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Chile: facettenreiches Land

In Südafrika kehrt das chilenische Nationalteam nach zwei verpassten Turnieren auf die Weltbühne des Fußballs zurück und nimmt zum achten Mal an einer WM-Endrunde teil. Ziel ist es, an den Erfolg in Frankreich 1998 anzuknüpfen. Damals glänzte Chile mit seinem Traumpaar Marcelo Salas und Iván Zamorano und erreichte das Achtelfinale.

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Die Bronzemedaille von 1962 als WM-Gastgeber ist Chiles bisher größter Erfolg. Seit 2007 trainiert der Argentinier Marcelo Bielsa die Chilenen. Er brachte offensive Stärke und System ins Spiel, heißt es.

Geografie und Staat

  • Landesfläche: 756.626 Quadratkilometer
  • Einwohner: 16,9 Millionen
  • Hauptstadt: Santiago (ca. 6 Mio. Einwohner)
  • Landessprache: Spanisch
  • Staatsform: Republik und Präsidial-Demokratie
  • Unabhängigkeit: 18. September 1810 von Spanien

Politik und Wirtschaft

1542 wurde Chile durch die Spanier kolonialisiert. Besonders die Ureinwohner Mapuche leisteten erbitterten Widerstand. Sie erkämpften sich 1641 Souveränität und ein eigenes Territorium im Süden. 1810 erklärte Chile seine Unabhängigkeit, der Konflikt mit Spanien endete aber erst in Verträgen von 1871 und 1883.

Dafür folgten Kriege mit den Nachbarländern, ein Bürgerkrieg sowie ein Hin und Her im politischen System. Auch im 20. Jahrhundert erlebte Chile eine politische Achterbahnfahrt - im Wechsel zwischen Demokratie, Sozialismus und Diktatur: 1973 kam es zum Militärputsch und Heeresführer Augusto Pinochet kam als Diktator an die Macht - Anhänger der sozialistischen Regierung Salvador Allendes wurden verfolgt, ermordet und inhaftiert. In diesem Zusammenhang spielt auch das Fußballstadion in Santiago de Chile eine traurige Rolle. Zigtausende wurden dort zusammengetrieben - viele gefoltert. Seit 1989 gibt es in Chile wieder eine Demokratie. 2006 bis 2010 regierte mit der Sozialistin Michelle Bachelet erstmals eine Frau, seit März steht mit Sebastian Piñera ein Konservativer an der Spitze.

Ende Februar 2010 traf Chile ein schweres Erdbeben. Mit Stärke 8,8 zerstörte es Gebäude und Infrastruktur in vielen chilenischen Städten und Dörfern. Etwa 350 Menschen kamen ums Leben, 1,5 Millionen wurden obdachlos. Dennoch kamen die Chilenen vergleichsweise glimpflich davon. Allein, weil sie stabiler bauen - teilweise mit speziellem Erdbebenschutz. Sie waren auf eine Katastrophe wie diese vorbereitet. Innerhalb von 100 Jahren erlebte das südamerikanische Land vier starke Beben, 1960 sogar das schwerste, das weltweit je gemessen wurde: Es erreichte eine 9,5 auf der Richter-Skala.

Im 19. Jahrhundert förderte und exportierte Chile hauptsächlich Salpeter, mittlerweile bilden der Abbau und die Verarbeitung von Kupfer eine starke Wirtschaftskraft. Neben den weltgrößten Kupferreserven verfügt das Land auch über große Lithium- und Salzvorkommen. Weiterhin produziert und verkauft Chile Obst und Wein; Holzprodukte wie Zellulose und in ganz großem Stil Zuchtlachs.

Natur und Umwelt

Chile erstreckt sich als schmaler Streifen entlang Südamerikas Westküste: im Schnitt nur 200 Kilometer breit, dafür 4.300 Kilometer lang. Westlich grenzt das Land an den Pazifik, östlich an die Anden und Argentinien, seine nördlichen Nachbarn heißen Bolivien und Peru. Chile ist sehr bergig, mit über 6.000 Meter hohen Gipfeln, im Norden reichen Hochplateaus bis an die Küste heran.

Landschaftlich wie klimatisch bietet Chile große Vielfalt. Die Atacamawüste im Norden ist eine der trockensten Zonen der Erde. Das Zentrum ist mediterran geprägt, Obst, Gemüse und Wein gedeihen hier reichlich. Auch die meisten Chilenen fühlen sich hier wohl, im Zentrum sind alle Großstädte wie die Hauptstadt Santiago, Valparaiso und Concepción angesiedelt. Patagonien und Feuerland im Süden sind kalt, windig und regenreich. An der südlichen Pazifikküste gibt es noch intakte gemäßigte Regenwälder.

Chile besitzt jede Menge Naturreservate und Nationalparks, darunter der Conguillio im Zentrum - bekannt für seine Araukarien-Wälder - und der Torres del Paine in Patagonien mit seinen Bergen, Gletschern, Fjorden und Seen. So facettenreich wie die Landschaft ist Chiles Tierwelt. Im Wappen sind der Andenhirsch und Andenkondor zu sehen. Zu weiteren typischen Tieren zählen die Lama-Art Guanako und die Kamel-Art Vikunja – die sich ziemlich ähnlich sehen. Sie leben in Steppen und Gebirgsregionen.

Außerhalb von Schutzgebieten leidet Chile unter diversen Umweltproblemen. Zum Beispiel herrscht in den Großstädten Smog, Flüsse und Küstengewässer sind durch urbane und industrielle Abwässer belastet. Weitere Probleme heißen Entwaldung und Überfischung – wie quasi überall auf der Welt. Erst 1994 wurde die nationale Umweltbehörde Conama gegründet, deren Arbeit nur langsam greift. Energie gewinnt Chile vor allem durch Wasserkraft, gefolgt von Kohle und Erdgas – letzteres importiert aus Argentinien. Potential liegt in der Geothermie, in Wind- und Sonnenenergie. Die Exportinitiative Erneuerbare Energien der Bundesregierung bemüht sich um einen Markteinstieg in Chile.

Besonderheiten

Nach der gescheiterten Deutschen Revolution 1848/49 und in Folge von Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit wanderten Millionen Deutsche nach Übersee aus – auch nach Chile. Die Deutschen siedelten vor allem im Kleinen Süden und gründeten eigene Städte wie Puerto Montt. Sie waren willkommen und sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung. Während der NS-Zeit flohen Tausende deutsche Juden nach Chile. Nach dem Krieg kamen Ostflüchtlinge dazu, auch ehemalige Nazis.

Die Deutsch-Chilenen haben sich angepasst, doch ihre Wurzeln sind vielerorts sichtbar, zum Beispiel in Straßennamen, Kulturstätten und Vereinen. Es gibt Bäckereien mit Schwarzwälder Kirschtorte und Apfelstrudel im Angebot, und Brauereien, die nach deutschem Reinheitsgebot brauen wie Kunstmann in Valdivia. Über 20 deutsche Schulen findet man in Chile, außerdem viele Clubs Alemán, freiwillige Feuerwehren, Studentenverbindungen und die deutsche Zeitung Cóndor.

(Autorin: Nicoline Haas)

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