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Mexiko: Montezumas Erben

Mexiko ist mit fast 110 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste spanischsprachige Land der Erde. Knapp ein Fünftel der Einwohner lebt in der Metropolregion von Mexiko-Stadt. Die rasch wachsende Region hat fast 20 Millionen Einwohner. Die durchaus als stark einzuschätzenden Fußballspieler des Landes sind entgegen lateinamerikanischer Gewohnheit heimatverbunden: Die Hälfte des Kaders spielt in mexikanischen Vereinen. Nur acht Mitglieder des Teams spielen bei ausländischen Vereinen, im Gegensatz zum Beispiel zu 17 Spielern in Argentiniern oder 19 in Paraguay.

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Land und Leute

Die mexikanische Gesellschaft wurde stark von der spanischen Kolonialmacht beeinflusst. Gleichzeitig hat sie jedoch auch starke indianische Wurzeln: Tolteken, Maya und Azteken beherrschten das Land lange vor den Spaniern, wurden von diesen in ihrer Gier nach Gold jedoch ermordet oder vertrieben. Heute bezeichnen sich nur noch rund 10 Millionen Einwohner Mexikos als Indios. Der letzte Azteken-Herrscher, Montezuma II. - eigentlich Moteuczoma, was die Spanier aber nicht aussprechen konnten - wehrte sich verzweifelt, aber hoffnungslos gegen die zahlenmäßig weit unterlegenen Spanier. Seine Rache ist legendär: Sie ereilt jeden zweiten Reisenden in Form einer Durchfallerkrankung.

Die Indios werden bis heute als Menschen zweiter Klasse behandelt. Mitte der 1990er Jahre erhoben sich daher einige Stämme vor allem aus dem armen Süden und forderten Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Die mexikanische Regierung versuchte zunächst, den Aufstand mit militärischer Gewalt zu unterdrücken, erklärte sich Jahre später aber zu Gesprächen bereit. Inzwischen ist die rechtliche Situation der Indios geklärt, es gibt verschiedene anerkannte autonome Gebiete. 62 indigene Sprachen wurden als Nationalsprachen anerkannt. Gesellschaftliche Anerkennung haben die Indios aber bislang nicht erfahren.

Große Probleme bereitet dem Land der Kampf gegen die Drogenmafias. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass es vor allem im Norden des Landes zu Schießereien mit der Polizei, sogar mit Militäreinheiten oder zwischen verfeindeten Kartellen kommt. Die Kartelle sind dabei häufig besser ausgerüstet und können auf weit mehr Fußvolk zurückgreifen. Im Jahr 2009 starben nach lokalen Zählungen über 7.700 Menschen in diesem Drogenkrieg. Das machte Mexiko international zum heißesten Pflaster: Nirgendwo auf der Welt außerhalb von Kriegsgebieten starben mehr Menschen eines gewaltsamen Todes. Vielleicht kein Wunder in einem Land, in dem der Tod als "Santa Muerte", als Heilige verehrt wird.

Geografie, Politik und Fußball

  • Fläche: 1.960.000 km2
  • Einwohnerzahl: 110 Millionen
  • Hauptstadt: Mexiko Stadt
  • Amtssprache: Spanisch
  • Staatsform: Präsidialrepublik
  • Fußball: Mexiko ist zum 14. Mal bei der Fußball-WM dabei, zum fünften Mal in Folge. Bislang kamen die Mexikaner jedoch nur zweimal über die zweite Runde hinaus und vor heimischem Publikum sogar 1986 ins Finale.

Wirtschaft

Wirtschaftlich ist Mexiko ein Land von enormen Gegensätzen. Die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung müssen sich 11 Prozent des Volkseinkommens teilen, während die reichsten 10 Prozent der Gesellschaft mehr als 40 Prozent einstreichen. Der laut Forbes reichste Mann der Welt ist Mexikaner, dennoch gibt es laut UNICEF kein Land der Welt, in dem mehr Kinder in relativer Armut leben: Mehr als ein Viertel wächst in Familien auf, die weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen.

Das Land setzt völlig auf den Freihandel. Mit allen großen Wirtschaftsblöcken und vielen einzelnen Staaten hat Mexiko entsprechende Abkommen geschlossen. Gehandelt werden zum Großteil Industrieprodukte oder -vorprodukte, daneben Erdöl und Erdölprodukte und nur zu einem sehr geringen Anteil - weniger als fünf Prozent - landwirtschaftliche Güter. Größter Abnehmer und Lieferant sind die USA, mit denen Mexiko fast 80 Prozent seines Außenhandels abwickelt.

