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Iran: Fußballspielen im Jahre 1385

Ganz in Rot werden die Spieler der Jahrhundert-Elf aus dem Iran am Sonntag (19. Chordad 1385 nach dem iranischen Kalender oder 11. Juni 2006 nach dem Gregorianischen) im Franken-Stadion in Nürnberg auflaufen. Dort dürften dann nur männliche Fans aus dem Heimatland die Nationalhymne Sorud-e Melli-ye mitsingen. Nach wie vor gilt das Verdikt von 1979, dem Jahr der islamischen Revolution im Iran, das Frauen den Zutritt zu Fußballstadien verweigert. Für sie sei es unziemlich, da dort geflucht werde und es zu schlechtem Verhalten kommen könne ...

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Land und Leute

Bis 1925 war das Land als Persien bekannt. Die dann folgende Teamumbildung zur Monarchie mit einem Schah als Spielführer wurde 1979 durch die islamische Revolution rückgängig gemacht. Der Schah sah die Rote Karte und verließ das Spielfeld. Mannschaftsleitung, Coach und Libero wurden ausgetauscht und rekrutieren sich seither aus einem konservativ-religiösen Pool. Es gilt das Herrschaftsprinzip des velayat-e faqih - die Herrschaft der islamischen Rechtsgelehrten. Parteien nach westlichem Verständnis gibt es nicht.

Die Bevölkerung setzt sich vorrangig aus Persern (51 Prozent) und Aserbaidschanern (24 Prozent) zusammen. Weitere Volksgruppen sind Kurden, Araber und Turkmenen.

Wirtschaft

Deutlich abweichend von sportmedizinischen Erkenntnissen westlicher Mannschaften zieht der Iran ein eigenes Trainingsprogramm in der Wirtschaft durch: Die Ökonomie liegt überwiegend in den Händen des Staates beziehungsweise religiöser Stiftungen. In privater Hand befinden sich lediglich kleinere Betriebe. Die Regierung formuliert die wirtschaftlichen Ziele in Fünfjahresplänen.

Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und Kfz-Industrie. Die iranische Wirtschaft hat zu kämpfen mit einer erheblichen Inflationsrate, einer hohen Arbeitslosigkeit (offiziell nur mit rund 11 Prozent angegeben) sowie einem hohen Maß an Korruption und Schattenwirtschaft.

Die Hauptpartner für Exporte sind Japan, China und Italien; für den Import: Deutschland, Frankreich und China.

Energie

Beachtliches ist über die Kraftquellen des Teams Iran zu berichten: Bei den Erdölreserven muss sich der Iran nur Saudi Arabien und Kanada geschlagen geben. Über noch mehr Erdgas verfügt allein Russland.

Iran war einer der ersten Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages. Im Jahr 2003 musste Iran zugeben, über 18 Jahre hinweg ein geheim gehaltenes Nuklearprogramm verfolgt zu haben. Hierzu gehört der verdeckte Bau einer Urananreicherungsanlage, in der auch spaltbares Material zur Waffenproduktion hergestellt werden kann. Bis heute läuft kein einziges AKW in der Islamischen Republik.

Nach wie vor verfolgt der Iran ein ehrgeiziges Atomprogramm, das zum so genannten Atomstreit geführt hat. Ihm gegenüber stehen ausgerechnet Atommächte wie die USA, Großbritannien und Frankreich. Obwohl sie Angst haben, dass sich der Besitz von Atomwaffen ausweiten könnte, kommen sie nicht auf den Gedanken, ihre eigenen Verpflichtungen zu erfüllen und endlich abzurüsten.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 1,648 Millionen Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 68.688.433
  • Hauptstadt: Teheran
  • Amtssprache: Persisch (Farsi)
  • Staatsform: Islamische Republik (seit 1. April 1979)
  • Unabhängigkeit: Iran (Persien) war nie Kolonie, aber zeitweise unter britischem und russischem, danach amerikanischem Einfluss
  • 1974 nahm der Iran erstmalig an einer WM teil und nur vier Jahre später gelang es den Iranern zum zweiten Mal. Dabei erreichten die iranischen Spieler die erste Endrunden-Teilnahme in einer WM.

