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Schlamm statt Gas

Gasbohrungen sind höchstwahrscheinlich für die verheerenden Schlammeruptionen verantwortlich, die seit Mai letzten Jahres mehrere Dörfer und Fabriken in Indonesien unter sich begruben. Das berichtet die Wissenschaftszeitung GSA Today in ihrer Februarausgabe. Die indonesische Regierung hatte behauptet, dass es sich um eine Naturkatastrophe handele.

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Auch nach über einem Jahr spuckt der Schlammvulkan Lusi auf der Insel Java noch täglich 7.000 bis 150.000 Kubikmeter heißen Matsch. In einem Umkreis von zehn Kilometern um den Vulkan ist kein Leben denkbar, 11.000 Menschen haben dauerhaft ihre Wohnungen verloren. Die Wissenschaftler befürchten, dass es noch Monate, wenn nicht Jahre dauern werde, bis in dieser Gegend wieder jemand leben kann.

Gefahren lauern überall. Erst im November war eine Gas-Pipeline unter der Last eines Damms zusammengebrochen, der den Schlamm ins Meer umleiten sollte. Die heftige Explosion tötete dreizehn Menschen. Es gab Dutzende Verletzte. Helfer brauchten mehrere Tage, um die Leichen aus dem Schlamm zu bergen. Es drohen weitere Absenkungen - so der jetzige Bericht.

Wie die Studie britischer Geologen zeigt, hatten die Gasbohrungen in 2830 Meter Tiefe mit großer Wahrscheinlichkeit dazu geführt, dass ein unter starkem Druck stehender Zwischenraum aus Gas und Wasser zerstört wurde. Das führte dann zu Rissen im porösen und durchlässigen Kalkstein. Durch die Risse und den enormen Druck gelangten anschließend die Schlammmassen an die Oberfläche.

Die Geologen halten es dagegen für kaum vorstellbar, dass ein zwei Tage zuvor stattgefundes Erdbeben zu diesen Rissen geführt haben könnte. Die räumliche und zeitliche Entfernung sprächen dagegen. Der indonesische Minister für Soziales, Aburizal Bakrie, zog aber eben diese Erklärung vor. Aus verständlichen Gründen: Seine Familie kontrolliert die Gasfirma Lapinda Brantas, die für die Bohrungen auf Java verantwortlich ist. Die indonesische Regierung beziffert die Schäden auf 536 Millionen US-Dollar.

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