Natur und Umwelt

Mexikos Klima ist vielfältig: Von tropischen Stränden im Süden bis zu Wüsten im Norden, von Gebirgsklima im Zentrum bis zu Regenwäldern auf der Halbinsel Yucatán. Die Artenvielfalt ist entsprechend enorm: 26.071 Pflanzenarten sind in Mexiko beheimatet, darunter mehr Kiefern- und Kakteenarten als irgendwo sonst. Mexiko beherbergt mehr Reptilien als jedes andere Land, belegt einen zweiten Platz bei Säugetieren und einen vierten bei Amphibien.

Der natürliche Reichtum wird zunehmend geschützt. Waren es vor wenigen Jahren gerade einmal sechs Prozent der Landfläche, die irgendeinen Schutzstatus besaßen, sind heute bereits 12 Prozent der Fläche Teil eines Schutzgebiets. Strengen Schutz genießt aber nach wie vor nur ein sehr kleiner Teil von einem Prozent.

Ein großes Problem ist in Mexiko die Wasserversorgung. 97 Prozent der Landfläche sind mehr oder weniger von Austrocknung oder gar Wüstenbildung bedroht. Das bedeutet leider nicht, dass die Mexikaner mit dem kostbaren Nass besonders sorgsam umgehen.

Zusätzlich zur Wasserverschmutzung wurden jahrelang wichtige Wasserspeicher wie die Wälder unkontrolliert abgeholzt. Fast 800.000 Hektar Wald verlor Mexiko noch 2003. Genug, um das Land innerhalb von 50 Jahren komplett zu entwalden. Inzwischen wurde die Entwaldungsrate drastisch gesenkt - auf nur noch 260.000 Hektar im letzten Jahr. Und die Regierung hat ehrgeizige Wiederaufforstungspläne: 500.000 Hektar sollen allein in diesem Jahr neu mit Bäumen bepflanzt werden.

Scheinbar hat die aktuelle Regierung auch die Gefahren des Klimawandels für das Land erkannt: Sie lässt zurzeit als erstes Land der Welt eine Studie über dessen wirtschaftliche Auswirkungen auf die Nation erstellen. Leider handelt sie nicht auch. Zur Erderwärmung trägt Mexiko nämlich selbst noch kräftig bei. Die CO2-Emissionen sind seit 1990 um mehr als 30 Prozent gestiegen und bis 2030 wird mit einer weiteren Verdoppelung gerechnet. Weltweit liegt das Land schon heute an 12. Stelle der größten CO2-Produzenten.

Korruption und Menschenrechte

Nimmt man den Korruptions-Index von Transparency International, ist Mexiko innerhalb der letzten Jahre zu einem Korruptionssumpf verkommen. 17 Plätze stürzte das Land von 2008 auf 2009 im Ranking der korruptesten Staaten ab und liegt inzwischen gleichauf mit Lesotho, Malawi und Marokko. Hauptgrund: die allgegenwärtige Drogenmafia.

Die Polizeikräfte Mexikos geraten immer wieder in die Kritik, Menschen unrechtmäßig festzuhalten, mit ungerechtfertigter Härte vorzugehen oder gar zu foltern. Insbesondere in den südlichen Landesteilen werden vor allem Indios auf diese Weise verfolgt. Umweltschützer und Menschenrechtler werden bisweilen unter fadenscheinigen und konstruierten Vorwänden verhaftet und teils monatelang festgehalten.

Auch in Sachen Pressefreiheit steht es nicht zum Besten. Seit 2000 sind 72 Journalisten in Mexiko ermordert worden oder verschwunden, was Mexiko für Journalisten zum gefährlichsten Land Lateinamerikas macht. Oft werden die Verbrechen nicht einmal untersucht.

Aktivitäten von Greenpeace

Das Hauptaugenmerk der Arbeit des vergangenen Jahres galt wie in vielen anderen Teilen der Welt dem Kampf gegen den Klimawandel. Kleiner lokaler Beitrag: Ein Gesetz zum Verbot von herkömmlichen Glühbirnen, das gute Aussichten hat, noch dieses Jahr verabschiedet zu werden.

Darüber hinaus versucht die kleine Truppe von 25 Leuten, den Anbau von gentechnisch verändertem Mais im Land zu verhindern. Mexiko gilt als das Mutterland des Maises. Er wurde schon 5000 vor Christus angebaut. Eine Vielzahl an natürlichen und über die Jahrtausende entwickelten Sorten wächst hier und ist integraler Bestandteil der mexikanischen Küche. Im Jahr 2009 erlaubte jedoch die Regierung den experimentellen Anbau von gentechnisch veränderten Maissorten. Greenpeace konnte nachweisen, dass zwei Ex-Mitarbeiter von Saatgutkonzernen an entscheidenden Regierungsstellen platziert worden waren, um die Genehmigung zu erwirken.

Zusätzlich versucht das lokale Büro, der Entwaldung Einhalt zu gebieten und eine nachhaltige Fischereipolitik umzusetzen.

(Autor: Helge Holler)

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