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Slowakei: Musterschüler der EU-Osterweiterung

Der Erfolg der Slowakei beruht auf dem Export - auch beim Fußball. Von den 25 Spielern, die das Land für die WM in Südafrika nominiert hat, spielen nur drei in slowakischen Fußballvereinen. Alle anderen verdienen ihr Geld in Deutschland, England, Italien, Holland, Serbien und Rumänien - nur nicht in Ungarn.

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Die slowakische Bevölkerung besteht zu 85 Prozent aus Slowaken, zehn Prozent Ungarn, zwei Prozent Roma und Tschechen. Das Verhältnis zu Ungarn ist geprägt von Jahrhunderte alten Animositäten. Und so werden die Konflikte auch ausgetragen.

Geografie, Staat, Fußball

  • Fläche: 49.034 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 5,4 Millionen
  • Hauptstadt: Bratislava
  • Amtssprache: Slowakisch
  • Staatsform: Republik
  • Unabhängigkeit: 1. Januar 1993
  • Die slowakische Nationalmannschaft nimmt zum ersten Mal an einem Weltmeisterschaftsturnier im Fußball teil.

Wirtschaft und Politik

Im Verbund der Habsburger Monarchie wurde die Slowakei von Budapest aus verwaltet - und wirtschaftlich vernachlässigt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie eher zufällig mit Böhmen und Mähren zur Tschechoslowakei zusammengelegt. Hitler machte aus der Slowakei zwischenzeitlich einen faschistischen Zwergstaat. Aber nach 1945 wurde sie wieder mit Tschechien zusammengelegt und innerhalb dieses Staatenbundes entwickelt. Mit der im Rahmen dieses Staatsverbands aufgebauten Metall-, Chemie-, Chemiefaser- und Automobilindustrie fiel der Weg in die Unabhängigkeit und in die EU sehr viel leichter.

Die ausländischen Investoren wurden angelockt durch die lange industrielle Tradition, die gut ausgebildete und motivierte Arbeiterschaft, die niedrigen Steuern, das liberale Arbeitsrecht und die günstigen Produktionskosten. Volkswagen und Kia planen weitere Investitionen im dreistelligen Millionenbereich. Die Wirtschaftskrise 2008 konnte ohne tief gehende Einbrüche überwunden werden.

Die gegenwärtige Regierung Fico fühlt sich gegenwärtig so stark, dass sie Finanzhilfen für Griechenland strikt ablehnt - zumindest bis zu den Wahlen im Sommer. Zuerst einmal müsse Griechenland seine Hausaufgaben machen und die Löhne und Gehälter um 25 Prozent senken sowie die Pensionen und Transferzahlungen an die griechische Wirtschaftskraft anpassen. Pech nur, dass internationale Rating-Agenturen jetzt auch in der Slowakei zu schnell steigende Löhne und eine zu hohe Staatsverschuldung bemängeln.

Natur und Umwelt

Die Slowakei setzt bei Energieversorgung auf Atomkraft: 55 Prozent der Stromenergie werden in den beiden Standorten Mochovc und Bohunice produziert. Das AKW Bohunice gilt nach us-amerikanischen Studien zu den gefährlichsten der Welt. Trotzdem weigert sich die slowakische Regierung Bohunice abzuschalten. Sie setzt stattdessen auf ein paar Investitionen, die die größten Risiken des laufenden Betriebs abmildern soll.

Klimapolitik scheint in der Slowakei auch eher als ein Mittel der Bereicherung angesehen zu werden. Für einen Spottpreis soll der slowakische Umweltminister CO2-Zertifikate (Verschmutzungsrechte) an eine us-amerikanische Briefkastenfirma verscherbelt haben.

Menschenrechte und Korruption

Korruption ist nicht außergewöhnlich in Ländern, in denen die Gelegenheiten zu persönlicher Bereicherung begrenzt waren. Die Slowakei hat hier also nur europäischen Standard erreicht.

Im ständig schwelenden Streit mit der ungarischen Regierung, die sich als Hüterin auch der im Ausland lebenden Ungarnstämmigen aufführt, hat sich die slowakische Regierung ein neues Gesetz einfallen lassen. Slowaken, die in Ämtern und öffentlichen Einrichtungen ungarisch reden, können bestraft werden. Es sei denn, das geschieht in einer Gemeinde, in der mindestens 20 Prozent der Bevölkerung ungarische Slowaken sind.

Die Behandlung der Roma wird seit Jahren von der EU kritisiert. Immer wieder werden die EU-Minderheiten-Standards angemahnt und immer wieder versprechen die slowakischen Behörden Besserung. Dass die Roma immer noch und immer wieder rassistischen Übergriffen ausgesetzt sind, beweisen die zuletzt ins Gerede gekommenen Polizisten, die fortgesetzt Roma-Kinder misshandelt haben.

Besonderheiten

Heutzutage setzt die Slowakei auf den Export von Waren. Früher musste sie ihre Menschen ziehen lassen. Abertausende Menschen zogen nach Amerika, um dort ihr Glück zu versuchen. Manche haben es geschafft: Andy Warhol und Paul Newman stammen von Migranten aus der Slowakei ab.

(Autor: Harald Mörking)

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