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Serbien und Montenegro: mit Gastgeschenk in die EU

Kurz vor der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 überstürzen sich die politischen Ereignisse für die Mannschaft Serbien und Montenegros: am 21. Mai 2006 haben sich die Bürger Montenegros mit 55,4 Prozent für ein Ende des losen Staatenbündnis mit Serbien entschieden - damit hat Europa einen Zwergstaat mit rund 650.000 Einwohnern mehr. Diese friedliche Entscheidung steht am Ende einer vollständigen Auflösung des ehemals sozialistischen Vielvölkerstaats Jugoslawien, dessen Zusammenbrechen den blutigen Bürgerkrieg an 1991 auf dem Balkan auslöste.

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Land, Leute und der Balkankrieg:

Erst vor sechs Jahren gelang unter verstärkter Mitwirkung der EU die demokratische Wende für die Bundesrepublik Jugoslawien, die sich 2003 mit einer neuen Verfassung im Gepäck in Serbien Montenegro umbenannte. Noch 1999 hatte die NATO Luftangriffe gegen das serbisch dominierte Jugoslawien geflogen und damit den Krieg im Kosovo beendet; die mehrheitlich von Albanern bevölkerte serbische Provinz wurde unter UN-Schutz gestellt und bleibt bis heute ein ungelöste Problem auf dem Balkan.

Auf dem harten Trainingspfad nach Europa gehen Serbien und Montenegro getrennte Wege. Gerade erst hat die Europäische Union Verhandlungen mit Serbien über den Abschluss eines Stabilitäts- und Assoziationsabkommen als erste Voraussetzung für einen EU-Beitritt ausgesetzt. Grund: Seit Monaten verzögert Serbien die Auslieferung ehemaliger Kriegsverbrecher wie den Ex-General Mladic an das Haager Tribunal. Laut amnesty international sollen noch mindesten 20 tatverdächtige Kriegsverbrecher, gegen die das Tribunal Anklage erhoben hat, in Serbien und Montenegro auf freiem Fuß sein. Folter und Misshandlungen durch die Polizei, Frauenhandel und Zwangsprostitution sind weitere schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen die amnesty international im Länderbericht 2005 anklagt.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 102.173 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 8.104.000 (2003)
  • Hauptstadt: Belgrad
  • Amtssprache: Serbisch
  • Staatsform: bis Juni 2006 Staatenunion
  • Bis 2003 nahm Serbien und Montenegro unter ihrem früheren Mannschaftsnamen Jugoslawien an insgesamt acht FIFA-Weltmeisterschaften teil. Bestes Abschneiden bislang: Der Einzug ins Halbfinale 1930.

Wirtschaft

Serbien und Monetenegros Wirtschaft leidet an den Folgeschäden der Milosevic-Ära: ein insgesamt niedriges Wirtschaftsniveau, zum Teil schlechte Infrastruktur (besonders in den Sektoren Verkehr und Energie), eine hohe Arbeitslosigkeit (2005 über 20 Prozent, im Kosovo sogar 50 Prozent), Korruption und Schattenwirtschaft zehren an der losen Staatenunion, deren ungeklärte Statusfrage einen echten Wirtschaftsaufschwung in den letzten Jahren verhinderte. So sieht Transparency International Serbien und Montenegro im Korruptionsvergleich auf Platz 97 von 158 Ländern - Platz 1 nimmt Island mit nahezu keiner Korruptionsermittlung ein.

Die Landwirtschaft ist wichtiger Wirtschaftszweig des Staatenbundes, geringes Wachstum verzeichnen Dienstleistungen und der Bausektor - außerdem hofft Monetenegro auf den Tourismus.

Exportgüter sind Nahrungsmittel, Maschinen, Apparate und Transportausrüstungen sowie Fertigerzeugnisse. Wichtigster Handelspartner ist Deutschland.

Natur und Umwelt

Viele der so genannten Transformationsländer haben wertvolle Gastgeschenke für die EU dabei. So gibt es in Montenegro, dem Land der schwarzen Berge, mit Biogradska Gora eine Landschaft, die bereits Ende des 19.Jahrhunderts wegen ihrer einmaligen Schönheit gesetzlich unter Schutz gestellt wurde und heute einen der letzten Urwälder Europas beherbergt.

Der Nationalpark Durmitor im Norden Montenegros gehört zum Weltnaturerbe der Unesco, dort ist auch die Schlucht von Tara zu finden: mit 1.300 Metern der tiefste und größte Canyon Europas und mit 80 Kilometer die zweitlängste Schlucht dieser Art nach dem Grand Canyon in Colorado. Hier fließt die Tara, längster Gebirgsfluss Montenegros.

Und in einem der größten Vogelreservate Europas, dem Nationalpark am Skutari See, nisten in einem der letzten Süßwassersümpfe des Mittelmeerraumes sogar Pelikane. Insgesamt sind 3,3 Prozent der Landesfläche Serbiens und Montenegros geschützt.

Auch das Klima geht einen Bund ein: an der montenegrinischen Küste herrscht ein mediterranes Klima, im Landesinneren ein gemäßigt kontinentales.

Wichtige, zu lösende Umweltthemen für Serbien und Montenegro sind in Zukunft die Abwassereinbringungen in den Küstengebieten, Luftverschmutzungen und Smog in den Industriestädten wie Belgrad sowie die industrielle Gewässerverschmutzungen in den Donaunebenflüssen und die zunehmende Desertifikation in Serbien.

Mit knapp 4,5 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf lag der sich jetzt auflösende Staatenbund 2003 auf Platz 55 der Treibhausgassünder; dem Kyoto-Protokoll wurde bislang nicht beigetreten.

(Autorin: Simone Wiepking)

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