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Griechenland: muss über die Runden kommen

Vielleicht hatten die Götter ja ihre Füße im Spiel: Erst zum zweiten Mal nimmt eine griechische Fußballdelegation an einer FIFA-Weltmeisterschaft teil. Der Zeitpunkt könnte kaum günstiger sein – Griechenland steht vor einer nationalen Zerreißprobe und kann eine kurze Ablenkung gut gebrauchen ...

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Land, Leute und Geschichte

Griechenland gehört zu den Wiegen Europas. Zahlreiche Gelehrte der griechischen Antike haben uns Erkenntnisse hinterlassen, die noch heute als Grundbausteine modernen Wissens gelten. So interpretierte Fußballtrainer Sepp Herberger die Quadratur des Kreises (Problemerkenntnis 450 v. Chr.) - verhältnismäßig kürzlich - erfrischend anders, als er feststellte: Der Ball ist rund – und das Runde muss ins Eckige! Aber nicht nur im Fußball, auch in der Literatur, Kunst, Philosophie, Mathematik, Medizin und Politik spielt das kulturelle Erbe Griechenlands noch heute eine elementare Rolle.

Der moderne, hellenische Staat hat sich in den letzten Jahren von einem Auswanderungsland zu einem Einwanderungsland entwickelt. Neben den Zuwanderern griechischer Herkunft zum Beispiel aus ehemaligen GUS-Staaten sind es jetzt vor allem Albaner, die in Griechenland Aufnahme suchen.

Offiziell leben etwa eine Million registrierte Ausländer in Griechenland, und geschätzte 500.000 Illegale – darunter immer häufiger Asylsuchende aus Afrika, die ihren Weg nach Europa im Meer zwischen der Türkei und Griechenland suchen.

Prompt beklagte Amnesty International in seinem letzten Jahresbericht zu Griechenland, dass es im Umgang mit Migranten und Asylsuchenden wiederholt zu Gewaltanwendungen durch Behördenvertreter und Polizei kommt. Offensichtlich grätscht aber auch die Türkei in das Flüchtlingsproblem: Viele illegale Einwanderer werden wohl über den Nachbarstaat eingeschleust. Trotzdem entwickelt sich das traditionell schwierige Verhältnis zur Türkei in Richtung Freundschaftsspiel. So gilt Griechenland mittlerweile als einer der größten Befürworter eines EU-Beitritts der Türkei.

Geografie, Staat, Fußball

  • Fläche: 132.000 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 10,749,943 Millionen
  • Hauptstadt: Athen
  • Amtssprache: Neugriechisch
  • Staatsform: Parlamentarische Demokratie
  • Unabhängigkeit: 03.02.1830 (Londoner Protokoll)
  • Griechenland nimmt zum zweiten Mal an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil. Größter Erfolg in der Fußballgeschichte des Landes: 2004 wurde das Team unter Trainer König Otto von Bremen Europameister.

Wirtschaft

Das hoch verschuldete Land musste Anfang des Jahres vor Brüssel die Hosen herunterlassen und steht nun unter EU-Aufsicht. Mit einer Schuldenlast von rund 120 Prozent der eigenen Wirtschaftsleistung und einem Haushaltsdefizit von über 13 Prozent ist die Hellenische Republik nur dank der finanziellen Unterstützung ihrer EU-Teamkollegen dem Bankrott entkommen. Jetzt steht ein rigides Sparprogramm auf dem Trainingsplan der nächsten Jahre. Eingefrorene Renten, gefallene Beamtenbezüge und eine auf 23 Prozent gestiegene Mehrwertsteuer könnten aber noch ein Nachspiel haben: Nicht nur die Gewerkschaften laufen in Griechenland gegen diese Maßnahmen Sturm.

Natur und Umwelt

Griechenland hat eine beeindruckende Küstenlänge von rund 15.000 Kilometern vorzuweisen – kein Wunder bei über 3000 Inseln, die ein Fünftel der Landesfläche ausmachen. Trotzdem wird Griechenland mit einem Gebirgsanteil von fast 80 Prozent als Gebirgsland eingestuft. Der höchste Berg des Landes war früher berühmt als Wohnstätte der griechischen Götter: Zeus und seine Mannen vom Olymp (2917 Meter) erfreuten sich gerne an internen Machtspielchen, bei denen sie ihre sterblichen Lieblingsspieler in aussichtslose Wettkämpfe schickten ...

Griechenland hat ein mediterranes Klima mit feucht-milden Wintern und sehr trockenen, heißen Sommern. Hohe Temperaturen und nachlässig abgebrannte Erntefelder sorgen jedes Jahr wieder für verheerende Waldbrände in den heißen Monaten. Das mangelnde Bewusstsein für Natur- und Umweltschutz in vielen Teilen der griechischen Bevölkerung ist grundsätzlich ein großes Problem, das flankiert wird vom Verhalten des Staates. So zückte die EU bereits einige Rote Karten und bat Athen wegen nicht eingehaltener Umweltnormen zur Kasse. Abseits-Themen sind vor allem das ungelöste Müllproblem, die hohe Schadstoffbelastung in den Ballungsgebieten Athen und Thessaloniki sowie die schlechte Klimaschutz-Bilanz. Mit einem vorletzten Platz im Klimaschutz-Index der EU beweist Griechenland hier allenfalls Kreisklassen-Qualitäten.

(Autorin: Simone Wiepking)

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