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Australien: Gedrängel unterm Ozonloch

Die Niederländer wollten Australien nicht. Sie kannten nur die Westküste, und dort war es ihnen zu trocken. 1770 landeten die Briten an der fruchtbareren Ostküste und gründeten dort ihre hauseigene Strafkolonie. So entstand Sydney. Im Stadion von Sydney haben sich 2005 die Socceroos, die australische Nationalelf, zum ersten Mal seit 1974 für eine WM qualifiziert. Socceroo kommt von soccer/Fußball und Kangaroo. Nur nebenbei: Kängurus können, wenn sie es eilig haben, 50 Stundenkilometer erreichen.

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Sydney war gewissermaßen die erste Großstadt Australiens. Bis 1868 wurden 160.000 Gefangene dorthin verschifft. Nicht alle waren Verbrecher: Das United Kingdom zeigte den Ärmsten der Armen die Rote Karte - der Diebstahl eines Stückchens Brot für die hungernde Familie reichte. 'Verbrecher' dieser Art gab es viele.

Nach und nach kamen auch freiwillige Siedler aus Großbritannien nach Australien und gründeten ihre eigenen Kolonien. Der eigentliche Run auf den Kontinent aber begann am 22. August 1851. An diesem Tag wurde nordöstlich von Melbourne Gold entdeckt. Das Goldfieber zog Heerscharen von Menschen in die terra australis, das Südland, und läutete das Ende des kolonialen Straflagers ein. Strafgefangenen konnte die Krone die Bürgerrechte verweigern, freiwilligen Siedlern nicht.

Seit 1901 sind die Einzelkolonien ein Team: das Commonwealth of Australia, wie der Name korrekt lautet. Seit 1931 ist der Bund formal, seit 1942 endgültig unabhängig vom einstigen Empire. Doch offizielle Verbandschefin ist bis heute die Queen of England. Die gemeinsame Hauptstadt Canberra wurde eigens aus dem Boden gestampft, weil man sich weder auf Melbourne noch Sydney einigen konnte.

Heute leben in Australien etwa 130 Millionen Schafe, 25 Millionen Rinder, rund 20,2 Millionen Menschen und - nach wie vor - Millionen Kängurus. (Die genaue Zahl konnten wir leider nicht ermitteln.) Auf jeden der fast 7,7 Millionen Quadratkilometer des sechstgrößten Landes der Erde kommen durchschnittlich etwa 2,5 Menschen. Diese Zahl trügt allerdings, denn die 20,2 Millionen drängeln sich auf kleinem Raum. 92 Prozent der australischen Bevölkerung leben in den Küstenstädten, besonders im Südosten, im Bereich des südlichen Ozonlochs. Das Innere des Kontinents ist praktisch menschenleer.

Wirtschaft und Ressourcen

Weites Land, viele Bodenschätze, wenig Menschen, gute Infrastruktur. Australien besitzt und produziert weitaus mehr, als es selber braucht. Kein Wunder, dass es Titel und Pokale in der Export-Oberliga abräumt: Erster Platz in Wolle, Opal (90 Prozent der Weltproduktion!) und Steinkohle. Zweiter Platz in Uran (nach Kanada) und Eisenerz. Mal zweiter, mal dritter oder vierter Platz in Weizen (je nach Wetterlage). Spitzenspieler in Gold. Dazu große Vorkommen von Bauxit, dem Grundstoff für die Aluminiumherstellung. Und Diamanten.

Zum Uran gilt es noch ein Wörtchen zu verlieren. Australien hat selber nur eine Atomanlage, den Forschungsreaktor Lucas Height. Allerdings haben die Ozzies vor nicht so langer Zeit Staub aufgewirbelt, der weit in die Nachrichtenwelt hineinstrahlte: Sie wollen den Atomwaffenstaat China mit Uran beliefern. Ausschließlich zu friedlichen Zwecken, versteht sich.

Das zweite Zugpferd der australischen Wirtschaft neben dem Bergbau ist die Landwirtschaft. Sechs Prozent der Landesfläche dienen dem Anbau von Nahrungs- und Futterpflanzen. 80 Prozent der Ernte werden exportiert. Riesige Gebiete, besonders im sogenannten Outback, sind Weideland. Das Outback erstreckt sich über beinahe drei Viertel der Landesfläche und verschiedene Klimazonen. Im Westen fällt manchmal jahrelang kein Regen, im Sommer kann die Temperatur auf 50 Grad Celsius steigen. Im Outback von Queensland dagegen gibt es üppigen tropischen Regenwald.

