Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Australiens argloser Umgang mit Atomtechnik

Australien hat möglicherweise Atomwaffentechnologien an Staaten geliefert, die Massenvernichtungswaffen entwickeln. Diese Lieferungen seien aber ganz arglos erfolgt, so der australische Verteidigungsminister Robert Hill am Dienstag in Sydney. Es habe sich um Technologien gehandelt, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke geeignet seien.

Greenpeace hatte die australische Regierung zuvor beschuldigt, doppelte Standards zu verfolgen. Die neue Greenpeace-Studie Secrets, Lies and Uranium Enrichment vom November 2004 belegt diesen Vorwurf: Australien bekennt sich zur Nichtverbreitung von Atomwaffen, forscht aber hinter verschlossenen Türen an Verfahren, die dieses Ziel zu unterwandern drohen.

In Australiens einzigem Atomkraftwerk Lucas Heights in Sydney arbeitet die staatliche Australian Nuclear Science and Technology Organisation (ANSTO) seit 1978 an einem lasergesteuerten Verfahren zur Herstellung angereicherten Urans. An dem Projekt ist seit 1990 auch Silex Systems Ltd. beteiligt. Silex ist das weltweit einzige Unternehmen, das solche Verfahren entwickelt - eigenen Angaben zufolge um Brennstoff für Atomkraftwerke herzustellen.

Anreicherung per Laser gilt als so ernste Gefahr für den Atomwaffensperrvertrag, dass Atommächte wie die USA und Frankreich eigene Forschungen zurückgestellt haben. Die Technologie ist relativ einfach. Mit einer Anlage von der Größe eines kleinen Warenhauses können jedes Jahr mehrere Bomben hergestellt werden. Interessenten dürfte es genug geben. Kein Wunder, dass Robert Hill betonte, seines Wissens sei kein solches Produkt in terroristische Hände gelangt.

Die Studie (englisch): Secrets, Lies And Uranium Enrichment

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Forderungen zur Endverbleibskontrolle

Deutschland gehört weltweit zu den führenden Waffenexporteuren; immer wieder kommt es zu Skandalen. Die Lehren aus den Eklats um Sig Sauer und Heckler & Koch zeigt dieses Papier.

Mehr zum Thema

Moral schlägt Waffen

Die Mehrheit der Deutschen möchte, dass Waffenlieferungen an alle am Jemen-Krieg beteiligten Länder gestoppt werden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage.

Keine Geschäfte mit Krieg!

Im Jemen-Krieg wurden wiederholt Bomben des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall eingesetzt. Greenpeace-Aktivisten protestierten darum heute bei dessen Hauptversammlung.

Es ist zwei vor Zwölf

Die UN wollen Atomwaffen verbieten, der Vertrag wird gerade ratifiziert. Nur: die Atommächte machen nicht mit. Ein Interview mit Greenpeace-Experte Heinz Smital und Alexander Lurz.