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Portugal: viel solares Potenzial

Portugals Kickern wird viel Potenzial nachgesagt. In der Qualifikation für Südafrika taten sie sich allerdings zunächst schwer. Die letzten vier Qualifikationsspiele gewannen sie aber mit acht Toren ohne Gegentor. Auch in einer anderen Disziplin haben die fußballverrückten Portugiesen ihr weltmeisterliches Potenzial erst spät erkannt: 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Das Land beginnt gerade erst zu begreifen, welcher Schatz das eigentlich ist, aber jetzt machen sie Tempo.

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Dass Portugal eine Weltmacht war - gar als reichstes Land der Erde galt - ist schon einige Hundert Jahre her. Das kleine Land an der Spitze der iberischen Halbinsel hat in seiner wechselvollen Geschichte viel von dem einstigen Glanz eingebüßt.

Das hat viel mit der Diktatur zu tun, die das Land von 1928 an knebelte. Die Schulbildung war nach vier Jahren abgeschlossen - ein ungebildetes Volk regiert sich leichter. Die Analphabetenquote war eine der höchsten in Europa. Erst 1974 zeigten die Portugiesen ihren Unterdrückern die rote Karte - mit roten Blumen. Der fast friedliche Aufstand ging als Nelkenrevolution in die Geschichte ein.

Geografie, Politik und Fußball

  • Fläche: 92.090 Quadratkilometer(zusammen mit den Azoren und den Madeira-Inseln)
  • Einwohnerzahl: 10,6 Millionen
  • Hauptstadt: Lissabon
  • Amtssprache: Portugiesisch
  • Staatsform: Parlamentarische Demokratie
  • Religion: Rund 90 Prozent Katholiken, Minderheiten von Protestanten, Orthodoxen, Muslimen, Juden
  • Portugal ist zum fünften Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft dabei. Bestes Ergebnis bislang: 1966 erreichte die portugiesische Mannschaft einen 3. Platz. Beim letzten Mal verpassten sie den nur knapp.

Klima

Heißes mediterranes Klima herrscht vor allem an der bei Touristen beliebten Südküste, der Algarve, und im Innern des Landes vor. Der Norden mit seiner Atlantikküste ist rauer, kühler und feuchter. Portugal wird von drei großen Flüssen durchzogen, die alle in Spanien entspringen und in den Atlantik münden. An der Mündung des größten Flusses, des Tejo, liegt die Hauptstadt Lissabon. Das Landesinnere ist vorwiegend gebirgig. Im Westen und Süden fallen die Berge zu einer großen intensiv bewirtschafteten Küstenebene hin ab. Die Gebirge des Landes bestimmen das Binnenklima.

Wirtschaft

Momentan hat die Regierung mit einem Haushaltsdefizit von mehr als neun Prozent und schwachem Wirtschaftswachstum zu kämpfen. Portugal gilt als nächster Abstiegskandidat innerhalb des Euroraums, nachdem Griechenland eine Insolvenz vorerst nur mit ausländischer Hilfe abwenden konnte.

Ein rigides Sparprogramm einerseits und Investitionen in Bildung, Forschung sowie in die Nutzung Erneuerbarer Energien sollen helfen, das Land wieder fit zu machen. Sonne und Wind sollen vor allem teure Importe von Erdöl und Gas ersetzen. Bis 2020 soll rund ein Drittel der Energie aus diesen Quellen stammen.

Trotz Vinho Verde, Portwein, Mandeln und Oliven - Portugal hat den klassischen Wechsel von einer Agrarnation zur Dienstleistungsgesellschaft vollzogen. Punkten kann das Land dabei vor allem im Tourismus, der etwa acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Am liebsten kommen die Spanier. Und die sind auch im Handel die Lieblingsmannschaft der Portugiesen: Bekleidung, Schuhe, Kork, Papier und Zellstoff sowie Maschinen gehen aus dem Land. Autos und Autoteile sowie Agrarprodukte werden importiert.

Natur und Umwelt

Seit Jahren ist Portugal unangefochtener Weltmeister in der Korkproduktion. Etwa die Hälfte des weltweit angebauten Korks wächst im Land, vor allem in der südlichen und kargen Region Alentejo. Doch Konkurrenz droht um die verfügbaren Flächen: Die schnell wachsenden Eukalyptusplantagen, die Zellstoff für die Papierherstellung liefern, verdrängen mehr und mehr die alten Korkeichenwälder. Eine Entwicklung, die Portugal schnell ins umweltpolitsche Abseits führen könnte: Die Monokulturen sind anfällig für Brände und laugen die Böden aus. Es kommt verstärkt zu Bodenerosion.

Zusätzlich leiden die oft Jahrhunderte alten Korkeichen seit ein paar Jahren unter einem seltsamen Siechtum. Mindestens fünf Prozent der Bäume gehen jedes Jahr ein. Zugeschrieben wird dies teils der Dürre, teils einer Pilzerkrankung. Korkbäume reagieren sensibel. Sie scheinen nicht in unsere schnelllebige Zeit zu passen: Erst nach fünfzig Jahren kann man zum ersten Mal ernten und dann auch nur alle neun Jahre.

Das größte Umweltproblem Portugals sind jedoch die alljährlich wiederkehrenden Waldbrände. Im schlimmsten Brandjahr 2003 sind etwa 425.000 Hektar Wald verbrannt. 100 Häuser wurden zerstört, 18 Menschen starben, der wirtschaftliche Schaden belief sich auf über eine Milliarde Euro. Am meisten betroffen waren Eukalyptus- und Kiefernplantagen. Von sechs Prozent der gesamten portugiesischen Waldfläche blieben nichts als schwarzen Stumpen. Und auch im letzten Sommer gingen wegen der anhaltenden Dürre über 82.000 Hektar Wald in Flammen auf - mehr als 200.000 Fußballfelder.

Die Brände bedrohen auch immer wieder die wenigen Nationalparks und Naturreservate in Portugal. Im Jahr 2006 lagen von 50.000 Hektar verbrannter Erde fast 20 Prozent in Schutzgebieten. Derzeit sind 5,1 Prozent der Wälder geschützt. Es gibt neben dem 72.000 Hektar großen Nationalpark Peneda-Gerês im Norden des Landes zwölf Naturparks, neun Naturreservate und drei geschützte Landschaften.

Korruption und Menschenrechte

Amnesty International berichtet über einzelne Fälle von Gewalt und Misshandlungen durch Polizeibeamte. Gewalt gegen Frauen und Mädchen scheint in privaten Strukturen ein Problem zu sein: Bei einer Organisation für Opferhilfe gingen 2008 mehr als 16.000 Beschwerden wegen häuslicher Gewalt ein, fast 50 Tote waren zu beklagen.

In Sachen Korruption bewegt sich das Land im Mittelfeld der europäischen Nationen. Im Korruptionsindex von Transparency International erreicht Portugal Platz 35 weltweit und 19 innerhalb der EU. Das wirft kein gutes Licht auf das Land, ist aber auch kein Abstiegsplatz. Der Soziologe José Magone charakterisierte die Haltung der Portugiesen zur Korruption vergangenes Jahr als zu gleichgültig - sie hätten sich einfach damit arrangiert und suchten ihren eigenen Vorteil. Was dem Land unter anderem fehle, sei ein starker Sektor von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die den Bürgern Engagement für das Allgemeinwohl abverlangen. Ein lokales Greenpeace-Büro, das da helfen könnte, existiert leider nicht.

(Autor: Helge Holler)

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