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Saudi-Arabien: Erdöl. Sand. Reichtum.

Im Koran steht zwar nichts zu Fußball, dennoch war Fußballspielen in Saudi-Arabien bis in die 50er Jahre hinein verboten. Bis heute sind die Zuschauer in saudischen Stadien ausschließlich Männer. Man darf also gespannt sein, wie die saudischen Spieler mit der Tatsache klarkommen, dass bei der WM in Deutschland auch weibliche Gäste in den Stadien herumlärmen ...

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Die saudi-arabische Bevölkerung besteht zu 90 Prozent aus Arabern (und Araberinnen!). Ein Zehntel der Bevölkerung lebt als Nomaden oder Halbnomaden in unwirtlichen Gegenden. 5,6 Millionen Bewohner ohne saudische Staatsangehörigkeit arbeiten als Gastarbeiter in Saudi-Arabien. Ihre Herkunftsländer sind meist Indien, Pakistan, Bangladesh, Iran, Indonesien oder Sudan.

Wirtschaft

Saudi-Arabien ist der weltweit größte Erdölproduzent. Da das Land 25 Prozent der in der Welt bekannten Erdölreserven besitzt, ist die gesamte saudische Wirtschaft auf Erdöl ausgerichtet. Erdgas ist die zweitwichtigste Einnahmequelle. Der Verkauf von Erdöl und Erdölprodukten spülte dem Land im Jahr 2000 rund 144 Milliarden Dollar in die Kassen.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 2.240.000 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 26,4 Millionen
  • Hauptstadt: Riad
  • Amtssprache: Arabisch
  • Staatsform: Monarchie
  • Unabhängigkeit: 23. September 1932
  • Die saudi-arabische Nationalmannschaft hat bereits dreimal an Weltmeisterschaften teilgenommen und es 1994 bis ins Achtelfinale geschafft.

Der Reichtum wird außer von der Königsfamilie für die Versorgung der saudi-arabischen Bevölkerung ausgegeben. Wohnung, Wasser, Strom, Inlandstelefon und Internet sind für Saudis kostenlos. Das enorme Bevölkerungswachstum seit den 70er Jahren hat da allerdings ein Umdenken eingeleitet. Saudis besetzen nur etwa 44 Prozent aller Arbeitsplätze im Land, denn in der Regel kam für einen echten Saudi nur eine Führungsposition in Frage. Alle anderen Tätigkeiten wurden ausländischen Spezialisten oder Gastarbeitern aus anderen islamischen Ländern überlassen. Ob ein saudischer Fußballspieler unter solchen Vorgaben 'Wasserträger' für einen ausländischen Spielgestalter sein darf, wissen wir leider nicht ...

Inoffiziell rechnet man heute mit einer Arbeitslosenquote von 30 Prozent unter jungen Saudis. Um die dazu zu bewegen, auch Stellen 'unter ihrem Niveau' (zum Beispiel KFZ-Mechaniker, Büroangestellter oder Taxifahrer) anzunehmen, ist geplant, im Falle einer Weigerung die kostenlose Versorgung zu streichen.

Natur und Umwelt

Wasserverbrauch und Müllproduktion liegen in Saudi-Arabien pro Kopf weit über dem europäischen Durchschnitt. Wie in Fragen des Energieverbrauchs ist die Linie der Saudis auch hier gegen Einsparungen. Saudi-Arabien setzt lieber auf modernste Recyclingtechnologie und Meerwasser-Entsalzungsanlagen. Die verbrauchen zwar ungeheure Mengen an Energie, aber gerade daran herrscht im Lande kein Mangel. Dementsprechend groß ist das Potenzial zu Innovationen bei der Bewirtschaftung von Wasserressourcen und dem Einsatz modernster Technologien zur Wasseraufbereitung. Deutsche Firmen hoffen, mit Unterstützung des deutschen Umweltministeriums lukrative Geschäfte mit der Umwelttechnologie machen zu können.

Saudi-Arabien hat das Kyoto-Protokoll unterschrieben - durchaus in dem Bewusstsein, dass die Einsparung fossiler Brennstoffe und die Entwicklung alternativer Energien die Geschäftsgrundlagen des Landes empfindlich beeinträchtigen können. Deshalb treten die Saudis auf den internationalen Konferenzen als Bremser auf: Sollte der Ölpreis zurückgehen, so eine der Forderungen, müsse das Land Ausgleichszahlungen erhalten - wie die Entwicklungsländer. Da dürfte so manchem armen Schlucker die Spucke wegbleiben.

Menschenrechte und Korruption

In Saudi-Arabien stehen die Gesetze des Korans und der Scharia über den von Menschen gemachten Gesetzen. Nach westlichem Verständnis stehen die Saudis damit klar im Abseits. Dass Oppositionelle, auch wenn sie gewaltfrei agieren, inhaftiert werden, unterscheidet Saudi-Arabien noch nicht von zahlreichen anderen Ländern. Die Anwendung der Prügelstrafe (nur für Männer) und die Amputation von Gliedmaßen sind allerdings Besonderheiten des saudischen Strafrechts, das auf der Scharia beruht.

Frauen haben im gesellschaftlichen Leben Saudi-Arabiens mit einer massiven Abwehrkette zu kämpfen: Erst seit 1966 dürfen sie eine Schule besuchen. Wählen dürfen sie nach wie vor nicht. Seit vier Jahren haben sie zwar das Recht, einen eigenen Reisepass zu besitzen. Ohne männliche Genehmigung können sie das Land aber trotzdem nicht verlassen.

Auch das Verbot für Frauen, ein Fahrzeug zu führen, wurde noch nicht aufgehoben. Ein saudi-arabischer Geistlicher begründete das Auto-Fahrverbot für Frauen folgendermaßen: Was wäre zum Beispiel, wenn eine Frau einen Unfall verursachen würde, sich vor Gericht verantworten müsste - ins Gefängnis käme! Unsere Gesellschaft würde das nicht akzeptieren. (...) Aus unserer Sicht ist die Frau ein Wesen, das unter allen Umständen geschützt werden muss. (...). Und diesen Schutz zu gewährleisten, beabsichtigt das Gesetz.

Besonderheiten

Auf der Flagge Saudi Arabiens ist das islamische Glaubensbekenntnis abgebildet. Deshalb darf sie niemals auf Halbmast gesetzt werden. Auch Flaggenentsorgung oder -vernichtung ist strengstens verboten. Ausländische Firmen, die auf Wegwerfprodukten arabische Inhaltsangaben mit der saudischen Flagge kennzeichnen, können deshalb ernsthafte Probleme bekommen.

(Autor: Harald Mörking)

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