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Notwendig: Klimawechsel beim Weltgipfel

Klimawissenschaftler, die im Auftrag der Vereinten Nationen arbeiten (IPCC Zwischenstaatliche Arbeitsgruppe zum Klimawandel) warnen klar und deutlich vor den möglichen Auswirkungen eines Klimawechsels. Es ist nun nicht mehr die Frage ob, sondern wie stark sich das Klima verändert und wie verheerend die Auswirkungen sein werden.
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Dringend notwendig: Klimawechsel beim Weltgipfel

Die ablehnende Haltung der US-Regierung gegenüber dem internationalen Klimaschutzabkommen von Kyoto hat internationale Proteste von anderen Regierungen, den Medien und der Öffentlichkeit ausgelöst. Energieeffizienz und die Einführung erneuerbarer Energien sind in den USA kein Thema. Die Folge: Die CO2-Emissionen steigen weiter.

Die Markteinführung von erneuerbaren Energien ist für den Klimaschutz und die Bekämpfung von Armut gleichermaßen nützlich. Das haben die Diskussionen im Rahmen der Vorbereitungskonferenzen zum Weltgipfel gezeigt. Durch die Schaffung von Arbeit und einer sauberen wie sicheren Energieversorgung wird eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht. Leider haben die Regierungen diesen Erkenntnissen bisher keine Taten folgen lassen.

Meinungsumfragen aus allen Teilen der Welt zeigen immer wieder eine sehr starke Unterstützung der Bevölkerung für Klimaschutzmaßnahmen. Auch die Bevölkerung der USA erwartet von ihrer Regierung einen wirksamen Klimaschutz. Auf der politischen Ebene bedeutet dies, die 1992 verabschiedete Klima-Konvention, das Rahmenabkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, muss unterstützt werdenen. Darin heißt es, dass die Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre auf einer Höhe stabilisiert werden sollen, die einen gefährlichen und vom Menschen verursachten Klimawandel ausschließen. Der erst kürzlich veröffentliche Bush Klima Plan der US-Regierung, der unter anderem den Bau von zahlreichen Kohlekraftwerken vorsieht, verstößt eindeutig gegen diese UN-Konvention.

Auch bei den Klimaschutzverhandlungen der letzten Jahre hat die USA auf internationaler Ebene immer wieder ein äußerst negative Rolle gespielt. Das am 11. Dezember 1997 verabschiedete Protokoll von Kyoto zur Klimakonvention, welches eine weltweite Reduzierung des Ausstoßes von sechs Treibhausgasen um 5,2 Prozent in der Zielperiode 2008 bis 2012 vorsieht, wurde von den USA abgelehnt. Greenpeace fordert die US Regierung auf, sich der internationalen Staatengemeinschaft beim Klimaschutz anzuschließen.

Unterdessen haben bereits 75 Staaten dieses Protokoll ratifiziert. Damit ist das notwendige Quorum von 55 Länder deutlich überschritten. Allerdings tritt das Protokoll erst in Kraft, wenn auf diese Länder auch mindestens 55 Prozent der gesamten Kohlendioxidemissionen des Jahres 1990 entfallen. Bisher machen diese 75 Länder jedoch erst 36 Prozent der Emissionen aus. Die Bundesrepublik Deutschland hat das Kyoto-Protokoll am 22. März 2002 im Bundestag verabschiedet, sie verpflichtet sich damit, bis 2012 die Treibhausgasemissionen um 21 Prozent zu reduzieren. Das Reduktionsziel der Europäischen Union von insgesamt 8 Prozent ist auf die einzelnen Mitgliedsstaaten unterschiedlich aufgeteilt worden. Gemäss dem internen Verteilungsschlüssel müssen nicht alle EU-Mitglieder gleichermaßen reduzieren. Einige Länder wie Finnland und Frankreich haben ihr Soll bereits erfüllt, andere wie Portugal verfügen sogar noch über ein Emissionsguthaben. Dagegen haben sich Luxemburg, Dänemark, Deutschland und Großbritannien zur Reduktionsquoten zwischen 21 und 12 Prozent verpflichtet.

Der Weltgipfel in Johannesburg hat zentrale Bedeutung für erneuerbare Energien

Der bevorstehende Weltgipfel spielt eine entscheidende Rolle für den Aufbau der künftigen Energieversorgung und hat weitreichende Folgen für den globalen Klimaschutz.

Greenpeace fordert alle Regierungen auf:

Von der Theorie zur Praxis

Um das notwendige starke Wachstum der erneuerbaren Energie auch tatsächlich zu erreichen, müssen dafür die notwendigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Einige Technologien, wie bspw. die Windenergie, wären in den windreichen Regionen der Welt bereits heute mit fossilen und nuklearen Energien voll wettbewerbsfähig, wenn die Subventionen für dreckige Energie eingestellt werden würden. Die Technologie, um aus Sonne, Wind, Biomasse, Erdwärme oder Wasserkraft ausreichend Energie zu produzieren, ist heute vorhanden. Damit dies künftig auch wettbewerbsfähig erfolgen kann, dürfen die sauberen Energien nicht weiter finanziell benachteiligt werden. Die massive Subventionierung von fossilen und nuklearen Energien führt zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der umweltfreundlichen Energien: Jährlich werden schätzungsweise 250 bis 300 Milliarden Dollar Subventionen in dreckige und umweltgefährdende Energietechnologien gesteckt. Wären die sauberen Energien so reichhaltig mit Subventionen ausgestattet, wären sie längst die in jeder Hinsicht günstigsten Energielieferanten.

