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Elfenbeinküste: Les Elephants geben ihr Debüt

Les Eléphants - so nennen die Ivorer ihre Nationalelf. Und der Elefant ist auch das Wappentier der Elfenbeinküste oder Côte d'Ivoire, wie der offizielle Name lautet. Ihre Wirtschaftsmetropole und Hafenstadt Abidjan, das Paris Westafrikas, war in früheren Zeiten die Drehscheibe für den internationalen Elfenbeinhandel. Als die Eléphants sich für die WM qualifizierten, geriet das ganze Land in einen Freudentaumel, der berauschende zwei Tage lang alle inneren Zwistigkeiten überbrückte.

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Côte d'Ivoire war in den Sechziger- und Siebzigerjahren das Vorzeigeland Afrikas. Ein Land, in dem mehr als 60 verschiedene Volksstämme friedlich zusammenlebten. Dessen Wirtschaft florierte. Das viele Migranten aus den Nachbarländern anzog, die dort Arbeit fanden oder Zuflucht vor dem Krieg in der eigenen Heimat. Heute, nach sechs Jahren Bürgerkrieg, ist Elfenbeinküste selber ein zerrüttetes Land. Die Sehnsucht nach Frieden ist groß. Les Eléphants stammen aus vielen verschiedenen Volksgruppen. Sie sehen ihr Nationalteam als ein Symbol für Toleranz und die WM-Qualifikation als Hoffnung für nationale Aussöhnung und Neubeginn.

Wirtschaft

Kakao, Kaffee, Tropenholz, Baumwolle, Palmöl, Erdöl ... Côte d'Ivoire kann mit vielen Pfunden wuchern. Hauptexportgüter sind Kakao und Kaffee. Viele Jahre lang war Tropenholz der Exportschlager. Ein ungeheurer Raubbau am Urwald war die Folge. Als in den 1960er Jahren Kakao und Kaffee auf dem Weltmarkt Spitzenpreise erzielten, beschleunigten die Ivorer den Kahlschlag noch und legten auf den gerodeten Flächen Kakao- und Kaffeeplantagen an. Côte d'Ivoire wurde Weltmeister im Kakao- und einer der Spitzenreiter im Kaffeeexport.

Die Spitzenpositionen in Kakao und Kaffee hält Côte d'Ivoire bis heute. 40 Prozent des Rohkakaos auf dem Weltmarkt stammen von dort. Doch die Preise auf dem Weltmarkt sind seit Beginn der Neunzigerjahre in den Keller gesunken. Mit dem wirtschaftlichen Abstieg kamen die ersten Feindseligkeiten auf, teils aus machtpolitischem Kalkül gezielt geschürt. Ende der 1990er spitzte sich die Lage zu, zum ersten Mal in der Geschichte des Landes putschte das Militär. 2002 versank Elfenbeinküste im Bürgerkrieg. Heute ist das Land faktisch geteilt in einen muslimischen Norden und einen christlich-animistischen Süden.

In Côte d’Ivoire blüht nicht mehr der Handel, sondern die Korruption - Platz 152 von 158 auf der Liste von Transparency International. Pressefreiheit - Platz 144 von 167. Menschenrechte - Amnesty International zeigt sich besorgt. Insgesamt leben 63 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze, 37 Prozent sogar in extremer Armut. Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 48 Jahren. Auf den Kakaoplantagen ist Kinderarbeit weit verbreitet.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 322.462
  • Einwohnerzahl: 17,6 Millionen
  • Hauptstadt: Yamoussoukro (ca. 150.000 Einwohner)
  • wichtigste Stadt: Abidjan, das Paris Westafrikas (vier Millionen Einwohner)
  • Amtssprache: Französisch, daneben 60 Stammessprachen
  • Staatsform: parlamentarische Demokratie
  • Frauenanteil im Parlament: 8,5 Prozent (Platz 110 von 158)
  • Bodenschätze: Diamanten, Mangan, Eisenerz
  • Fußball: FIFA-Mitglied seit 1960, Afrikameister 1992. WM-Debüt 2006

Natur und Umwelt

Côte d'Ivoire ist fast so groß wie Deutschland, doch auf jeden Quadratkilometer kommen durchschnittlich nur 49 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 231. Sanft steigt das Land von Süden nach Norden an. Drei Klimazonen bestimmen das Wetter: Tropisch heiß und feucht im Süden, heiß und trockener im Norden, kühler und nass im bergigen Westen und Nordwesten. Rund 515 Kilometer Atlantikküste bieten malerische Sandstrände unter Palmen, flache Lagunen und Sümpfe mit Mangrovenwäldern.

