Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Präsidentschaftswahl entscheidend für den Klimawandel

Wenn die US-Bevölkerung im November einen neuen Präsidenten wählt, entscheidet sie damit auch über die zukünftige Klima-Politik ihrer Regierung. Doch wer der beiden Kandidaten ist am ehesten in der Lage, den verheerenden Kurs von Georg W. Bush zu korrigieren? Und wessen Programmpunkte versprechen einen tatsächlichen Beitrag zum Klimaschutz? Anlässlich des Besuchs von Barack Obama am Donnerstag in Berlin hat Greenpeace beide Positionen gegenüber gestellt.

  • /

Die USA gilt als eines der größten Klima zerstörenden Länder. In Zahlen ausgedrückt, produziert die Bevölkerung 25 Prozent der gesamten CO2-Emission und konsumiert 25 Prozent der weltweiten Nahrungsresourcen. Zusätzlich sind sie für ein Drittel der gesamten Abfallstoffe verantwortlich.

Barack Obama und John McCain stehen beide für einen Kurswechsel in der amerikanischen Klimapolitik. Wer auch immer am Ende die Wahl gewinnt: die USA wird einen Präsidenten haben, zu dessen obersten Zielen die Emissionsminderung gehört. Der angestrebte Reduktiongrad beider weist jedoch deutliche Differenzen auf. McCain will den CO2-Ausstoß bis 2050 um 60 Prozent verringern, während Obama für den selben Zeitraum sogar von 80 Prozent spricht.

Das Cap and Trade-System

Die Lösung des Klimaproblems sehen beide Kandidaten im sogenannten Cap and Trade-System begründet. Das bedeutet, es wird eine nationale Gesamtemission festgesetzt, die sich wiederum in gewisse Emissionsrechte aufspaltet. Diese können von verpflichteten Unternehmen, wozu vor allem Energie- und Kraftstofffkonzerne gehören, erworben werden.

Hier zeigt sich erneut ein großer Unterschied zwischen den Plänen der Kandidaten. McCain will Teile der Rechte umsonst herausgeben, was jedoch zunächst zu keiner CO2-Reduktion führen kann. Obama hingegen setzt sich für die Auktionierung aller Emissionsrechte ein, dessen Ertrag auschließlich in den Aufbau reiner Energien fließen soll.

Agrosprit und atomare Energie

Beunruhigend ist die Tatsache, dass sich beide Kandidaten für eine Förderung der sogenannten Bio-Kraftstoffe ausgesprochen haben. In den USA wird das dazu benötigte Ethanol vor allem aus Mais gewonnen. Die Konsequenzen für den Nahrungsmittelpreis werden dabei völlig außer acht gelassen. John McCain lehnt allerdings jegliche Subventionierung seitens der Regierung ab.

Barack Obama will in den kommenden zehn Jahren rund 150 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Bio-Kraftstoffen der zweiten Generation stecken und strebt so eine Unabhängigkeit der USA im Energiesektor an. Allgemein will er den Benzinverbrauch in amerikanischen Autos senken, wozu McCain sich allerdings überhaupt nicht äußerte.

Ebenso unerfreulich ist die Einstellung beider zur Atomenergie. McCain will in den kommenden 20 Jahren rund 45 neue Kernkraftwerke bauen lassen und auch Obama sprach sich deutlich für atomare Energien aus, wenn gleich er diese nicht als Patentrezept ansehe.

Erneuerbare Energien

Sowohl McCain als auch Obama setzen sich für die Entwicklung erneuerbarer Energien ein. McCain denkt daran, bis 2030 etwa ein Fünftel der Eletrizität durch Windenergie erzeugen zu lassen. Obama geht noch einen kleinen Schritt weiter und will sein Land dazu verpflichten, bis 2025 mindestens 25 Prozent seiner Elektrizität über erneuerbare Energien zu beziehen.

Naturschutz

Beide Kandidaten verurteilen das Vorhaben Bushs, im Naturschutzgebiet von Alaska (Arctic National Wildlife Refuge) nach Öl zu bohren. McCain hat es jedoch trotzdem verpasst, den Schutz speziell von Nationalparks in seinem Programm aufzunehmen. Hingegen ist es Obamas erklärtes Ziel, sich gerade um die von Bush vernachlässigten Naturschutzgebiete zu kümmern.

Letztlich gehen beide Kandidaten einen Schritt in die richtige Richtung, Obama noch einen Schritt mehr. Beide Konzepte müssen in jedem Fall noch weiter ausgebaut werden. Doch stellen beide Programme für die US-Politik eine deutliche Verbesserung dar.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Ausgehandelt?

Es ist ruhig geworden um TTIP und CETA. Interessieren Handelsabkommen in Zeiten von Schutzzöllen nicht mehr? Doch! Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven sagt, wie es weitergeht.

Unternehmen Verantwortung

Großkonzerne können ungestraft Steuern hinterziehen, die Umwelt vergiften und Menschenrechte verletzen, so ein Greenpeace-Report. Er zeigt auch, wie das geändert werden kann.

Kuhhandel

Auto gegen Rind – so der Deal eines Handelsabkommens zwischen EU und Lateinamerika. Schlecht für Verbraucher und Umwelt, das zeigen von Greenpeace Niederlande geleakte Dokumente.