Greenpeace fordert:

25 Prozent Sonnen- und Windstrom bis 2020 - geht das?

Ja, mit ehrgeizigen Programmen ist es machbar. Die erneuerbaren Energiequellen, vor allem die Windenergie, die Solarenergie und die Biomasse, expandieren seit einigen Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten. Greenpeace hat gemeinsam mit der Solarstrom- und der Windindustrie zwei Studien erarbeitet. Die Windenergie-Studie Windstärke 12 kommt zu dem Ergebnis, das bis 2020 gut 12 Prozent des weltweit benötigten Stroms aus Windkraftanlagen stammen können. Die Solarstudie SolarGeneration zeigt, dass die Photovoltaik - also Sonnenstromanlagen - innerhalb einer Generation wettbewerbsfähig sein und in 2020 bereits über 1 Prozent des weltweit verbrauchten Stromes erzeugen kann. Insgesamt kämen dann 13 Prozent des Stroms aus Sonne und Wind. Beide Studien gehen von einer Verdoppelung des Strombedarfs bis 2020 aus. Mit Energiesparen und Energieeffizienz kann der Verbrauch in den Industrieländern jedoch drastisch gesenkt werden, das Wachstum in den Entwicklungsländern könnte dadurch kompensiert werden. In diesem Fall würden 26 Prozent des Strombedarfs aus Sonnen- und Windanlagen gedeckt werden. Ähnlich wie die Windenergie, wird die Biomasse und die Geothermie in den nächsten Jahrzehnten stark wachsen und ihren Anteil an der Energieversorgung leisten. Die nachhaltige Energieversorgung durch erneuerbare Energie ist möglich. Es ist kein technisches, sondern ein politische Problem, dies in die Tat umzusetzen!

Das Kyoto-Protokoll in Kürze

Sechs Treibhausgase

Neben den alten Treibhausgasen Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) werden auch drei neue Treibhausgase berücksichtigt, nämlich teil- und vollfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFKWs, FKWs) und Schwefelhexafluorid.

Zielperiode 2008 bis 2012, Referenzperiode 1990

Für diese Zielperiode werden Reduktionsziele festgelegt. Das sind Durchschnittswerte, die über diese Fünfjahresperiode gegenüber dem Basisjahr 1990 erreicht werden müssen. Damit werden beispielsweise die jährlichen Temperaturschwankungen ausgeglichen.

Verbindliche Reduktionsziele für die Industriestaaten

38 Industriestaaten, die sogenannten Annex I Länder der bei der Umweltkonferenz von Rio im Jahr 1992 beschlossenen Klimakonvention, vereinbaren erstmals völkerrechtlich verbindliche Reduktionsziele für diese sechs Treibhausgase. Insgesamt wollen diese Länder bis zur Zielperiode die Emissionen um 5,2 Prozent reduzieren. Zu folgenden Reduktionen haben sich dabei die wichtigsten Verhandlungsteilnehmer bereiterklärt: EU: minus acht Prozent , Japan: minus sechs Prozent, und die USA: minus sieben Prozent. Nach der EU-Lastenverteilung von 1998 wird zur Erreichung des EU-Gesamtziels den einzelnen Staaten unterschiedliche Verpflichtungen auferlegt. Sie reichen von einem Emissionsminus von 28 Prozent für Luxemburg bis zu einem erlaubten Anstieg von 27 Prozent für Portugal. Für Deutschland ist eine Emissionsverringerung von 22 Prozent vorgesehen.

Emissionshandel

Zwischen den Industrieländern soll ein Handel mit Emissionsrechten möglich werden, wofür allerdings erst die Ausführungsbestimmungen auszuarbeiten sind.

CO2-Senken

Veränderungen in den Wäldern und Böden, die CO2 binden, sollen ebenfalls in die Emissionsbilanzen aufgenommen werden.

Entwicklungsländer

Diese Länder akzeptierten keinerlei Begrenzungen, sollen aber künftig ebenfalls in die globale Klimapolitik eingebunden werden.

V.i.S.d.P.: Sven Teske, Stand: 07/2002

  • das Kyoto-Protokoll umgehend zu ratifizieren, damit es in Johannesburg in Kraft treten kann
  • ein globales Energieprogramm zu starten, mit dem Ziel eine saubere und nachhaltige Energieversorgung für Milliarden von Menschen bis 2020 zu ermöglichen.
  • fossile Energien als die Hauptverursacher des Klimawandels zu benennen. Die neuen Investitionen der Regierungen müssen künftig ausschließlich in erneuerbaren Energien und Energieeffizienz fließen.
    • Die Industriestaaten müssen sich selbst das Ziel setzen, innerhalb der nächsten 10 Jahre einen Anteil von 20 Prozent erneuerbarer Energien am Energiemix zu erreichen.
    • Die sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländer sollten im gleichen Zeitraum einen Anteil an erneuerbaren Energien von mindestens 5 Prozent erreichen.
    • Die Subventionen für konventionelle Energieformen müssen in den Industrieländern sofort eingestellt werden. Für die Schwellen- und Entwicklungsländer muss ein mehrjähriger Übergangsplan erarbeitet werden.
    • Sofortiger Stopp aller derzeitigen wie geplanten Baumaßnahmen für Atomreaktoren

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