 

Natur und Umwelt

Ein konditionsförderndes Höhentraining bekommen die Spieler aus dem Iran jeden Tag gratis: Die Landschaft im Iran hat einen ausgeprägt gebirgigen Charakter. Sie zerfällt deshalb in viele Täler und Hochplateaus, die durch Gebirgszüge getrennt werden. Im bevölkerungsreichen Westen findet man auch den höchsten Berg des Landes: den Damavand (5.604 Meter).

Das Klima im Iran ist sehr unterschiedlich, bedingt durch die weiträumige Ausdehnung des Landes. Allgemein herrscht ein kontinental-trockenes Klima. Doch treten regional - insbesondere im Norden (Kaspisches Meer) und an einigen Gebirgsrändern - jährliche Niederschläge bis zu 2.000 Millimeter auf. Am trockensten sind die Salzseen im Landesinnern. Und in den Wüsten an den südlichen Küsten beobachtet man in der Nacht immer wieder die Bildung von Nebel.

Es gibt auch deutliche Schwächen im Spiel der Iraner: Immer öfter dürfte ihnen wohl die Luft knapp werden - die Luftverschmutzung gerade in den städtischen Ballungsräumen beschert dem Land einen Negativrekord. Platz eins bei der Belastung mit Schwefeloxiden (SOx) in Städten. Sie stammen aus Autoabgasen, Raffinerietätigkeiten und Industrieabgasen.

Auch die Ölwirtschaft zeigt Folgen und immer wieder müssen Ölverschmutzungen des Persischen Golfes behoben werden. Weitere Umweltprobleme sind der Kahlschlag der Wälder, Überweidung und Wüstenbildung.

Menschenrechte und Pressefreiheit

Eine Position im iranischen Spiel blieb bislang unbesetzt: die der Menschenrechte. Amnesty International prangert in der Islamischen Republik die Vollstreckung von Todesstrafen auch bei Minderjährigen an. Es gibt Auspeitschungen und staatliche Folter.

In ihrem Jahresbericht 2005 sagt die Menschenrechtsorganisation: Zahlreiche politische Gefangene, unter ihnen gewaltlose politische Gefangene, verbüßten nach unfairen Prozessen in den Vorjahren Freiheitsstrafen. Viele weitere Menschen wurden im Berichtszeitraum festgenommen, oftmals im Zusammenhang mit Zeitungsartikeln oder sonstigen Veröffentlichungen in Druckerzeugnissen oder im Internet, durch die angeblich die nationale Sicherheit gefährdet, staatliche Funktionsträger diffamiert oder religiöse Gebote missachtet worden seien.

Zahlreiche Familienangehörige inhaftierter Personen waren ebenfalls Einschüchterungsmaßnahmen ausgesetzt. Unabhängige Menschenrechtsverteidiger wurden schikaniert. Mindestens zwei Personen starben in der Haft. 159 Menschen wurden hingerichtet, darunter ein minderjähriges Mädchen. Berichten zufolge starben mindestens zwei von 36 Menschen nach ihrer Auspeitschung. Es fand keine Untersuchung dieser zwei Todesfälle statt. Die tatsächlichen Zahlen derjenigen, an denen die Todesstrafe oder Prügelstrafen vollstreckt wurden, dürften jedoch weit höher gewesen sein.

Die Reporter ohne Grenzen platzieren den Iran an 164. Position unter 167 Ländern in Hinblick auf die Pressefreiheit.

Besonderheiten

Bei der Ausreise aus dem Iran darf jede Person einen bis zu sechs Quadratmeter großen und höchstens 30 Jahre alten Teppich mit sich führen.

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