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England: Mutterland des Fußballs

Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland (kurz: Großbritannien) wird häufig im Sprachgebrauch mit England gleichgesetzt - und tatsächlich besitzt England im Gegensatz zu Schottland, Wales und Nordirland kein eigenes Landesparlament; somit ist Englands Politik in der Außendarstellung die Politik Großbritanniens.

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Die Engländer stürmen im Bevölkerungsmix vorne weg: Mit über 83 Prozent stellen sie die Bevölkerungsmehrheit im Vereinigten Königreich. Weit abgeschlagen auf Platz 2: die Schotten mit 8,5 Prozent, gefolgt von den Walisern mit 5 Prozent und schließlich kommen die Nordiren (2,9 Prozent). Doch frische Spieler machen sich schon bereit: Mit 3,1 Prozent liegt der Anteil der Bevölkerung mit indischem bzw. pakistanischem Hintergrund vergleichbar hoch.

Wirtschaft

Nicht nur Performances auf hohem sportlichem Niveau haben in Großbritannien Tradition: Im 19. Jahhrhundert war der Inselstaat führende Industrienation und maritime Supermacht, heute liegt er auf Platz 4 der global wichtigsten Wirtschaftsnationen; starke Industriezweige machen Chemie, Fahrzeug- und Maschinenbau, Nahrungsmittel, Metallerzeugnisse sowie die Ölförderung und -verarbeitung aus. London gilt als wichtigster Finanzplatz Europas.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 130.395 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: rund 50,2 Millionen
  • Hauptstadt: London
  • Amtssprache: Englisch
  • Staatsform (GB): Parlamentarische Monarchie
  • England gilt als Mutterland des Fußballs, doch bislang haben die Lions erst einen FIFA-WM-Pokal nach Hause geholt: 1966 - und zwar in England

Während die britische Elf ihren Sinn für Fairplay auf dem Rasenplatz unter Beweis stellt, gelten die Politiker des Vereinigten Königreichs als Weltmeister auf dem Parkett der Diplomatie: Als Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und Nuklearmacht belegt Großbritannien einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat; ebenfalls Gründungsmitglied des Nordatlantischen Bündnisses (NATO, 1949) und des Europarates (1950), bewahrt Großbritannien bis heute gern sein außenpolitsches Gewicht.

Doch alle Diplomatie konnte jüngst nicht ein Eigentor verhindern: 2003 sind die Briten im Schulterschluss mit den USA in heftige Kritik geraten, als sie ohne UN-Mandat den Irak wegen angeblicher chemischer und atomarer Massenvernichtungswaffen angriffen. Bis heute sind noch 8.000 britische Soldaten im Irak stationiert, diese Zahl soll in absehbarer Zeit auf 5.000 reduziert werden.

Und das Team Großbritannien zeigt auch deutliche Leistungsschwächen: Amnesty International wirft in ihrem letzten Jahresbericht dem Land schwere Menschenrechtsverletzungen im so genannten Anti-Terror-Kampf vor. Nach den Anschlägen vom Juli 2005 seien u.a. die Bewegungen und Kommunikationen von Verdächtigen im eigenen Land stark beschnitten worden. Im Irak waren Angehörige der Streitkräfte Berichten zufolge für ungesetzliche Tötungen, Folterungen sowie Misshandlungen verantwortlich.

Natur und Umwelt

Das Land der Hobby-Gärtner hat sich in den letzten Jahren verstärkt der internationalen Klimapolitik zugewandt und damit auch dem wirtschaftlichen Potenzial neuer Umwelttechnologien. Besonders im Bereich Erneuerbarer Energien (Windkraft/Biomasse) sind einige Anstrengungen unternommen worden. Großbritanniens ehrgeiziges Ziel, bis 2010 den CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu reduzieren, wird aber nach Regierungsangaben nicht erfüllt werden; optimistische Schätzungen liegen bei 15-18 Prozent Reduktion. Revisionsgründe sind ein stärkeres Wirtschaftswachstum sowie der ölpreisbedingte Mehreinsatz von Kohle.

Auch vor ganz üblen Mitteln zum Erhalt der Leistungfähigkeit schreckt man im Inselkönigreich nicht zurück: Eine neue Generation von Atomkraftwerken, allerdings ohne staatliche Zuschüsse, soll nun den energiepolitischen Kompromiss erzielen. Dabei bleiben bis heute die Einleitungen der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Sellafield problematisch: Jährlich fließen drei Milliarden Liter radioaktiver Abfälle in die irische See.

Im CO2-Emissionsvergleich pro Kopf lagen die Briten mit etwa neun Tonnen 2003 auf Platz 25, doch die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch sah die Briten kürzlich im internationalen Klimaschutzindex auf einem guten dritten Platz - zu Grunde gelegt wurden hier u.a. auch die klimapolitischen Bemühungen der verglichenen Länder. Großbritannien hat das Kyoto-Protokoll 2002 ratifiziert.

Damit hoffnungsvollen Nachwuchstalenten nicht das Grün zum Trainieren ausgeht: Knapp 21 Prozent der Landesfläche Großbritanniens sind als geschützte Gebiete ausgewiesen. Der National Trust, einflussreichste Umwelt- und Denkmalschutzorganisation der Insel, hat alleine 248.000 Hektar davon in seinem Besitz.

Besonderheiten:

Prominentester Stürmer Großbritanniens in Sachen Umweltschutz, Biolandbau und Artenschutz ist seine königliche Hoheit, Prince Charles.

(Autorin: Simone Wiepking)

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