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Costa Rica: Die Schweiz Mittelamerikas

Costa Rica, das nach El Salvador kleinste zentralamerikanische Land, gilt als Fairplayer in Lateinamerika. Gerade im Bereich Ausdauer leistet es Beachtliches: Auf eine über einhundertjährige stabile Demokratiegeschichte kann es zurückblicken. Sie wurde nur kurzzeitig unterbrochen und führte 1948 prompt zur Abschaffung des Militärs. Das hat Costa Rica bei seinen Fans den Beinamen Schweiz Mittelamerikas eingebracht. Eine ähnliche Landesgröße, hohe Berge sowie relativer Wohlstand legen diesen Vergleich zusätzlich nahe.

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Mit weniger als einem Prozent hat Costa Rica den geringsten Anteil indigener Bevölkerung unter den mittelamerikanischen Staaten. Der Großteil der Bevölkerung besteht aus Nachkommen spanischer Einwanderer. An der Karibikküste lebt eine Minderheit von Schwarzen und Mulatten, die im 19.Jahrhundert mit dem Beginn des Eisenbahnbaus parallel zum Aufstieg des US-Bananenkonzerns United Fruit Company nach Costa Rica kamen.

Wirtschaft

Einen Vizeweltmeistertitel hat sich Costa Rica schon ergattert: Nicht im (Öko-)Tourismus und auch nicht bei den steigenden Auslandsinvestitionen beispielsweise im High-Tech-Sektor (Intel), sondern im Bananenexport. Neben Bananen ist der traditionelle Kaffeeanbau in Plantagen verbreitet, aber auch Ananas, Blumen, Melonen und Zucker sind wichtige Exportgüter. Lieblingsteam im Import- wie im Exportgeschäft sind die USA.

Doch die Schweiz Mittelamerikas läuft manchmal auch in die Abseitsfalle: Entgegen der verfassungsrechtlich verankerten Neutralität hat sich Costa Rica im letzten Irak-Krieg als Befürworter der Politik von G.W. Bush geoutet. Diese Politik wurde allerdings stark flankiert von Protesten und Streiks der Ticos, wie sich die Einwohner selbst nennen. Zur gleichen Zeit liefen mit den USA Verhandlungen über das zentralamerikanische Freihandelsabkommen.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 51.100 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 4 Millionen
  • Hauptstadt: San José
  • Amtssprache: Spanisch
  • Staatsform: Präsidialrepublik
  • Costa Rica ist zum dritten Mal bei einer FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft dabei.

Natur und Umwelt

In diesem Sektor offenbart das Land noch einigen Trainingsbedarf: Die Bananenmonokulturen besonders im atlantischen Tiefland haben große ökologische und soziale Schäden verursacht. In den letzten 50 Jahren sind über 40 Prozent des urprünglichen Waldes Costa Ricas zerstört worden. Abgesehen von den massiven Kahlschlägen - auch in geschützten Waldgebieten - ist vor allem der hohe Pestizideinsatz problematisch. Hierbei kann Costa Rica sich leider schon als Weltmeister fühlen.

Folgen dieses Pestizid-Weltmeistertitels: Große Teile der atlantischen Küstenriffe sind durch Pestizideinbringungen in die Gewässer bereits zerstört. Daran ändert auch der zunehmende Einsatz biologischer Pflanzenschutzmittel nichts, der heute in Costa Rica bei 8,6 Prozent (weltweit nur etwa 2 Prozent) liegt. Hintergrund dieser Entwicklung sind Millionenentschädigungen, die an Krebs und Sterilität erkrankte Plantagenarbeiter in langwierigen Prozesswellen von transnationalen Konzernen und Herstellern von Pestiziden erkämpft haben.

Dennoch legt sich Costa Rica für den Umweltschutz auch ins Zeug, etwa durch sein Engagement zur Wahrung der heimischen Biodiversität und durch die Pflege nationaler Naturschutzzonen. Rund 30 Prozent der Fläche Costa Ricas stehen unter Naturschutz. Das Land beherbergt etwa vier bis fünf Prozent aller Pflanzen- und Tierarten der Erde.

Seit Mitte der 80er Jahre wird in weiten Teilen des Landes wieder eine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben. Viele der neuen (Plantagen-)Bewaldungen sind mit dem FSC-Siegel zertifiziert. Es gibt mehr als 20 Nationalparks. Zwei von ihnen, La Amistad und Guanacaste wie auch das ausgewiesene Schutzgebiet auf der unbwohnten Cocos-Insel, wurden von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Damit den Spielern auf dem Platz nicht die Luft wegbleibt: 2002 unterzeichnete Costa Rica das Kyoto-Protokoll - und ist heute eines der Länder mit den meisten Projekten im Rahmen der CO2-Reduktion. Im direkten Punktevergleich Deutschland - Costa Rica gewinnt der kleine Küstenstaat mit seiner besseren Treibhausbilanz: Costa Rica belegt Platz neun gegenüber Deutschland mit Platz 70.

Klima:

Ein Land, zwei Halbzeiten: Von Mai bis November erstreckt sich eine Regenzeit, gefolgt von einer Trockenzeit von Dezember bis April.

Besonderheiten

Die Schweiz Mittelamerikas beherbergt den Sitz des Interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte.

(Autorin: Simone Wiepking)

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