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Giftige Spielekonsolen

Sie versprechen jede Menge Spaß und Hightech - und jubeln uns Gifte von gestern unter. Greenpeace hat Spielekonsolen ins Labor geschickt und die Ergebnisse heute in dem Report "Playing Dirty" veröffentlicht. Darunter namhafte Produkte wie Nintendos Wii, Sonys PlayStation 3 Elite und Microsofts Xbox 360. PVC, Weichmacher oder bromierte Flammschutzmittel: Alle drei Hersteller setzen gefährliche Chemikalien für die Produktion ihrer Spielekonsolen ein. Die Xbox 360 und die PlayStation 3 Elite enthalten beispielsweise DEHP, ein Plastik-Weichmacher, der in Kinderspielzeug bereits verboten ist. Glück für Microsoft und Sony, dass Konsolen nicht in die Kategorie Kinderspielzeug fallen.

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"Giftige Chemikalien, die nicht in Kinderhände gehören, haben auch in Spielekonsolen nichts zu suchen", sagt Ulrike Kallee, Chemieexpertin von Greenpeace. "Durch Abrieb oder Ausdünsten gefährden sie unsere Gesundheit und werden auch beim Recycling zum Problem."

Der Greenpeace-Test zeigt aber auch, dass giftige Stoffe vermieden werden können. Die Hersteller haben für unterschiedliche Bauteile wie Platinen oder Gehäuse giftige Substanzen durch ungefährliche Alternativen ersetzt, sagt Kallee. Wissen und Material sind also vorhanden, es muss nur noch in einer Spielekonsole zusammengebracht werden, um ein grüneres Produkt auf den Markt zu bringen.

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Seit einigen Jahren ist Greenpeace auf der Suche nach Grüner Elektronik. So ist im August 2006 das erste Ranking für Computer und Handys erschienen. Die Kampagne sowie die Proteste von Verbrauchern zeigten einige Erfolge. Greenpeace hat jetzt zusätzlich Speielkonsolen ins Visier genommen. Der Markt erfreute sich im letzten Jahr über eine Wachstumsrate von 14 Prozent. Zeit zu investieren - in nachhaltigere Produkte.

Gefährliches Spiel

Die Chemikalien, die Greenpeace in den Spielekonsolen gefunden hat, sind unter anderem fortpflanzungsschädigend, schaden Leber und Niere und finden sich in zunehmenden Mengen z.B. in der Muttermilch wieder. Doch sie schädigen nicht nur unsere Gesundheit.

Riesige Mengen an Elektroschrott werden nicht recycelt: In Europa bis zu 75 Prozent, in den USA sind es sogar 80 Prozent. Das Schicksal dieser Geräte ist unbekannt. Ein Teil findet seinen Weg - oft illegal - auf afrikanische Müllkippen oder nach Asien, wo die Geräte rudimentär per Hand auseinander genommen werden.

So tauchen Arbeiter und Arbeiterinnen Platinen in starke Säuren oder verbrennen PVC-Kabel über dem offenen Feuer, um das Kupfer und andere Rohstoffe herauszutrennen. Dabei atmen sie die hochgiftigen Dämpfe ein. Neben dem Verzicht auf Schadstoffe fordert Greenpeace deshalb von den Herstellern, alte Geräte zurückzunehmen und zu recyceln.

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