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Polen: das Land der 1.000 Seen

Die Männer aus dem Land mit der rot-weißen Flagge werden das zweite Spiel der diesjährigen WM bestreiten. Sie kommen aus dem größten und bevölkerungsreichsten Land Ostmitteleuropas. Das Gesamtteam Polens besteht zu über 95 Prozent aus der polnischen Mehrheitsbevölkerung. Es gibt nur wenige nationale Minderheiten, darunter Weißrussen, Ukrainer, Deutsche, Roma, Slowaken, Tschechen, Litauer und Juden.

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Erfolg durch hartes Training zeichnet sich auch auf politischem Gebiet ab: Im Dezember 1990 gewann der ehemalige Gewerkschaftsführer der Solidarnosc, Lech Walesa, die ersten freien polnischen Präsidentschaftswahlen seit über fünfzig Jahren. Im darauf folgenden Jahr wird Polen in den Europarat aufgenommen und gehört seit 2004 zur Europäischen Union.

Wirtschaft

Der Team- und Trainerwechsel nach dem Ende des Kommunismus blieb in Polens Wirtschaft nicht ohne Folgen: In nur wenigen Jahren hat sich das Land von einem kommunistisch gelenkten Staat mit zentral organisierter Wirtschaft zu einer marktwirtschaftlich orientierten Demokratie entwickelt. Wichtige polnische Wirtschaftszweige sind die Elektro-, Lebensmittel-, Textil-, Chemie-, Brennstoffindustrie sowie die Energiewirtschaft.

Eine Hauptstärke im polnischen Spiel: die Agrarproduktion. Jeder fünfte Pole arbeitet in einem von zwei Millionen kleinerer Agrarbetriebe. Landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Roggen, Kartoffeln, Futterpflanzen, Gemüse und Obst sowie die Schweine-, Rinder- und Geflügelzucht bleiben wichtige Wirtschaftsstützen des Landes.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 312.685 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 38,5 Millionen
  • Hauptstadt: Warschau
  • Amtssprache: Polnisch
  • Staatsform: Parlamentarische Republik
  • Polen hat bislang zwei Dritte Plätze bei einer FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft herausgespielt (1974 in Deutschland und 1982 in Spanien).

Natur und Umwelt

Mit 23 Nationalparks ist Polen Europameister bei ausgewiesenen Naturschutzgebieten. Abwechslungsreich wie das Spiel auf dem Fußballplatz ist die Landschaft des Landes der 1000 Seen. Das geht vom polnischen Mittelgebirge mit den Waldkarpaten im Südosten des Landes bis zur Ostseeküste im Nordwesten, mit zahlreichen Nehrungen, Binnengewässern und Dünen. Die höchste Gebirgskette Polens ist die Tatra. Die meisten Nationalparks gibt es im Südosten des Landes.

Der Bialowieca-Nationalpark im Osten, beherbergt einen der letzten Urwälder Europas. Dort leben Wisente. Das ist eine Wildrindart, die manchmal mit dem nordamerikanischen Bison verwechselt wird. Zudem sind dort Wölfe und Luchse beheimatet. Braunbären findet man in der Tatra, Elche in Nordpolen und Biber in Masuren. Polen bietet noch Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, die in anderen Teilen Europas schon lange verschwunden sind.

Und in den vergessenen Landstrichen entlang der deutsch-polnischen Grenze entwickelte sich eine besondere Artenvielfalt, die viele Umweltschützer durch das Zusammenwachsen der Europäischen Union nun bedroht sehen.

Eine weitere beachtliche Leistung schafft Polen ganz ohne Doping: Viele Kulturlandschaften verdanken ihren Artenreichtum fehlenden Pestizideinsätzen in der Vergangenheit, was eine Chance für den Biolandbau bedeutet. Wo früher das Geld für Pestizide, Kunstdünger und moderne Gerätschaften fehlte, konnte sich der traditionelle Wissensschatz der Bauern erhalten. Es hat ein Torlauf eingesetzt: Seit es in Polen Zuzahlungen für Landwirte gibt, die auf ökologische Landwirtschaft umsteigen, hat sich die Zahl der Öko-Landbetriebe auf über 3.500 verdoppeln können.

Die Umweltbelastungen, unter denen Polen vor 1988 stark gelitten hat, konnten seit Anfang der 90er Jahre durch eine Anzahl von Umweltschutzbemühungen reduziert werden. So stiegen alleine die Investitionen im Umweltbereich von 0,8 Milliarden Dollar im Jahr 1991 bis 1998 auf 2,8 Milliarden Dollar.

In der selben Zeit konnten auf dem Gebiet der Luft- und Wasserverunreinigung sogar erhebliche Verbesserungen durchgesetzt werden. Dennoch kämpft Polen bis heute mit gravierenden Umweltproblemen, wie etwa in der Abfallwirtschaft oder im Verkehrsbereich.

Mit seiner Treibhausbilanz hat Polen bereits seinen WM-Gruppenpartner Deutschland geschlagen: Ein Pole verbraucht im Schnitt sieben Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Mit rund 20 Tonnen CO2 pro Kopf bleibt Deutschland im Vergleich deutlich dahinter. 2002 hat Polen das Kyoto-Protokoll ratifiziert.

Besonderheiten

In manchen Dörfern Masurens leben mehr Störche als Menschen!

(Autorin: Simone Wiepking)

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