Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Ghana: Fußball ist die Nr. 1

In einem Punkt ist Ghana auf jeden Fall Weltmeister: Es besitzt den größten künstlich geschaffenen See der Welt, den Volta-Stausee. Er hat eine Wasseroberfläche von fast 8.500 Quadratkilometern. Das ist fast das Zehnfache von Berlin, allerdings 520 Kilometer lang und dafür eher schmal. Gestaut wird der See von der fünftgrößten Talsperre der Welt, dem Akosombo-Staudamm.

  • /

Goldküste - so wurde der Küstenstreifen des heutigen Ghana früher genannt. Ein Goldener Stuhl gehört zu den wichtigsten mythologischen Symbolen des Volks der Ashanti in Zentralghana. Schwarzes Gold hießen die Sklaven bei den europäischen Sklavenhändlern, die bis Ende des 19. Jahrhunderts in Ghana ihr Unwesen trieben.

Gold ist das größte Exportgut des westafrikanischen Staates - und der Goldabbau eines der größten Umweltprobleme. Gold wert könnten aber auch die Black Stars sein. So wird die ghanaische Nationalelf im eigenen Land genannt. Fußball ist in Ghana Volkssport Nummer 1.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 239.460 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 23,4 Millionen
  • Einwohner pro Quadratkilometer: 98
  • Hauptstadt: Accra (knapp zwei Millionen Einwohner)
  • Amtssprache: Englisch; daneben werden auch einheimische Sprachen offiziell gefördert
  • Staatsform: Präsidialdemokratie
  • Fußball: seit 1958 in der FIFA, viermal Afrikameister (1963, 1965, 1978, 1982), zweimal FIFA-U17-Weltmeister (1991, 1995), 2006 WM-Debüt

Wirtschaft

Ghana ist nach Südafrika der größte Goldproduzent Afrikas. Das Edelmetall sorgt für rund 34 Prozent der ghanaischen Exporte. Es wird ausschließlich im Tagebau gewonnen, meistens unter Anwendung des Zyanidverfahrens. Der giftige Abraum wird in der Regel auf Halden und in Auffangbecken gelagert. Lecks oder Dammbrüche stellen eine permanente Gefahr für Menschen und Umwelt dar. Dem großen Landschaftsverbrauch fallen außerdem auch Wälder zum Opfer.

Doch in erster Linie ist Ghana ein Agrarland. 60 Prozent aller Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Der Kakaoexport hält einen Exportanteil von 32 Prozent. Damit ist das Land am Atlantik Vizeweltmeister - gleich nach dem Nachbarn im Westen, Côte d'Ivoire. Erfreulicherweise gibt es ghanaischen Kakao, der zu fairen Bedingungen gehandelt wird. Er stammt von der Kuapa Kokoo Union (Kuapa Kokoo: guter Kakao), einer bäuerlichen Genossenschaft, die mittlerweile zehntausende Mitglieder hat. Kakao- und Schokoladengenießer/innen mögen beim Einkauf also auf Fairplay, sprich: das Zeichen für fairen Handel achten.

An dritter Stelle der Exportgüter steht mit sechs Prozent immer noch das Holz. Das ist verdächtig, denn tatsächlich gibt es nach jahrelanger Meisterschaft im Kahlschlag so gut wie keinen echten Urwald mehr im Land. Woher das wertvolle Tropenholz dann kommt? Zumeist aus den Schutzgebieten - illegal. Foulspiel!

Trotz natürlichen Reichtums und eines relativ stabilen Wirtschaftswachstums lebt fast die Hälfte der Ghanaer in großer Armut. Nach einer Phase zahlreicher Militärputsche in den 1970er Jahren ist das Land heute politisch stabil. Doch um die Wirtschaft anzukurbeln, hat es große Kredite bei der Weltbank aufgenommen. Diese Schulden lasten schwer auf der Bevölkerung. Das Geld würde dringend zum Beispiel für Investitionen ins Gesundheitswesen und in die Bildung gebraucht.

Natur und Umwelt

Ghana ist bekannt für die Freundlichkeit und Gastfreundschaft seiner Menschen, für seine vielfältige Kunst und Kultur und für seine landschaftliche Schönheit. Doch die Natur des Landes - Sandstrände, Wald und Savanne - ist vielerlei Gefahren ausgesetzt. 85.000 Quadratkilometer Urwald bedeckten Ghana einst - so viel wie zweimal die Niederlande. Heute gibt es echten Urwald praktisch nur noch in geschützten Gebieten. Schutzgebiete machen mittlerweile rund elf Prozent der Landesfläche aus, insgesamt 40.289 Quadratkilometer. Sie verteilen sich auf 16 Parks und 5 Feuchtgebiete.