Geographie, Politik und Fußball

  • Kontinent: Ozeanien
  • Landesfläche: knapp 7,7 Millionen Quadratkilometer
  • Einwohner pro km²: 2,57
  • Hauptstadt: Canberra (320.000 Einwohner)
  • Amtssprache: Englisch
  • Politisches System: Parlamentarische Monarchie
  • Fußball: FIFA-Beitritt 1963; erste Teilnahme an einer WM seit 1974, zweite insgesamt

Natur und Umwelt

Das Westaustralische Plateau mit seinen Wüstenregionen macht 60 Prozent Australiens aus und ist für Menschen nahezu unbewohnbar. Wer so viel Wüste besitzt, sollte über jeden Quadratkilometer dichten tropischen Urwalds froh sein. Tatsächlich sind die alten Wälder Queenslands aber stark von Abholzung bedroht, und mit ihnen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Hitze und Trockenheit, Busch- und Waldbrände kommen hinzu.

Auf die Gefahr für Flora und Fauna hat Australien früh reagiert. Der erste Nationalpark wurde bereits 1879 eingerichtet. Heute sind rund zwölf Prozent der Landesfläche geschützt. Elf Gebiete sind bei der UNESCO als Weltnaturerbe gelistet. Dazu gehört auch das Great Barrier Reef vor der Nordostküste. Es ist das größte Korallenriff der Erde und eines der sieben Weltnaturwunder. Dem Great Barrier Reef machen heute der starke Schiffsverkehr, die Erwärmung des Meeres durch den Klimawandel und Schadstoffeinleitungen aus der Landwirtschaft zu schaffen.

Àpropos Klimawandel. Dazu tragen die Australier ihr gehöriges Scherflein bei. Ihren Strom erzeugen sie zu 80 Prozent mit heimischer Stein- und Braunkohle und zu 20 Prozent mit Gas- und Wasserkraftwerken. Australien hat das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert und steht in der CO2-Weltrangliste mit 16,5 Tonnen Kohlendioxid pro tausend Einwohnern auf einem blamablen achten Platz von 176.

Altlasten der Geschichte und Menschenrechte

Wie die Briten und späteren Australier mit den Aborigines umgingen, gehört zu den trübsten Kapiteln ihrer Geschichte. Die Aborigines sind die eigentlichen Ureinwohner Australiens und eine der ältesten bekannten Kulturen der Welt. Als die Briten Australien in Besitz nahmen, erklärten sie das Land zur Terra nullius, zum unbewohnten Land. Damit verloren die Ureinwohner jeglichen Anspruch auf ihr Land.

Zwischen 1900 und 1972 wurden Zehntausende Aborigine-Kinder gewaltsam aus ihren Familien entführt und in staatliche Institutionen verbracht. Ein Vorgehen, das heute als versuchter Genozid und eklatanter Verstoß gegen die Menschenrechte gilt. Der Film Long Walk Home des australischen Regisseurs Phillip Noyce erzählt die Geschichte dreier solcher Kinder. Originaltitel: Rabbit-Proof Fence. Sehr empfehlenswert!

Auch wenn es seit 1997 einen jährlichen nationalen Sorry-Tag für dieses Verbrechen gibt: Laut Amnesty International ist der Konflikt bis heute nur unzureichend gelöst. Immer noch leben die Aborigines weitgehend am Rande der Gesellschaft. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist 17 Jahre niedriger als die der weißen Australier. Das heißt, 58 Jahre bei den Männern, 64 bei den Frauen. Die Wahrscheinlichkeit, ins Gefängnis zu kommen, ist für Aborigines elfmal höher. Die Zahl der Übergriffe auf sie nimmt seit einiger Zeit wieder zu.

Besonderheiten

Das Symboltier und gleichzeitig der größte Faulpelz Australiens ist der Koala. 20 Stunden des lieben langen Tages verschläft er irgendwo oben in einem Baum. Festhalten muss er sich dabei nicht. Er klemmt sich einfach in eine Astgabel.

Die restlichen vier Stunden verbringt er mit Fressen. Dabei ist er äußerst wählerisch. Erstens nimmt er nur Eukalyptusblätter, doch beileibe nicht jede Sorte. Zweitens auch von der Wunschsorte nicht jedes Blatt. Ältere Eukalyptusblätter sind weniger giftig, darum muss die Auswahl äußerst sorgfältig erfolgen. Koalas sind seit 1937 ausdrücklich geschützt.

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