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Höher, schneller, immer mehr?

Auf der Internationalen Degrowth-Konferenz in Leipzig ging es vom 2. bis 6. September um die Frage, wie eine zukunftsfähige Lebensweise aussehen könnte.

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Welche Wege führen aus der Wachstumsfalle? Diese Grundsatzfrage stellten sich auf dem weiträumigen Gelände der Leipziger Universität insgesamt 3.000 Teilnehmer - Aktivisten, Wissenschaftler und Vertreter aus unterschiedlichen Initiativen, Verbänden und Organisationen. Denn dass das bisherige Wachstumsmodell der wohl wichtigste Treiber für Umweltzerstörung, Übernutzung von Ressourcen und soziale Krisen ist, bestritt in Leipzig kaum jemand. Und so wurden die negativen Folgen der Wachstumsideologie auch in vielen Veranstaltungen der „Degrowth“-Konferenz scharfsichtig und interessant beschrieben und analysiert. Doch welche Wege aus dem Wachstumswahn die Lösung bringen, war durchaus umstritten und keineswegs leicht zu beantworten.

Auf Podiumsdiskussionen und in Workshops wurden Analysen und mögliche Lösungsansätze diskutiert und ausgetauscht, während in wissenschaftlichen Formaten vor allem Ergebnisse aktueller Forschungen vorgestellt wurden. Auf dem Hinterhof des Universitätsgeländes waren Zelte aufgebaut, es wurde Gemüse geschnippelt und gemeinschaftlich gekocht. Anderswo wurden aus alten Fahrradreifen Etuis gebastelt. Ganz nach dem Degrowth-Motto: nicht nur diskutieren, sondern schon mal anfangen zu handeln und eigene Handlungsspielräume erkennen und ausprobieren.

In einem dreiteiligen Workshop wurde übrigens auch der Frage nachgegangen, warum sich etablierte Umwelt- und Entwicklungsorganisationen bisher mit diesem Diskurs eher schwer tun. Auch bei Greenpeace gab und gibt es immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Thema Wachstum. Eine Arbeitsgruppe bei Greenpeace entwickelt derzeit Positionen zur Wachstumsfrage. An unserem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten fragten wir die Teilnehmer unter anderem, in welcher Rolle sie Umweltorganisationen wie Greenpeace sehen bzw. welche Rolle diese in einem solchen Diskurs spielen sollten. Oder ob und wie man zwischen „schlechtem“ und „gutem“ Wachstum unterscheiden sollte, etwa von Unternehmen der Erneuerbaren Energien-Branche. Die Antworten auf diese und andere Fragen wurden auf Pinnwänden gesammelt und in Gesprächen am Stand diskutiert. Sie werden in den Positionsentwicklungsprozess mit einfließen.

Hintergrund: Unter „Degrowth“ wird eine Verringerung von Produktion und Konsum in den schon früh industrialisierten Staaten verstanden. Ziel ist es, dass die ökologischen Grenzen unseres Planeten anerkannt werden und zugleich Wohlstand für alle Menschen geschaffen sowie für zukünftige Generationen gesichert wird. Die Degrowth-Perspektive eröffnet eine alternative Sichtweise auf die gegenwärtigen Krisen und beinhaltet eine verstärkte Systematisierung im Kontext von Ökonomie und Sozialem.

In Deutschland wird der Diskurs vor allem unter dem Label „Postwachstum“ geführt: eine derzeit wachsende Bewegung, die nicht nur in Deutschland, sondern vor allem auch in Frankreich, Spanien, Italien aber auch Lateinamerika (Buen Vivir/Gutes Leben) verstärkt in die Öffentlichkeit tritt.

(Autor: David Petersen)

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