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Schlammvulkan bedroht tausende Menschen

Seit Mai diesen Jahres sprudelt heißer, stinkender Schlamm unkontrolliert aus einem Bohrloch in der Nähe der zweitgrößten indonesischen Stadt Surabaja. 15.000 Menschen mussten deswegen bereits ihre Häuser verlassen, weitere 5.000 sind jetzt bedroht, weil der Monsunregen die provisorischen Dämme aufweicht, die die Regierung errichtet hat.

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Das Schlammreservoir in rund 3.000 Metern Tiefe war bei Probebohrungen nach Gasreserven getroffen worden. Als der 140 Grad Celsius heiße Schlamm aus dem Bohrloch schoss flohen die Techniker. Bisher ist es nicht gelungen, den Schlammvulkan zu verschließen - im Gegenteil. Während zu Beginn nur rund 50.000 Kubikmeter pro Tag ausströmten sind es derzeit mehr als drei Mal so viel.

Mindestens 10 Menschen starben darüber hinaus in der vergangenen Woche bei der Explosion einer Gaspipeline in der Region. Experten vermuten, der Boden habe sich aufgrund des monatelangen Austritts des Schlamms um rund zwei Meter abgesenkt. Die Hitze der Explosion sei noch in einem Kilometer Entfernung spürbar gewesen, berichteten Anwohner.

Das Gebiet um das Bohrloch ist daraufhin von der Regierung völlig abgesperrt worden. Eine Straße, die in unmittelbarer Nähe am Bohrloch vorbeiführt wurde gesperrt, weil sie bei einem Dammbruch in der vorigen Woche beschädigt wurde. Weitere Dammbrüche sind zu befürchten, weil die Monsunsaison gerade erst begonnen hat und der Regen die eher provisorischen Dämme weiter aufweicht.

Greenpeace Indonesien hat den Schlamm untersuchen lassen und zum Glück festgestellt, dass er nicht auch noch giftig ist. Wie lange er jedoch noch aus dem Bohrloch fließen wird ist derzeit völlig unklar. Laut Geologen kann das Desaster noch Jahre andauern.

Die Jagd nach Öl und Gasreserven wird immer risikoreicher. Was in Indonesien geschehen ist, kommt dem Versuch gleich, mit einer Nadel in einen Luftballon zu stechen und gleichzeitig davon auszugehen, dass dieser schon nicht platzen wird, sagt Gabriela von Goerne, Geologin von Greenpeace.

Verantwortlich für das Desaster ist die indonesische Firma 'Lapindo Brantas', an der die Familie des indonesischen Sozialministers, Aburizal Bakrie, beteiligt ist. Greenpeace-Aktivisten haben bereits vor sechs Wochen gegen den Minister protestiert und mehrere hundert Liter des Schlamms vor dem Sozialministeriums abgekippt. Die Aktivisten demonstrierten damit gegen die schleppende Hilfe für betroffene Familien und die nachlässige Informationspolitik des Ministeriums. Ein erster Erfolg der Aktion: Der Minister hat als Mitinhaber der Bohrfirma die Verantwortung für das Schlamm-Desater übernommen.

Um die Schäden beseitigen zu können, pumpt die Regierung inzwischen den Schlamm über einen nahegelegenen Fluss ins Meer. Das wird dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ein weiteres Desaster auslösen.

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