Interview mit Pianist Michael Abramovich

Zwischen den Elementen

Er spielte mitten auf der Elbe, direkt vor der Elbphilharmonie: Heute Früh gab Pianist Michael Abramovich ein „Konzert für den Planeten“. Warum, das erzählt er im Interview.

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Wer in den frühen Morgenstunden im Hafen unterwegs war, sah die Elbphilharmonie in neuem Licht: Greenpeace-Aktivisten projizierten den Schriftzug „Planet Earth First“ auf das Konzertgebäude. Untermalt wurde das Ganze von einem Live-Konzert des rumänisch-israelischen Pianisten Michael Abramovich. Der in Bukarest geborene Künstler studierte Klavier in seiner Heimatstadt, in Jerusalem und an der Manhattan School Of Music in New York. Er gastierte unter anderem am Mozarteum in Salzburg, der Carnegie Hall in New York, der Berliner Staatsoper Unter den Linden und dem Concertgebouw Amsterdam. Für sein jüngstes Projekt bringt er Frédéric Chopins komplettes Klavierwerk zur Aufführung, in einer Reihe von zehn Solokonzerten in Berlin.

Greenpeace: Sie spielen Chopins „Nocturne op. 9, Nr. 2 in Es-Dur“, warum ausgerechnet dieses Stück?

Michael Abramovich: Chopins Nachtmusikstücke sind etwas ganz Besonderes, und gerade dieses hat so eine Direktheit. Es besitzt eine wunderbare Melodie, die im Verlauf des Stückes immer komplizierter wird, mit jeder Wiederholung des Motivs kommen mehr Ornamente hinzu, es geht am Ende auf wie eine Pflanze. Ich finde, das ist ein gelungenes Bild für die Komplexität und Schönheit unseres Planeten, aber auch für seine Verletzlichkeit. Die Musik erinnert uns daran, dass wir diesen einzigartigen Ort schützen und bewahren müssen.

Würden Sie das Stück gerne Trump persönlich vorspielen?

(lacht) Ich glaube nicht, dass die Ideen darin auf offene Ohren stoßen. Aber ich sehe mich als Künstler schon in der Verpflichtung, mit meiner Musik dem schadhaften Wirken des US-Präsidenten etwas entgegenzusetzen. Dieses sich so langsam aufbauende Stück, das Schönheit entstehen lässt, ist das genaue Gegenteil von Trumps Politik der Demontage und Zerstörung.

Waren Sie sofort von der Idee begeistert? Gewöhnlich spielen Pianisten nicht nachts unter freiem Himmel und schon gar nicht auf einem Fluss.

Ich musste nicht überredet werden! Aber es ist schon ein kleines Abenteuer, zwischen den Elementen: auf dem Wasser und unter dem Himmel der Unendlichkeit… Wir versuchen diese kalte interstellare Nacht mit einer warmen, positiven Botschaft zu füllen: Die Erde muss an erster Stelle stehen, denn sie ist das Wertvollste und Schönste, was wir haben.

Nicht jeder hat das Talent und die Möglichkeit vor einem riesigen Klimaherz musikalisch zu protestieren. Was sagen Sie all den Menschen, die sich zum G20-Gipfel für den Klimaschutz engagieren wollen?

Wir alle tragen Verantwortung, auch wenn sie vielleicht weniger schwer auf unseren Schultern lastet als auf jenen der Mächtigen der Welt. Wir befinden uns vielleicht im letzten Akt der Vorstellung. Jeder kann – und muss – seinen Protest äußern. Dafür gibt es viele gewaltfreie Formen. Die Greenpeace-Idee, das Herz und den Planeten zusammenbringen, ist nur eine, aber eine wunderbare.

Wassermusik für Klimaschutz – Michael Abramovichs Konzert auf der Elbe:

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