Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Kroatien: Das Land der 1.000 Inseln

In kaum einem anderen Teilnehmerland der WM hat der Fußball eine so überragende Bedeutung wie in Kroatien. Nach der Unabhängigkeitserklärung im Juni 1991 gehörte zu den ersten Amtshandlungen des damaligen Präsidenten Franjo Tudjman der Aufnahmeantrag bei der FIFA (Weltfußballverband) - sogar noch vor dem Beitritt zur UNO ...
Und nachdem die kroatische Fußball- Nationalmannschaft bei der WM 1998 in Frankreich den dritten Platz erreicht hatte, wurde sie vom Staatspräsidenten zum Träger nationaler Würde erklärt.

  • /

Land und Leute

Die Bevölkerung Kroatiens besteht nach den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Serbien, in denen mit Zwangsvertreibungen und Massenfluchten die Bevölkerungen beider Staaten neu sortiert wurden, heute zu fast 90 Prozent aus Kroaten und zu vier Prozent aus Serben. Angehörige anderer Nationalitäten der früheren jugoslawischen Teilrepubliken machen jeweils weniger als ein Prozent aus.

Wirtschaft

Wie wichtig ein gut durchdachter Trainingsplan ist, macht sich auch in der kroatischen Wirtschaft bemerkbar: Aus einer früher landwirtschaftlich geprägten Region wurde Kroatien nach dem Zweiten Weltkrieg industrialisiert. Dabei lagen die Planungsschwerpunkte auf der Pharmazie-, Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie sowie dem Schiffbau. Ab den 60er Jahren wurde zusätzlich die kroatische Adria für den Tourismus erschlossen.

Mit der Unabhängigkeitserklärung und dem anschließenden Krieg mit Serbien brachen die traditionellen Absatzgebiete für die in Kroatien produzierten Waren weg. Die Betriebe litten zudem unter den Zerstörungen. Der Tourismus erlebte einen Niedergang.

Die zur gleichen Zeit beginnende Privatisierung der Betriebe und die Umstellung der Wirtschaft auf marktwirtschaftliche Prinzipien führten zu weiteren Produktionsrückgängen: Mit veralteten technischen Ausrüstungen konnten die kroatischen Firmen nicht gegen die Waren-Konkurrenz aus dem EU-Raum bestehen.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 56.542 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 4,6 Millionen
  • Hauptstadt: Zagreb
  • Amtssprache: Kroatisch
  • Staatsform: Kroatien ist eine parlamentarische Demokratie mit Mehrheitswahlrecht
  • Unabhängigkeit: 22.6.1991
  • Kroatiens Nationalmannschaft nimmt zum dritten mal an einer Fußball WM teil. Ihr größter Erfolg war der dritte Platz bei der WM 1998 in Frankreich, wo sie nicht nur Deutschland im Halbfinale ausschaltete, sondern auch noch die favorisierten Niederlande im kleinen Finale bezwang.

 

Aber die Kroaten gaben das Spiel noch nicht verloren! Um die Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig moderne Technologie ins Land zu holen, richteten eine ganze Reihe Städte und Gemeinden Sonderwirtschaftszonen ein: Durch Steuererleichterungen und die Bereitstellung der kompletten Infrastruktur sollen Investoren angelockt werden.

Natur und Umwelt

Vielseitigkeit kann im Fußball ein großer Vorteil sein - genauso verhält es sich auch jeseits des Rasens: Kroatien ist ein kleines Land, hat aber vielfältige Landschaften und Klimazonen. Fast die Hälfte des Staatsgebiets wird von Tiefebenen eingenommen. Sie sind fruchtbare, landwirtschaftlich nutzbare Gebiete, die nur von wenigen Mittelgebirgen unterbrochen werden.

Nach Westen schließen sich mehrere parallel verlaufende Kalkstein-Gebirgsketten an. Einsickerndes Wasser löst das Gestein und fließt in unterirdischen Höhlensystemen weiter. Diese Höhlensysteme stehen mittlerweile unter Naturschutz. 30 Prozent der Landesfläche gehören zur adriatischen Region, die durch Steilküsten und mehr als 1.000 vorgelagerte Inseln geprägt ist. Die größte dieser Inseln ist die in keinem Quiz fehlende Insel Krk.

Kroatien hat acht Naturparks und zehn weitere Schutzgebiete, die allerdings fast alle noch aus jugoslawischer Zeit stammen. Gegenüber dem Naturschutz hat die Ankurbelung der Wirtschaft absoluten Vorrang. Wegen der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus wird jedoch an der Adriaküste allergrößter Wert auf die Wasserqualität gelegt.

Manchmal führt jedoch ein Alleingang zum Tor: Die kroatische Regierung erklärte im Jahr 2004 alle zu Kroatien gehörenden Teile der Adria zu einem ökologischen Schutzgebiet und zu einer kontrollierten Fischereizone, um die heimische Meeresfauna und -flora zu schützen. Trotz massiver Proteste des italienischen Fischereiverbands und der EU hält Kroatien an dieser Entscheidung fest.

Menschenrechte und Korruption

Die Europäische Kommission stellte in einem Bericht fest, das Kroatien alle "einschlägigen Rechtsinstrumente im Bereich der Menschenrechte" ratifiziert habe. Theoretisch erscheint Kroatien vor allem nach dem Tod des frühren Präsidenten Tudjman als ein Land, in dem Pressefreiheit herrscht. Immer noch müssen aber Journalisten damit rechnen, verklagt und verurteilt zu werden, wenn sie öffentliche Personen angreifen und Missstände offenlegen. Besonders häufig greift man dabei auf Anklagen wegen Verleumdung zurück.

Auch die Korruption ist nicht beendet mit dem Tode Tudjmans, von dem es heißt, er habe die Privatisierung der kroatischen Wirtschaft genutzt, um sich und seinem Clan die Taschen zu füllen. Heute herrscht immer noch die Korruption vor allem in der Bauwirtschaft, im Gesundheitsbereich und in der Justiz.

Besonderheiten

Die Kroaten gelten als Erfinder und Namensgeber der Krawatte, seit kroatische Soldaten im 17. Jahrhundert Halstücher trugen, um sich im Kampfgetümmel besser erkennen zu können.

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Ausgehandelt?

Es ist ruhig geworden um TTIP und CETA. Interessieren Handelsabkommen in Zeiten von Schutzzöllen nicht mehr? Doch! Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven sagt, wie es weitergeht.

Unternehmen Verantwortung

Großkonzerne können ungestraft Steuern hinterziehen, die Umwelt vergiften und Menschenrechte verletzen, so ein Greenpeace-Report. Er zeigt auch, wie das geändert werden kann.

Kuhhandel

Auto gegen Rind – so der Deal eines Handelsabkommens zwischen EU und Lateinamerika. Schlecht für Verbraucher und Umwelt, das zeigen von Greenpeace Niederlande geleakte Dokumente.