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Reise in's gute Gewissen

Fliegen belastet das Klima - das ist nicht neu. Nun will Lufthansa seinen Passagieren anbieten, freiwillig einen Aufpreis auf das normale Ticket zu zahlen. Das Geld soll in Klimaschutzprojekte investiert werden. Wir haben unseren Klimaexperten Karsten Smid gefragt, was er davon hält.

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Greenpeace-Online: Wie bewertest du den Lufthansa-Vorstoß zum Schutz des Klimas?

Karsten: Das ist eine Mogelpackung. Lufthansa macht das nur, um von der Diskussion über andere gesetzliche Maßnahmen abzulenken. Lufthansa benutzt den Verbraucher als ökologisches Feigenblatt, denn der finanziert die Abgabe. Lufthansa zahlt gar nichts.

Greenpeace-Online: Welche Maßnahmen wären sinnvoll?

Karsten: Wir brauchen dringend die Kerosinsteuer. Im Gegensatz zu Benzin und Diesel ist Flugbenzin von der Steuer befreit - das ist eine ungerechte Subvention des Flugverkehrs.

Zudem muss der Luftverkehr in das europäische Emissionshandelssystem integriert werden. Alle Fluglinien müssten dann zahlen und besonders klimaschädliche müssten - wie die Industrie - Emissions-Zertifikate dazukaufen.

Das Treibhausgas CO2 würde dann endlich in die Kostenplanung der Fluggesellschaften einfließen. Man muss dabei auch berücksichtigen, dass Treibhausgase in großen Flughöhen dreimal schädlicher sind als direkt auf der Erde.

Greenpeace-Online: Gibt es Alternativen zum klimaschädlichen Kerosin - sozusagen Biosprit für den Flieger?

Karsten: Nein. Kerosin hat eine hohe Energiedichte, die für den Flugverkehr notwendig ist. Man kann nicht auf andere Treibstoffe umsteigen.

Greenpeace-Online: Was empfiehlst du Menschen, die gerne in den Sommerurlaub fliegen möchten?

Karsten: Generell empfehle ich, auf Strecken unter 600 km die Bahn zu nutzen. Wer unbedingt fliegen will, dem rate ich bei www.atmosfair.de eine Klimaabgabe zu leisten.

Für den Hin- und Rückflug von Hamburg nach New York wären das zum Beispiel 79 Euro. Die würde atmosfair in ein Klimaschutzprojekt investieren. Wenn jeder das persönlich tut, finde ich das in Ordnung. Lufthansa hingegen will die Klimaverantwortung auf den Verbraucher abwälzen. Freiwillige Abgaben ersetzen aber keine politischen Maßnahmen.

Wirklich problematisch finde ich die Kurztripps wie ein Wochenende in New York, Paris oder Wien. Zudem könnten internationale Betriebe auf Videokonferenzen ausweichen, anstatt die Mitarbeiter rund um die Welt zu schicken. Gerade Manager, die viel reisen, empfinden das oftmals als Vorteil.

Greenpeace-Online: Vielen Dank für das Gespräch, Karsten.

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