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Fleisch: Massenware besser dosieren!

Essen ist Leben lautet der Titel der aktuellen ARD-Themenwoche. Und mit 1,3 Millionen Vegetariern deutschlandweit ist der Verzicht auf Fleisch auch hier ein Thema. Ob Antibiotika-Einsatz bei Masthühnern, Gel-Schinken oder Gammelfleisch: Kaum ein Lebensmittel wartet mit so vielen Skandalen auf wie Fleisch. Zwar steigt die Zahl der Vegetarier, doch gleichzeitig auch der Fleischkonsum: Fleisch wird immer noch gesehen als ein Lebensmittel, auf das nur schwerlich zu verzichten ist. Dass es sich dabei um ein pures Luxusgut handelt, wird meistens übersehen. Denn die weitverbreitete Konsumdevise lautet Geiz ist geil - und die macht auch vorm Fleisch nicht halt.

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Dabei sind es gerade die tierischen Lebensmittel, deren Konsum weitreichende Folgen mit sich bringt. Und das nicht nur für die eigene Gesundheit. Neben gesunden Nährstoffen enthält Fleisch auch gesättigte Fettsäuren, die für erhöhte Blutfettwerte sorgen und anfällig machen für Herzkrankheiten und Übergewicht. Verheerend sind die Folgen aber auch für unsere Umwelt: Laut Water Footprint Network sind für die Produktion von einem Kilo Fleisch 16.000 Liter Wasser nötig (zum Vergleich: ein Kilo Weizen benötigt 1350 Liter). Bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 87,88 Kilo Fleisch im Jahr in Deutschland kommt da schnell eine erschreckende Zahl zustande.

Für ein Kilo Rindfleisch wird die zehnfache Menge Futter gebraucht. Die dafür benötigte landwirtschaftliche Fläche schlägt also gleich doppelt zu Buche. Um das zu schaffen, wird Regenwald abgeholzt, und Viehfutter angepflanzt statt Lebensmittel. Dazu kommt der extreme CO2-Ausstoß der Wiederkäuer: Pro Kilo Rindfleisch werden 13,3 Kilo CO2 ausgestoßen. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Mischbrot produziert 0,75 Kilo CO2, Äpfel 0,5 Kilo CO2, und Tomaten 0,2 Kilo CO2.

Der Footprint

In unserer persönlichen Öko-Bilanz schlägt der Fleischverzehr also ganz schön zu Buche. Das zeigt die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks - der Footprint. Der berechnet die Fläche, die die Natur bräuchte, um die Rohstoffe zu erneuern und den Abfall aufzunehmen, die der Mensch für Ackerbau, Tierhaltung, Energiegewinnung, Mobilität, Holzgewinnung etc. verbraucht. Auch die direkt verbauten Flächen, etwa durch Siedlungen und Straßen werden mit einbezogen. Das Ergebnis - der ökologische Fußabdruck einer Region, eines Landes oder der ganzen Welt - wird in dem Flächenmaß "Global Hektar" (gha) ausgedrückt.

Je größer der Footprint, desto stärker wird die Umwelt belastet. Dem gegenüber steht die "Biokapazität" einer Region, also die Fähigkeit der Natur, Rohstoffe auf- und Schadstoffe abzubauen. Wenn der Footprint die Biokapazität einer Region nicht überschreitet, dann leben die Menschen dort potenziell nachhaltig. Überschreitet er jedoch die Biokapazität, dann leben die Bewohner auf Kosten anderer Regionen - denn für die Erde als Ganzes kann der Footprint die Biokapazität auf Dauer nicht übersteigen! Der Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch in Deutschland liegt derzeit bei 4,2 gha und müsste in Zukunft um mehr als die Hälfte verringert werden, wollen wir mit der weltweit fair verfügbaren Biokapazität von 1,7 gha auskommen.

Ein bewussterer Fleischkonsum wäre ein guter Anfang, die eigene Bilanz zu polieren. Wenn auch der komplette Verzicht noch schwer vorstellbar ist, bieten sich doch zahlreiche Möglichkeiten zu handeln. Dabei gilt vor allem: Qualität geht vor Quantität. So macht ein guter Sonntagsbraten sich doch besser als die schnelle Currywurst oder ein Döner aus der Tüte. Auch ein fester vegetarischer Tag pro Woche könnte ein guter Anfang sein. Die Woche fleischfrei zu starten, dazu ruft in England Ex-Beatle Paul McCartney auf - und nennt das Ganze Meat free Monday. Vielleicht bringt das ja den einen oder anderen auf den Geschmack - und Schnitzel, Wurst und Co. bleiben bald links liegen. Einen Spareffekt für Klima, Tiere, Gesundheit und Footprint hätte es allemal. Und so passt dann auch wieder das Motto: Geiz ist geil!

Mit dem Thema Essen ist Leben beschäftigt sich derzeit auch die ARD-Themenwoche noch bis zum 29. Oktober.

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