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Ecuador: Aus der Mitte der Welt

Die Welt ist rund wie ein Fußball - und das Land in der Mitte der Welt (en la mitad del mundo) heißt: Ecuador. Es ist der kleinste Andenstaat. Die Äquatorlinie, die nur wenige Kilometer nördlich der Hauptstadt Quito verläuft, hat dem Land seinen Namen verliehen.

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Mit rund 30 Prozent behauptet Ecuador eine der höchsten indigenen Bevölkerungsquoten Lateinamerikas. Die Bevölkerungsmehrheit stellen mit etwa 60 Prozent die europäisch-indianischen Mestizen. Der Anteil von Weißen sowie Afro-Ecuadorianern liegt bei zehn Prozent.

Wirtschaft

Ecuador ist der viertgrößte Erdölexporteur und der sechstgrößte Produzent von Rohöl in Lateinamerika. Doch das Land ist durch teure Kreditbindungen arm. Einen traurigen Rekord kann das Land für sich reklamieren: den der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung Lateinamerikas.

Schnelle Wechsel sind nicht nur beim Fußball gefährlich: Fluktuationen bei den Erdöl-Weltmarktpreisen sowie Natur- und Umweltkatastrophen als Folgen einer fast vierzigjährigen Ausbeutung der natürlichen Landesresourcen haben Ecuador nach 1999 in eine schwere wirtschaftliche Krise gestürzt.

Abhilfe sollte ausgerechnet eine Ausweitung der Erdölförderung bis 2005 auf 800.000 Barrel Öl täglich schaffen. Neue Raffinerien, Häfen und Pipelines wie die 500 Kilometer lange, über die Anden bis zum Pazifik laufende Pipeline der OCP, einem Konsortium multinationaler Firmen, sollen dem Land aus der Wirtschaftskrise verhelfen.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 283.560 km2
  • Einwohnerzahl: 13.5 Millionen
  • Hauptstadt: Quito
  • Amtssprache: Spanisch (Amtssprache), indigene Sprachen (bes. Quechua)
  • Staatsform: Präsidialdemokratie
  • Ecuador ist erst zum zweiten Mal bei einer FIFA-WM dabei (1.WM-Teilnahme in Korea/Japan 2002).

Natur und Umwelt

Der kleinste Andenstaat spielt jedoch auch in der Oberklasse mit: Von feuchten Regenwäldern über die hohen Andentäler hinunter zur Pazifikküste, das Amazonasgebiet und die zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln - schätzungsweise zehn Prozent aller weltweit existierenden Pflanzen- und Tierarten sind in Ecuador zu finden.

Doch dieser Artenreichtum wird durch taktische Fehler im Spiel seit Jahrzehnten massiv bedroht: Erdölförderungen in ökologisch sensiblen Gebieten wie in Amazonien, oder der Pipelinebau der OCP durch eine Bergwälderregion der Anden, die zu den Hotspots biologischer Vielfalt gehören.

Aber auch die industrielle Shrimps-Aquakultur an der Pazifikküste des Landes hat Ecuador in heftige soziale wie ökologische Konflikte gestürzt. Alleine für die Shrimpszucht wurden bislang etwa 70 Prozent von einst 300.000 Hektar Mangrovenwald zerstört. Diese Wälder aber schützen die Küste vor Sturmfluten, die aufgrund des Klimaphänomens El Niño häufiger auftreten. Zugleich sind sie die Lebensgrundlage von tausenden Muschelsucherinnen, die in den Sümpfen der Mangrovenwälder ihre Marktware finden.

Weitere Probleme, die unsere westliche Lust an der ehemaligen Luxusware Shrimps verursacht, sind Massenvertreibungen der einheimischen Bevölkerung, die Versalzungen der Böden durch künstlich angelegte Becken und der unkontrollierte Einsatz von Pestiziden und Antibiotika. 2001 verbrauchte die Andennation 2,5 Kilo Pestizide pro Hektar - und lag damit auf Platz 15 von 47 der größten Pestizideinbringer.

Eine gute Punktebilanz erzielt das Land in einer anderen Liga: Mit 1,5 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf bewegt sich der Staat im vorderen Mittelfeld der Wenigverbraucher (Platz 62). Im Milleniumsjahr 2000 hat Ecuador das Kyoto-Protokoll ratifiziert.

Ecuadors größtes Naturreservat ist der Nationalpark Yasuní - 1989 wurde er von der UNESCO wegen seiner exklusiven Artenvielfalt als Biosphärenreservat anerkannt.

Besonderheiten

Die Naturschutzorganisation Birdlife International ernannte den Chocó, eine Region im Nordwesten Südamerikas, zu dem auch die Bergwälder am Westhang der ecuadorianischen Anden gehören, zum wichtigsten Vogelschutzgebiet Südamerikas. Hier leben fünf Prozent aller weltweit existierenden Vogelarten - weltmeisterliche Artenvielfalt im Verhältnis zur Größe des Schutzgebiets!

(Autorin: Simone Wiepking)

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