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Hausaufgaben für Wirtschaft und Politik

Das fünfte Weltsozialforum (WSF) ist am Montag in Porto Alegre, Brasilien, zu Ende gegangen. Rund 155.000 Vertreterinnen und Vertreter von Umwelt-, Indigenen- und Sozialen Organisationen aus aller Welt nahmen an dem Gegengipfel des Weltwirtschaftsforums in Davos teil.

Zum Abschluss der fünftägigen Konferenz wurden zwei Erklärungen präsentiert. Ein zwölf Punkte umfassendes Manifest von Porto Alegre ist ein Vorstoß von 19 Prominenten, die unter anderem den Schuldenerlass für arme Länder, eine Besteuerung internationaler Finanztransaktionen, die Förderung eines gerechten Handels sowie den Abzug der US-Truppen aus allen ausländischen Militärstützpunkten fordern.

Zudem sollen die Vereinten Nationen ihren Sitz von New York auf die südlliche Erdhalbkugel zu verlegen. Wenngleich diese Forderungen von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern geteilt werden, ist das Manifest keine vom WSF angenommene Abschlußerklärung. Die offizielle Abschlußerklärung der Versammlung der sozialen Bewegungen der Welt ist noch nicht verfügbar.

Am Samstag hatten Greenpeace-Aktivisten mit einem Heißluftballon auf dem WSF gegen die brasilianische Atompolitik protestiert. Die Besucherinnen und Besucher konnten sich an einer Unterschriftenaktion gegen den geplanten Atomkraftwerksblock ANGRA 3 beteiligen.

Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinterließen neben ihrer Unterschrift eine Protestbotschaft an die brasilianische Regierung auf einem großen Banner. Im Anschluss an das Weltsozialforum soll dieses Banner Präsident Lula übergeben werden.

Bereits am Freitag protestierten 200 Farmer gemeinsam mit Greenpeace-Aktivisten in einer farbenfrohen Zeremonie gegen die zunehmende Kontrolle Monsantos über den Anbau von Lebensmitteln. Monsanto versucht in Lateinamerika, die Verbreitung von Gen-Soja zu erzwingen. Wälder und bäuerliche Gemeinschaften müssen weichen, um Platz für Monsantos Soja zu schaffen.

Zusammen forderten Bauern, die Entwicklungsorganisation ActionAid und Greenpeace Monsanto auf, das Projekt Soja-Republik aufzugeben, da dieses sozial ungerecht und ökologisch verheerend sei. Die Farmer wollen eine gentechnikfreie Landwirtschaft und fordern ihr Recht, selber entscheiden zu können, was sie anbauen wollen.

Emiliano Ezcurra, Gentechnik-Experte von Greenpeace Argentinien kommentierte: Die Soja-Republik zeigt, dass soziale und ökologische Fragen nicht getrennt werden können. Monsanto und die anderen Gen-Multis bedrohen die Natur ebenso wie die kleinbäuerliche Lebensweise in Lateinamerika. Deshalb ist es genau das richtige Signal, dass Bauern und Greenpeace sich gemeinsam gegen die Soja-Republik wenden.

Im kommenden Jahr soll das WSF dezentralisiert werden. Dabei ist vorgesehen, es in mehreren Städten auf mindestens drei Kontinenten - Afrika, Asien und Lateinamerika - stattfinden zu lassen. Damit können noch mehr Menschen an den Diskussionen teilnehmen.

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