Wasserdemo für Klimaschutz beim Hamburgbesuch von Angela Merkel

Die Kanzlerin ins Boot holen

Angela Merkel besuchte heute die Hamburger Hafencity-Universität. Aus der benachbarten Greenpeace-Zentrale kam Protest wegen der verschleppten Energiewende – auf dem Wasserweg.

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Es war ein nicht ganz alltäglicher Besuch in der Hafencity-Universität in Hamburg: Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach dort heute mit Vertretern zivilgesellschaftlicher Organisationen. Der Zusammenschluss, der sich an zwei Tagen zum Austausch traf, nennt sich C20 – das C steht für „civil“. Er ist eine sogenannte Beteiligungsgruppe der G20: Bevor in ein paar Wochen in Hamburg deren Spitzenpolitiker zusammentreten, wird hier diskutiert, wie die Zivilgesellschaft in globalen Fragen mitwirken kann.

Nun liegt die Hafencity-Universität (HCU) in unmittelbarer Nachbarschaft der Greenpeace-Zentrale: Eine gute Gelegenheit, der Bundeskanzlerin einen Gruß zu schicken – und dabei an ihre Verantwortung beim Klimaschutz zu erinnern. Am Gebäude selbst hing darum ein 34 mal 14 Meter großes Banner mit der Aufschrift „Planet Earth First heißt Kohleausstieg“ – von der HCU aus gut sichtbar.

Mehr als 100 Greenpeace-Mitarbeiter kamen sogar persönlich bei der Kanzlerin vorbei: Eine vollbesetzte Schaluppe kreuzte auf einem Elbe-Arm vor dem Universitätsgebäude, flankiert von sechs Schlauchbooten und Schwimmern im Wasser. Die Botschaft an Merkel lautete, dass Klimaschutz nicht ohne den Verzicht auf Kohle funktioniert. Denn mit ihrer Energiepolitik droht die Bundeskanzlerin die Errungenschaften der Energiewende leichtfertig zu verspielen – viel zu viele Kohlekraftwerke sind nach wie vor am Netz.

Sprechchöre für den Kohleausstieg

Um kurz nach halb vier dann Merkels Auftritt: An Land begleitet von Polizei und Fotografen, zu Wasser von „Planet Earth First“-Sprechchören der Greenpeace-Mitarbeiter traf die Bundeskanzlerin an der Hafencity-Universität für ein Podiumsgespräch mit den Vertretern der Zivilgesellschaft ein. Das sollte auch nicht gestört werden; ihre Nachricht hatten die Klimaschützer im Wasser überbracht.

Inhaltlich scheint die Forderung verstanden. Erst vergangene Woche sagte Angela Merkel bei einer CDU-Veranstaltung in Erfurt, Deutschland müsse in Sachen Klimaschutz mehr tun als bisher. Nun müssen den Worten endlich Taten folgen. „Deutschland kann sich nicht weiter als vorbildlicher Klimaschützer inszenieren und gleichzeitig mehr Braunkohle verfeuern als jedes andere Land der Erde“, sagt Anike Peters, Greenpeace-Expertin für Energie. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Energiewende mit einem sozialverträglichen Kohleausstieg zu komplettieren.“

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