Foulspiel am Urwald ist gleichbedeutend mit Foulspiel an den Arten, die in ihm leben. So ist es kein Wunder, dass auch der große Artenreichtum der ghanaischen Wälder dahinschwindet. 13 Säugetierarten, 10 Vogel-, 4 Reptilien- und 103 Pflanzenarten standen 2005 auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Die ghanaische Regierung hat das Problem erkannt. Im Artenschutz steht es auf Platz 42 von 141. Das heißt, es erfüllt 87 Prozent der Forderungen, die das Washingtoner Artenschutzabkommen aufstellt.

Der Frevel am Regenwald hat aber noch weitaus mehr Folgen: Weniger Bäume verdunsten weniger Wasser, es fällt weniger Regen. Der Harmattan, ein heißer trockener Wüstenwind aus dem Norden, wirkt sich stärker aus. Dürreperioden werden häufiger. Der Boden wird durch die extensive Landwirtschaft zusätzlich ausgelaugt und bringt schlechtere Ernten hervor.

Das Feuer zum Kochen wird in der Regel mit Holz oder Holzkohle angefacht. Das macht 60 Prozent der verbrauchten Energie aus, schadet dem Klima und natürlich auch den Wäldern. In der CO2-Weltrangliste belegt Ghana trotzdem noch einen beachtlichen 171. Platz von insgesamt 210. Und hier sind die Letzen tatsächlich die Ersten. Zur Erinnerung: Deutschland steht auf Platz 32.

Der Golf von Guinea an der westafrikanischen Atlantikküste gilt als besonders fischreich. Und gut entwickelt ist auch die ghanaische Fischerei. Allerdings sind die Fischgründe heute bedroht. Europäische Fischereiflotten und asiatische Piratenfischer holen sich dort den Fisch, den sie in eigenen Gewässern erfolgreich dezimiert haben.

Religion, Verfassung, Menschenrechte

Das Zusammenleben der vielen verschiedenen Volksgruppen in Ghana verläuft harmonisch. Auch um die Religion streitet man sich nicht. Die 63 Prozent Christen, 16 Prozent Moslems und 21 Prozent Animisten leben friedlich miteinander. Seit 1992 hat Ghana eine demokratische Verfassung, in der freie Wahlen, Religions-, Meinungs- und Pressefreiheit, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Gleichheit vor dem Gesetz garantiert werden. Die von den Vereinten Nationen festgeschriebenen Menschenrechte werden anerkannt.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat Ghana allerdings die Gelbe Karte gezeigt. Es habe zwar die unabhängigsten Medien ganz Afrikas, trotzdem gebe es vereinzelt Selbstzensur und Druck bis hin zu Morddrohungen. Transparency International setzt Ghana in der Korruptionsrangliste auf Platz 69 von 180. Auch Amnesty International sieht noch Trainingsbedarf. Zwar ist seit 1993 niemand mehr hingerichtet oder auch "nur" zum Tode verurteilt worden, doch offiziell gibt es die Todesstrafe noch. Außerdem sind in Ghana Frauen und Mädchen zwischen 10 und 18 besonders durch sexuelle Gewalt gefährdet. Die sexuelle Verstümmelung von Mädchen ist verboten, doch auf dem Land ist die alte Tradition noch lebendig.

Besonderheiten

Der schwarze Stern der Hoffnung auf der ghanaischen Flagge gilt in Afrika als Leitstern der Freiheit. Für die Bevölkerung Ghanas symbolisiert er zudem die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung und den Sieg über die Armut.

(Autorin: Sigrid Totz)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Ausgehandelt?

Es ist ruhig geworden um TTIP und CETA. Interessieren Handelsabkommen in Zeiten von Schutzzöllen nicht mehr? Doch! Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven sagt, wie es weitergeht.

Unternehmen Verantwortung

Großkonzerne können ungestraft Steuern hinterziehen, die Umwelt vergiften und Menschenrechte verletzen, so ein Greenpeace-Report. Er zeigt auch, wie das geändert werden kann.

Kuhhandel

Auto gegen Rind – so der Deal eines Handelsabkommens zwischen EU und Lateinamerika. Schlecht für Verbraucher und Umwelt, das zeigen von Greenpeace Niederlande geleakte Dokumente.