arbeitsmigranten eine Aufenthaltserlaubnis auszustellen, scheiterte an der Forderung, dafür einen gültigen Arbeitsvertrag vorlegen zu müssen. Den bekommen die Arbeitsmigranten von ihren Unternehmern aber nicht.

Besonderheiten

In Spanien gilt nach wie vor die menschenfreundliche Regel: Wer in Spanien nachmittags zwischen drei und fünf Uhr auf den Beinen ist, gilt als seltsam, wenn nicht verrückt.

(Autor: Harald Mörking)

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