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28. Jahrestag des Attentats auf die Rainbow Warrior

Am 10. Juli 1985 versenkte der französische Geheimdienst das Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior", das gegen Atomtests Frankreichs protestierte. Am Jahrestag des Attentats ist es die "Rainbow Warrior III", die gegen Atomkraft protestiert. Das Greenpeace-Flagschiff ist auf einer "Nuclear Emergency Tour" gegen die atomare Unverantwortlichkeit und die Arroganz der Mächtigen.

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Im Südkoreanischen Busan unterstützt das Schiff vier Aktivisten, die an der in Südkorea landesweit bekannten Gwangan-Brücke hängen. In 120 Metern Höhe über dem Meer fordern sie im Namen von dreieinhalb Millionen Einwohnern des Landes Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor den sechs in der Nähe liegenden Atomkraftwerken - alle in der Atomanlage von Gori Nuke Site.

Bei vielen werden da Erinnerungen an das in den achtziger Jahren legendäre Flaggschiff von Greenpeace wach. Damals war die Rainbow Warrior auf dem Weg zum pazifischen Moruroa-Atoll. Dort wollte die französische Nuklearmacht einen unterirdischen Atomtest durchführen. Die Rainbow Warrior mit ihrer Crew wollte dies verhindern oder zumindest die Weltöffentlichkeit darauf aufmerksam machen. Damit hatte sie Erfolg - wenn auch auf tragische Weise.

Die "Warrior", wie das Schiff allgemein genannt wurde, hatte zuvor die Bewohner des nahen Rongelap-Atolls evakuiert und zur Insel Mejato des Kwajalein-Atolls gebracht. Sie waren durch den radioaktiven Niederschlag nach Atomtests des amerikanischen Militärs über dem Bikini-Atoll verstrahlt und somit auf zynische Weise als unfreiwillige Versuchskaninchen missbraucht worden.

Auf dem Weg ins französische Testgebiet machte die Rainbow Warrior einen Zwischenstopp im neuseeländischen Auckland. Das sollte ihr letzter Hafenbesuch werden. Sie wurde im Hafen vom französischen Geheimdienst durch einen gezielten Bombenanschlag versenkt. An ihrem Rumpf waren unter der Wasserlinie mehrere Sprengsätze befestigt und gezündet worden. Der Greenpeace-Fotograf Fernado Pereira kam bei dem Attentat ums Leben. Er wurde in seiner Kabine in die Tiefe gerissen und konnte sich nicht mehr befreien.

Das Verbrechen des französischen Geheimdienstes - es wurde begangen mit Wissen - wenn nicht im Auftrag - des damaligen Präsidenten Mitterand. Es erregte weltweit Empörung und Geheimdienstchef Lacoste sowie Verteidigungsminister Hernu mussten ihren Hut nehmen. Die unmittelbaren Täter wurden nie zur Rechenschaft gezogen, ebenso wenig wie es eine juristische Aufarbeitung des Verbrechens gab.

Die alte Rainbow Warrior hat die Gefahren und die Unverantwortlichkeit der militärischen Nutzung der Atomkraft verhindern wollen und fiel einem Anschlag zum Opfer. Die heutige Rainbow Warrior deckt das unverantwortliche Handeln der Verantwortlichen mit den lebensbedrohlichen Risiken durch die sogenannte "zivile" Nutzung der Atomtechnik auf.

Die Rainbow Warrior tritt nicht zufällig zur Zeit des traurigen Jahrestages der Versenkung ihres Vorgängerschiffs in Aktion. Sie weist einmal mehr darauf hin, dass es keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen militärischer und ziviler Atomnutzung gibt. Beides sind nur verschiedene Seiten derselben Medaille.

Der Einsatz von Atomwaffen und ihr Test sind nach langem Ringen inzwischen geächtet. Die zivile Nutzung, mitunter auch als "friedliche" Nutzung beschönigt, ist dennoch die Zwillingsschwester der Atombombe.

(Autor: Wolfgang Lohbeck)

(Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Artikels stand die falsche Information, dass die Einwohner des Bikini-Atolls nach Rongelap gebracht worden seien.)
 

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