In Sachen Umweltbewusstsein gehört Côte d'Ivoire zu den Schlusslichtern. Ein Drittel der Landesfläche ist mit Wald bedeckt. Doch dieser Wald hat mit dem ursprünglichen Urwald nichts mehr zu tun. Das exzessive Abholzen des dichten tropischen Regenwalds hat sich als Eigentor erwiesen: Das Klima verändert sich. Die heißen Wüstenwinde aus der Sahelzone dringen weiter ins Land vor als früher, weil die natürliche Barriere des tropischen Regenwalds fehlt. Im Norden fällt weniger Regen. Die Bewirtschaftung der Plantagen mit ihren Monokulturen führt zur Belastung der Gewässer mit Düngemitteln und Pestiziden.

Kümmerliche Reste des früheren westafrikanischen Urwalds gibt es nur in wenigen geschützten Gebieten. Das größte ist mit rund 3.000 Quadratkilometern der Tai-Nationalpark im Südwesten des Landes. Die UNESCO hat ihn 1982 zum Weltnaturerbe ernannt. Der Wald ist jeglicher Bewirtschaftung entzogen. Eigens eingerichtete Schutzzonen ringsherum dürfen nur eingeschränkt genutzt werden. Insgesamt sind damit 5.000 Quadratkilometer Urwald geschützt.

Immerhin: Inzwischen gibt es Aufforstungsprogramme, und Holz darf nicht mehr uneingeschränkt exportiert werden. Doch mit dem ursprünglichen Urwald sind bereits zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verschwunden. Viele andere, beispielsweise die Waldelefanten, sind akut vom Aussterben bedroht. Auch in der Savanne gibt es nur noch wenige hundert Elefanten. Zwar wurde der Elfenbeinhandel 1989 weltweit komplett verboten, doch seitdem blüht in Côte d'Ivoire der illegale Handel mit Elfenbein aus Zentralafrika. Gelbe Karte - leider!

Bei den klimafeindlichen CO2-Emissionen liegt das Land im hinteren Mittelfeld, was in diesem Fall positiv zu bewerten ist. Der Ausstoß beträgt 0,41 Tonnen pro tausend Einwohner. Das bedeutet Platz 133 von 176. Zum Vergleich: Deutschland belegt mit mehr als 10.000 Tonnen Platz 20. Rund 38 Prozent der Energie erzeugen die Ivorer mit Wasserkraft. Erdöl und Kohle machen die anderen 62 Prozent aus. Der Beitritt zum Kyoto-Protokoll ist zumindest geplant.

Eine eher trübe Angelegenheit ist die Mitgliedschaft in der IWC. Leider macht die schlechte wirtschaftliche Situation Elfenbeinküste anfällig für japanischen Stimmenkauf mittels Entwicklungshilfe. Doch das Land hat nicht nur Probleme mit sich selber, sondern auch mit fremden Foulspielern im eigenen Strafraum: Die besonders fischreichen Gründe in der Bucht von Guinea werden nicht von den Ivorern hemmungslos geplündert, sondern von asiatischen und europäischen Fischereiflotten sowie asiatischen Piratenfischern.

Besonderheiten

Côte d'Ivoire war von Frankreich kolonialisiert und ist seit 1960 unabhängig. Innerhalb des Landes ist jede andere Form des Landesnamens, und sei es die Übersetzung in eine andere Sprache, bei Strafe verboten. Doch nicht nur Name und Amtssprache erinnern an die Kolonialzeit. Auch die ivorische Nationalflagge orientiert sich an der Trikolore. Das Orange steht allerdings für die Savanne, das Weiß für Wasser, das Grün für die tropische Küstenzone.

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