Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

60 Jahre Hiroshima: Bomben-Modell vor US-Botschaft erinnert an Kriegsopfer

Gegen Atomwaffen und Krieg haben Greenpeace-Aktivisten am Samstag in Berlin in der Nähe der US-amerikanischen Botschaft protestiert. Die Umweltschützer bauten ein sechs Meter großes Modell einer Atombombe auf, aus der sich eine skelettierte Freiheitsstatue windet.

Damit erinnern die Greenpeacer an den 60. Jahrestag des Abwurfs der ersten Atombombe über dem japanischen Hiroshima durch die Vereinigten Staaten. Auf ihrem Banner ist zu lesen: 60 Jahre danach: Für eine Welt ohne Atomwaffen - USA nuklear abrüsten. Mit der Aktion erinnert Greenpeace an die fast 300.000 Toten durch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki.

In unserer Welt haben Atomwaffen nichts mehr verloren, sagt Wolfgang Lohbeck, Abrüstungsexperte von Greenpeace. Diese Bomben und Raketen sind überflüssig und gehören auf den Schrott. Dennoch lagern auch 15 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges weltweit über 16.000 einsatzbereite Atombomben in den Arsenalen, der Löwenanteil davon in den USA und Russland.

Es ist ein Trauerspiel, kritisiert Lohbeck, dass die USA aus den verheerenden Geschehnissen von vor 60 Jahren offenbar nichts gelernt haben. Anstatt weiter atomar aufzurüsten und sich sogar einen atomaren Erstschlag offenzuhalten, müssen sich die USA für den Abwurf der Atombombe entschuldigen und mit der nuklearen Abrüstung beginnen

In ihrer neuen Verteidungsstrategie aus dem Jahr 2002 halten sich die USA generell den Ersteinsatz von Atomwaffen und deren Einsatz gegen Nicht-Atomwaffenstaaten vor. Hierfür entwickeln US-Rüstungskonzerne neue Atomwaffen, so genannte Mini-Nukes. Zudem forschen US-Waffenlabors an tief in die Erde eindringende, atomare Bunkerbrecher.

Mit der Entwicklung dieser neuen Waffen, wie auch mit ihrer Weigerung atomar abzurüsten, brechen die USA den Atomwaffensperrvertrag von 1970. Darin hatten sich die Vereinigten Staaten und die anderen Atommächte zur atomaren Abrüstung verpflichtet. Der Vertrag verbietet Staaten, die 1967 keine Atomwaffen besaßen, diese zu bauen oder zu kaufen. Die Atommächte gingen im Gegenzug die Verpflichtung ein, ihre Atomwaffen schrittweise abzurüsten.

Greenpeace beteiligt sich weltweit an Gedenkveranstaltungen zum Atombombenabwurf. Gestern ließen Greenpeace-Aktivisten 10.000 Luftballons in Form von Friedenstauben vor dem Atombombendom in Hiroshima aufsteigen. An den Ballons waren Friedensbotschaften aus 155 Ländern befestigt.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Export von Gewalt und Ungleichheit

Die Studie über Waffenexporte und VNSR 1325 untersucht die Verbindung von deutschen Waffenexporten und geschlechtsspezifischer Gewalt.

Kernwaffen in Deutschland - Hintergründe zur nuklearen Teilhabe

Die vorliegende Studie bietet ein solides Wissen zur möglichen aktiven Teilnahme Deutschlands an der atomaren Abschreckung und an der Vorbereitung von Atomwaffeneinsätzen – auch von Deutschland aus. Denn im rheinland-pfälzischen Büchel sind US-Atomwaffen stationiert, die über die Vereinbarungen der nuklearen Teilhabe von deutschen Piloten und Kampfjets im Kriegsfall ins Ziel geflogen werden.

Mehr zum Thema

20 Jahre UN-Resolution 1325

Deutschland  hat sich verpflichtet: Keine Waffen an Länder zu liefern, die damit Frauen unterdrücken. Doch Vorsatz und Wirklichkeit klaffen auseinander.

Atomwaffen in Deutschland

Gesicherte Informationen über die US-Atomwaffen in Büchel gibt es kaum. Diese Studie leistet Abhilfe.

Europas Geist in Flammen

Das Elend im Flüchtlingslager Moria zeigt: Es braucht eine menschenwürdige Klima- und Asylpolitik auf europäischer Ebene.