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England: Mutterland des Fußballs

Seit 1966 träumt England davon, den Weltmeisterpokal wieder nach Hause zu holen. Die Chancen dafür stehen in Südafrika nicht so schlecht: Das Team unter Fabio Capello gewann neun von zehn Qualifikationsspielen und ist in WM-Form. Leider gar nicht in Form ist dagegen Mr. David Beckham: Wegen einer Verletzung an der Achillesferse wird die schönste Frisur im Fußball auf der Bank zu finden sein.

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Großbritannien und England - das ist für viele ein und dieselbe Medaille. Tatsächlich besitzt England im Gegensatz zu Schottland, Wales und Nordirland kein eigenes Landesparlament, so dass Englands Politik in der Außendarstellung als Politik Großbritanniens auftritt.

Im Bevölkerungsmix des Vereinigten Königreiches stellen die Engländer dann auch den größten Mannschaftsanteil: 83,6 Prozent gegenüber den schottischen Teamkollegen mit 8,6 Prozent, den Walisern mit 4,9 und den Nordiren mit 2,9 Prozent. Mit 3,1 Prozent ist die britische Bevölkerung mit indischem oder pakistanischem Hintergrund eine wichtige Größe im Land.

Geografie, Staat

  • Ländername: Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
  • Fläche: 243.820 Quadratkilometer
  • Einwohner: 61,4 Millionen
  • Hauptstadt: London
  • Regierungsform: Parlamentarische Monarchie mit zwei Kammern

Wirtschaft und Politik

Nicht nur Performances auf hohem sportlichen Niveau haben in England Tradition. Die maritime Supermacht des 19. Jahrhunderts war gleichzeitig führende Industrienation. Von diesen alten Glanzzeiten ist der Inselstaat zur Zeit weit entfernt: Als Europas Finanzplatz Nr.1 ist Großbritannien durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise kräftig ins Stolpern gekommen. Die Neuverschuldung für das laufende Jahr liegt bei über 12 Prozent - damit weist das Königreich eine ähnlich dramatische Bilanz auf wie WM-Konkurrent Griechenland!

Dennoch gehört Großbritannien nach wie vor zu den wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt: Diverse Hochtechnologiebranchen (Telekommunikation, Informationstechnik, Biotechnologie, Pharma- und Chemieindustrie sowie Fahrzeugbau, Rüstungstechnologie und Elektrotechnik) machen die Fußballnation neben dem Finanzsektor (sieben Prozent des BIP) zum Global Player.

Auch auf internationalem Parkett sind sie nicht zu übersehen: Die Briten gelten als Großmeister in der Kunst der Diplomatie. Als Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und Nuklearmacht belegt Großbritannien einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat. Auch als Gründungsmitglied der NATO (1949) und des Europarates (1950) bewahrt die einstige Supermacht bis heute gerne ihr außenpolitisches Gewicht.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kam es allerdings zu einem diplomatischen Eigentor: Die Briten sind in heftige Kritik geraten, als sie im Schulterschluss mit den USA ohne UN-Mandat den Irak angriffen. Erst voriges Jahr wurden die letzten Kampftruppen aus diesem Gebiet abgezogen - in Afghanistan hingegen stellen die Briten noch immer das zweitstärkste Truppenkontingent. Doch im Mai dieses Jahres kündigte der Verteidigungsminister der neuen Koalition von Tories und Liberalen an, die britischen Soldaten jetzt auch aus Afghanistan herausholen zu wollen.

Natur und Umwelt

Das Land der Hobby-Gärtner hat sich in den letzten Jahren verstärkt der internationalen Klimapolitik zugewandt und damit auch dem wirtschaftlichen Potential neuer Umwelttechnologien. Besonders im Bereich Erneuerbarer Energien (Windkraft/Biomasse) wurden einige Anstrengungen unternommen.

Am 26. November 2008 hat Großbritannien als weltweit erstes Land ein eigenes Klimaschutzgesetz erlassen, den Climate Change Act 2008. Darin verpflichtet sich das Inselreich, seinen Treibhausgasausstoß auf mindesten 34 Prozent bis 2020 und auf mindesten 80 Prozent bis zum Jahr 2050 zu reduzieren (zugrunde gelegt waren Vergleichsdaten von 1990 beziehungsweise 1995). Ein prominentes Opfer des Climate Change Act wurde kürzlich der geplante Flughafenausbau von Heathrow: Ende März holte das oberste Gericht in London das Projekt vom Platz und entschied, dass eine dritte Startbahn kaum mit den Klimaschutzzielen des Landes zu vereinbaren wäre. Auch Greenpeace hatte jahrelang gegen die Erweiterung protestiert.

Inwieweit das Königreich seine Klimaschutzgesetz-Vorgaben allerdings tatsächlich erfüllt, bleibt abzuwarten: Das ehemalige Etappenziel, bis 2010 die eigenen CO2-Emissionen um 20 Prozent zu reduzieren, hat die Fußballnation jedenfalls nicht geschafft - mit lediglich 15 Prozent ist es zumindest in dieser Vorrunde gescheitert.

Außerdem setzt Großbritannien weiter auf Atomkraftwerke. Auch in der Zukunft soll eine neue Generation von Atomkraftwerken den energiepolitischen Kompromiss erzielen.

Damit hoffnungsvollen Talenten nicht das Grün zum Trainieren ausgeht: Über 20 Prozent der Landesfläche Großbritanniens sind als geschützte Gebiete ausgewiesen. Der National Trust, einflussreichste Umwelt- und Denkmalschutzorganisation, hat alleine rund 250.000 Hektar davon in seinem Besitz.

Besonderheiten

Prominentester Stürmer Großbritanniens in Sachen Umweltschutz, Biolandbau und Artenschutz ist seine königliche Hoheit, Prinz Charles.

(Autorin: Simone Wiepking)

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